Das Chongqing-Modell

Am Freitag schrieb Finn Mayer-Kuckuk im Handelsblatt über den Sturz des charismatischen Reformpolitikers Bo Xilai in China:

Die Entmachtung Bos bedeutet eine erhebliche Umwälzung für Chinas politische Landschaft. Der 62-Jährige bot eine wohltuende Abwechslung zum Modell des unzugänglichen, bürokratischen Betonkommunisten. Er zeigte sich den Medien gegenüber offen und machte im Fernsehen eine gute Figur. Vor allem aber gilt er als Urheber einer Blaupause für die nächste Stufe der Entwicklung Chinas. Seine Ideen werden heute allgemein das “Chongqing-Modell” genannt.

Bis gestern sahen die Chancen gut aus, dass dieses Konzept eines Tages vom begrenzten Labor des Stadtstaates auf ganz China übertragen wird.Das Chongqing-Modell sieht vor, dass die Regierung auch künftig ihren Zugriff auf die Wirtschaft behält. Statt weitere Staatsbetriebe zu privatisieren, sollen diese in öffentlicher Hand bleiben und ihre Gewinne der Allgemeinheit zugute kommen. Bo versteht das als Gegenmodell zum egoistischen Kapitalismus amerikanischer Prägung, bei dem Einzelinteressen der Allgemeinheit schaden können.

In einem Artikel des in Singapur ansässige East Asien Institute heißt es:

In 2008, when China’s growth significantly slowed to only nine percent, Chongqing’s GDP grew by 14.3%, 5.3 percentage point higher than that of the national level. Thanks to a package of preferential policies and the good leadership by Bo Xilai and his colleagues, the hilly city is set to become a manufacturing centre, a logistics hub and a civil aviation hub in southwest China.

 

[…]

 

An alternative to the export-oriented development model widely adopted in the booming eastern areas, the Chongqing model is based on domestic demand (domestic consumption and investment) for its economic growth.

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