Prinz Charles und die Homöopathie-Lobby

Die Zeit hat einen sehr schönen Artikel über den Alternativmedizinforscher Edzard Ernst geschrieben. Der Professor für Alternativmedizin untersucht Heilmethoden wie die Homöopathie mit wissenschaftlichen Mitteln – und in vielen Fällen ernüchternden Ergebnissen. Homöopathie beispielsweise ist nicht besser als jeder andere wirkungslose Placebo, stellt er fest: 

Er rekrutierte drei Homöopathen, um Kinder mit Asthma zu behandeln. 96 Kinder wurden aufgeteilt: Die eine Gruppe sollte ein Placebo bekommen, die andere homöopathische Globuli. Weder die Kinder noch die Eltern oder die Homöopathen wussten, welcher Gruppe ein Kind angehörte. Die Homöopathen verschrieben jedem Kind das Mittel ihrer Wahl, dann faxten sie das Rezept an eine Londoner Apotheke, die Apotheke schickte Globuli und Placebo (nur mit »A« und »B« gekennzeichnet) an den Notar, und dieser händigte – nach Abgleich mit der Liste – eines von beiden den Eltern aus.

Die Studie erfüllte den höchsten Standard der evidenzbasierten Medizin: Sie war »randomisiert«, weil die Kinder per Zufallsgenerator ausgewählt wurden, »placebokontrolliert«, weil sie die Medizin mit der Wirkung eines Placebos verglich, und sie war »doppelblind«, weil weder die Homöopathen noch die Kinder wussten, wer das Placebo und wer die mutmaßliche Medizin schluckte. Das Ergebnis war ernüchternd: Die Globuli wirkten nicht besser als das Placebo.

Quelle: Zeit Online

Mit seiner Forschung machte er sich mächtige Feinde – darunter Homöopathie-Anhänger Prinz Charles.

Mehr: Edzard gegen Charles

Edzard Ernst bei Twitter

Deutschland

 

Dietrich Schwanitz in “Bildung – alles, was man wissen muss” über Wilhelm II. und den Wilhelminismus:

Das Image der Deutschen, die früher als verträumte Poeten und skurrile Gelehrte angesehen wurden, ändert sich: Jetzt sieht man ihn als unberechenbaren, aber seelenlosen Pickelhaubenträger, ein Kerl aus Metall, durch vernünftiges Reden nicht mehr erreichbar. In Mitteleuropa ist ein Monster erschienen.

Was BMW von Kopierern lernen kann

Das Unternehmen Xerox ist eine amerikanische Efolgsgeschichte. Die Firma wurde bereits 1906 gegründet, doch erst 1947 erfolgte der Durchbruch: Xerox stellt den ersten Fotokopierer der Welt her – und besitzt ein Patent darauf. Noch heute heißt Fotokopieren im US-Sparachraum “to xerox” – auch wenn die Fotokopierer auch dort inzwischen überwiegend von der günstigeren Konkurrenz aus Ostasien kommen.

Doch Xerox hat sich lange auf dem Konzept des Fotokopierens ausgeruht – und dabei weder die aufziehende Billig-Konkurrenz nach Auslaufen des Patents, noch die neue Art mit Dokumenten umzugehen beachtet – bedingt durch den Siegeszug der elektronischen Datenverarbeitung, dem Aufkommen von E-Mails, Word-Dateien und Scannern.

1999 verlor die Xerox-Aktie innerhalb weniger Monate zwei Drittel an Wert. Im gleichen Jahr wurden im Rahmen von Restrukturierungsmaßnahmen weltweit 9000 Arbeitsplätze abgebaut, was einer Reduktion von ca. 10 Prozent der Mitarbeiter gleichkommt. 2000 ist der Börsenkurs von Xerox in einem Zeitraum von nur einem Jahr um 90 Prozent eingebrochen. Drastische Maßnahmen wurden eingeleitet – die Ausgaben wurden um 1,2 Milliarden Dollar gekürzt und Aktien im Wert von 2,4 Milliarden Doller verkauft. Von über 93.000 Mitarbeitern im Jahr 1999 verblieben im Jahr 2003 nur noch 61.100. Auch Deutschland beschloss 2001/02 einen Sozialplan, auf dessen Basis etwa 500 Mitarbeiter in den darauf folgenden drei Jahren ihren Arbeitsplatz verloren. Später stellt die US-Börsenaufsicht SEC zudem vor, dass die Bilanzen zwischen 1997 und 1999 erheblich geschönt wurden.

(Quelle: Wikipedia)

Heute ist Xerox wieder ein gesundes Unternehmen. Neue Produkte wie der Hochleistungsdrucker iGen3 wurden eingeführt und 2004 änderte Xerox seinen Slogan. Seit dem wird die Firma mit dem Claim “The document Company” beworben. Das soll zum Asudruck bringen: Xerox, der Markenname, der in den USA “fotokopieren” bedeutet, will sich von der Einengung von diesem Gerät lösen. Statt eines einzelnen Produkts steht nun ein Geschäftsmodell im Zentrum von Xerox, das es immer geben wird: Der Umgang mit Dokumenten – in welcher Form und auf welchen Geräten diese auch immer vorhanden sein sind. Die Strategie wird konsequent verfolgt – 2009 etwa mit der Übernahme des Technologie-Dienstleisters Affiliated Computer Services für 6,4 Milliarden Dollar. 

Das Auto – der Kopierer von morgen?

Dem Auto könnte eine ähnliche Zukunft bevorstehen wie dem Kopierer. Noch können die Automobilhersteller dank der starken Nachfrage in Schwellenländern glänzen. Für die aufstrebende Mittelschicht in China, Brasilien und anderen dynamischen Volkswirtschaften ist das Auto genauso Status-Symbol wie es für die materiell geprägte Mittelschicht der USA und Europa in den 1950er und 60er Jahren war. 

Kein Zweifel, das Auto wird auch in Zukunft noch gebraucht werden. Doch ob es immer noch die zentrale Rolle spielen wird, die es heute spielt, ist nicht nur aus Umweltschutz-Gründen fragrlich. Anegsichts einer sich urbanisierenden Weltbevölkerung könnte viele vielleicht sogar überflüssig werden. Ich beispielsweise wohne zentral in Düsseldorf – und obwohl ich mir ein Auto leisten könnte, besitze ich keines und vermisse es auch nicht. Die Parkplatzsituation hier in Bilk ist auch so desaströs, dass jede Fahrt mit dem Auto eine elend lange Parkplatzsuche nach sich zieht.

Der weltweit Trend zur Urbanisierung hält an, glauben die meisten Forscher, die sich mit dem Thema beschäftigen – zum Glück. Das Leben in der Stadt macht reicher, gesünder und glücklicherschont die Umwelt und wirkt sich positiv auf die ökonomische Entwicklung aus. Große Städte bringen auch diejenigen kreativen Köpfe hervor, die und technologisch und kulturell voranbringen.

Wie können Autohersteller nun langfristig auf den Megatrends Urbanisierung reagieren? Sie können sie sich – ähnlich Xerox nach ihrem schmerzhaften Umstrukturierungsprozess – von der alleinigen Fokussierung auf das Produkt Auto lösen.

Wozu ist ein Auto gut? Derzeit erfüllt es für viele Menschen vor allem ihr Mobilitätsbedürfnis. Um das Geschäft der Autohersteller langfristig also von einem Produkt – dem Auto – zu einem Geschäftsmodell umzubauen, das den Kunden eine Problemlösung anbietet, müssen heutige Autohersteller zu Mobilitäts-Konzept-Anbietern werden. Diese bieten nicht Autos an, sondern Mobilität entsprechend den Anforderungen ihrer Kunden.

Dieses Konzept kann für viele Kunden ein Auto beinhalten – muss es aber nicht. Und dieses Auto muss auch nicht unbedingt gekauft werden. Neben dem Leasing sind auch Car-Sharing-Konzepte denkbar.

In welche Richtung ein derartiger Umbau gehen kann, macht derzeit BMW vor. Gemeinsam mit dem Autovermieter Sixt betreibt BMW den Car-Sharing-Dienst DriveNow. Autos können überall in der Stadt ausgeliehen und wieder abgestellt werden. Eine App auf dem Smartphone zeigt den Nutzern, wo sich das nächstgelegende DriveNow-Auto befindet und lotst sie dorthin. Abgerechnet wird ohne Grundgebühr und minutengenau. Der Preis ist derzeit noch so hoch, dass man sich auch gleich ein komfortableres Taxi leisten kann. Dennoch zeigen derartige Konzepte, in welche Richtung Autohersteller denken müssen, sollte der klassische Kauf eines Autos für große Teile der urbanisierten Welt nicht mehr im Mittelpunkt des Mobilitätsversprechens stehen.

Max Goldt über die Bild-Zeitung

Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.

Max Goldt