Neues Blog über Online-Journalismus

Unter http://onlinejournalismusblog.com/ führe ich ein neues Blog – das erste reine Themen-Blog von mir. Es geht dabei im meinen Beruf: Den Online-Journalismus. Ziel ist es, die neuen Möglichkeiten des Online-Journalismus zu diskutieren, die dieser gegenüber klassischen Medienkanälen hinzugewonnen hat. Ausführlich dazu der Einführungsartikel:

Ein Blog über Online-Journalismus – wozu?

Advertisements

Online-Journalismus: Die vier Phasen einer Nachricht

Was macht Online-Journalismus aus? Laut dem CDU-Politiker Karl Johannes Beermann ist die Frage schnell beantwortet: „Die Staatsregierung versteht unter Onlinejournalismus Onlinejournalismus“ schrieb er als Antwort auf eine entsprechende Anfrage an die Staatsregierung Sachsen.

Wer es sich nicht ganz so einfach machen will, muss sich fragen, was Online-Journalismus vom klassischen Hörfunk-, Fernseh- und Print-Journalismus außer der Tatsache unterscheidet, dass er online stattfindet. Meiner Meinung nach sind es vor allem die deutlich größeren Möglichkeiten – bei Darstellungsform, Leserinteraktion und Distribution.

Viel ist schon über Interaktions-Möglichkeiten mit den Lesern und neue multimediale Darstellungsformen mit den Methoden des Datenjournalismus geschrieben worden. Ich will mich heute auf die Möglichkeiten konzentrieren, eine Breaking News im Online-Journalismus optimal an den Leser zu bringen. Große Nachrichten können meiner Meinung nach in vier Phasen unterteilt werden – und für jede Phase ist eine andere Darstellungsform angebracht.

Ich habe bislang überwiegend in Wirtschaftsredaktionen gearbeitet. Daher nehme ich eine typische große Wirtschaftsnachricht als Beispiel für die drei Phasen: die Verkündung der Ergebnisse einer EZB-Sitzung. Die erste Phase der Nachricht ist die Breaking News: Werden die Zinsen gesenkt, erhöht, bleiben sie gleich? Kauft die EZB weitere Staatsanleihen, in welchem Umfang? Haben sich die Konjunkturerwartungen der EZB geändert?

Der schnelle Fakt – die News – sollte so schnell wie möglich als Breaking News auf allen Kanälen gespielt werden – die Website, Facebook und Twitter. Denn die Schnelligkeit ist natürlich eine der Stärken des Online-Journalismus. Kurz darauf folgt die zweite Phase der Nachricht: Die Live-Dokumentation. EZB-Chef Draghi führt aus, warum die EZB welche Maßnahmen durchführt, wie die Notenbank die Lage einschätzt und verrät Details zur Umsetzung des Anleihekaufprogramms. Journalisten stellen Nachfragen und die Märkte reagieren.

Es gibt also eine sich live entwickelnde Story. Für diese Art von Ereignis ist das Live-Blog die ideale journalistische Form, weil die Leser so schnell wie möglich informiert werden wollen – immerhin bewegen diese Informationen die Märkte und Zeit ist hier der kritische Faktor. Natürlich sollte auf den Social-Media-Kanälen in dieser Nachrichten-Phase ein Link auf auf das Live-Blog gesetzt werden.

In den ersten beiden Phasen der Nachricht – Breaking News und Live-Blog – sind an die Korrektheit der Information die normalen journalistischen Standards anzulegen, nicht aber an die Form. Sätze können durchaus unschön sein, ein Tippfehler in einem Live-Blog kommt vor.

Noch während ein Redakteur in der zweiten Phase das Live-Blog befüllt, leitet ein anderer die dritte Phase der Nachricht ein: Er schreibt einen Artikel nach allen journalistischen Standards. Das heißt, der Text ist strukturiert und gut lesbar, das Wichtigste wird zuerst genannt – anders als beim Live-Blog, der naturgemäß chronologisch geordnet ist. Ideal sind erste Stimmen, die das Geschehen einordnen. Als erstes News-Produkt der vier Phasen wird der Artikel redigiert. Danach wird der Live-Blog durch den Artikel abgelöst, wobei im Artikel für die Details auf das Live-Blog verwiesen wird.

Abgerundet wird die Berichterstattung in der vierten Phase dann durch einen Kommentar und/oder eine Analyse: Was bedeutet die Entscheidung der EZB? Wer wird profitieren? War es die richtige Entscheidung? Wer hat sich durchgesetzt? Die letzte Phase der Nachricht ist auch die Chance, die Leser für vertiefende Analysen zur Kasse zu bitten, denn eine fachlich fundierte tiefe Analyse ist ein exklusiver Inhalt.

Gerade Hintergrund und Analyse wird im Online-Journalismus heute häufig noch vermisst – so zumindest die von der Nachrichtenagentur AP 2008 veröffentlichte Studie „A New Model for News“. Dort heißt es:

Participants in this study did show signs of largely shallow and erratic news consumption, however the study also suggested that people wanted more depth and were trying to find it. Unfortunately, more often than not, people did not understand that their attempts to substantiate and validate stories were not actually getting them anything new. Typically, people in the study were just checking the same story through the same source (or news “brand”) across different media. Or they were checking different platforms but unwittingly reading content coming from the same source, such as AP.

Eine der drei Empfehlungen der Studie lautete deshalb: Tiefe liefern.

Some participants in the study became aware of their habit to check news out of boredom and have consciously changed their behavior to be more proactive about news consumption. News producers have a unique opportunity to re-engage this enlightened segment of the audience by designing innovative formats and creating easier pathways to deep content. […] News producers can give control back to the consumers by improving the discoverability of deep and relevant content, eliminating as much repetition and duplication as possible in their news and bringing closure to stories whenever possible. 

Mehr zum Thema Online-Journalismus in meinem neuen Blog.

Wie die Crowd die Wirtschaft verändert

Das Internet ist mehr als die „Old Economy” mit anderen Mitteln – der Charakter des Netzes verändert bekannte Geschäftsmodelle und ermöglicht völlig neue. Wie das Prinzip der Crowd die alten Regeln der Wirtschaft über den Haufen wirft: bei Produkten, Finanzierung und Arbeit.

Ein Pornofilm stand bei der Bergfürst AG am Beginn der Geschichte. Der Film mit dem Namen Hotel Desire ist verantwortlich dafür, dass StudiVZ-Mitgründer Dennis Bemmann heute wieder arbeitet.

Mehr bei WSJ.de