Die düstere Zukunft der Astrophysik

Das Internet ist voll von einführenden und verständlichen Erklärungen der Astrophysik. Ein Klassiker sind die Sendungen unter dem Titel Alpha Centauri des Münchner Astrophysikers Harald Lesch im Bayerischen Rundfunk. Leider kratzen die jeweils 15-mintütigen TV-Vorträge naturgemäß jeweils nur an der Oberfläche.

Etwas ausführlicher sind da schon die Vorträge der TED Conference zum Thema, die ebenfalls sämtlich online gestellt werden. Besonders empfehelenswert: Die Physikerin Patricia Burchat erklärt Dunkle Materie und Dunkle Energie, der Physiker Brian Cox erklärt, was die Teilchenforscher am Lagre Hadron Collider (LHC) des CERN eigentlich suchen und der Physiker und Bestseller-Autor Brian Greene gibt eine schnelle Einführung in der Superstring-Theorie. Eine umfassende Einführung in die Astrophysik von den Dimensionen des Universums über die Sternenentstehung bishin zu möglichen außerirdischen Zivilisationen findet sich in der entsprechenden kostenlosen Video-Reihe der Khan Academy.

Der zuletzt für mich interessanteste wissenschaftliche Vortrag, den ich im Netz gesehen habe, ist allerdings ein Vortrag mit dem Titel “Life, the Universe and Nothing” des Physikers und Bestseller-Autors Lawrence Krauss, den ich bei Astrodicticum Simplex entdeckt habe:

Darin zeichnet Krauss ein düsteres Bild von der Zukunft der Astronomie. Weil sich der Raum unseres Universums ausdehnt – und diese Expansion des Universums jüngeren Forschungen zufolge auch noch an Geschwindigkeit zunimmt – sieht das Universum der Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich düster aus. Noch erreicht uns die Hintergrundstrahlung, die uns Informartionen aus dem frühen Universum liefert und unsere Teleskope wie das Hubble Space Telescope können tief ins All blicken und fernste Galaxien des jungen Universums erspähen – viele Lichtjahre von uns entfernt.

Doch das Universum expandiert und ähnlich Punkten auf einem Luftbalon, der sich aufbläht, scheinen sämtlich Himmelsobjekte von uns aus gesehen wegzustreben – und zwar je schneller, desto weiter diese von uns entfernt sind. Das von den Sternen ferner Galaxien zu uns emittierte Licht erscheint deshalb rotverschoben – die Wellen der elektromagnetischen Strahlung sind durch die Expansion des Raums gestreckt. Daher werden zur Boebachtung ferner Galaxien und Sterne auch Infrarotteleskope wie das SOFIA eingesetzt, um in die Tiefen des Alls zu Blicken. Das Licht sehr ferner Sterner wurde so stark rotverschoben, das sich die elektromagnetische Strahlung nicht mehr im sichtbaren Bereich, sondern im Infrarotbereich befindet.

In ferner Zukunft werden diese Wellen so stark gestreckt sein, das eine Amplitude nicht mehr feststellbar ist. Sie sind für uns also nicht mehr messbar. Unsere Galaxie, die Milchstraße, wird aufgrund der Gravition bestehen bleiben – doch ferne Galaxien werden Menschen – oder was auch immer dann in unserer oder anderen Galaxien lebt – nicht mehr sehen können. Es entsteht also der Eindruck eines endlichen Universums, das aus unserer Milchstraße besteht. Weil auch die Hintergrundstrahlung auf dem “Baby-Universum” verschwunden sein wird, werden die Astronomen der Zukunft keine Hinweise auf den Big Bang finden können. Da es außer unserer eigenen keine Galaxien mehr zu beobachten geben wird, können auch Dunkle Materie und Dunkle Energie nicht mehr entdeckt werden. Wahrhaft düstere Aussichten für die Wissenschaft.

Advertisements