Unterwachung an der Wall Street

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Nerds im Parlament

Für Handelsblatt Online habe ich den Erfolg der Piratenpartei gestern analysiert.

 

Während für diese Generation digitale Technologien selbstverständlich nutzt, spricht die etablierte Politik meist nur von den Gefahren. Zum Alltag vieler Jugendlicher gehören heute beispielsweise Computerspiele. Doch während andere kulturelle Erzeugnisse wie Filme in Deutschland gefördert werden, finden Computerspiele bei Politikern meist nur im Zusammenhang mit Amokläufen, Sucht oder Vereinsamung Erwähnung. Während junge Erwachsene tagtäglich die vielen Vorzüge einer freien und unzensierten Kommunikation im Internet genießen, behandelt die etablierte Politik das Internet vornehmlich im Kontext von Kinderpornografie oder Hacker-Angriffen. Und während Unionspolitiker die verdachtslose Speicherung aller Internet-Verbindungsdaten fordern, machen sie gleichzeitig Front gegen neue Dienste wie Google Street View oder Facebook – und zwar aus Datenschutzgründen.

Die Technikfeindlichkeit kommt dabei bei weitem nicht nur von rechts. Erst kürzlich beschrieb Spiegel-Online-Autor Christian Stöcker in seinem Buch „Nerd Attack“ die Vorbehalte gegen die Computer als „Arbeitsplatzvernichtern“ aus dem linken politischem Spektrum.

Doch nicht nur von der Politik fühlt sich die „Generation C64“ entfremdet, auch die Industrie hat aus der Sicht vieler den Anschluss verloren. Statt neue digitale Distributionskanäle mit aller Macht voranzutreiben, klammern sich Musik- und Filmindustrie an alte Geschäftsmodelle und rückten jugendliche „Raubkopierer“ in Kampagnen in die Nähe von Schwerverbrechern. Dieses gesellschaftliche Umfeld muss man im Hinterkopf behalten, um den kometenhaften Aufstieg der Piraten nachvollziehen zu können.

 

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Netzwerke als Motor von Innovationen

Ich lese derzeit Jürgen Mirows “Weltgeschichte” (Piper-Verlag 2009). Das Buch ist in die theoretische Grundlegung und den Verlauf der Weltgeschichte unterteilt. Es beginnt 6 Millionen Jahre v.u.Z. mit der biologischen Evolution des Menschen, arbeitet sich dann von der neolithischen Revolution bis zur ökonomischen Globalisierung vor.

Besonders bei der theoretische Grundlegung hat Mirow einen interessanten Ansatz aufzuweisen. Der Historiker legt seinen Erklärungsfokus auf einen Vernetzungs- und Innovationsgedanken, also Austausch und technologische Innovation als hauptsächliche Triebfedern der Geschichte. Von der Ausbreitung von Basinnovationen wie Ackerbau, Viehzucht und Metallverarbeitung, bishin zur ökonomischen Globalisierung war es die Vernetzung, die Veränderungen ermöglicht und in einem dynamischen Prozess beschleunigt hat.

Natürlich muss bei diesem Ansatz wie bei jedem Raster der Geschichtserfassung einiges durchschlüpfen. Dennoch erscheint er mir pragmatischer und weniger theoriebeladen als klassische systemtheoretische, liberal-ökonomische, marxistische Modelle oder Modernisierungstheorien. Denn die Bezugsgröße der Betrachtung sind in diesem Modell nicht Völker oder Nationen, sondern Netzwerke der Wirtschaft, der Herrschaft und der Kultur. Die Theorie ist damit deutlich flexibler als spezifische historische Theorien wie die Modernisierungstheorie, die um bestimmte historische Ereignisse “herumgebaut” wurde.

Was sich daher besonders elegant an diesem Ansatz erweist, ist die generelle Anwendbarkeit auf alle Epochen der Weltgeschichte – eben vom Austausch der Basisinnovation Ackerbau bis zur globalen wirtschaftliche und informationellen Vernetzung im ausgehenden 20. Jahrhunderts/beginnenden 21. Jahrhunderts. Immerhin rund 100 eng beschriebene Seiten gönnt Mirow der Ausarbeitung dieser Theorie.

Damit schafft es Mirow im theoretischen Teil die wissenschaftliche Theorie und Grundlage herzuleiten, um diese dann auf den Gegenstand der Betrachtung – in diesem Fall tatsächlich die gesamte bisherige Geschichte der Menschheit – anzuwenden. Nebenbei spricht er dabei mit interdisziplinären die verschiedenen Methoden und Ansätze zur prozessorientierten Geschichtserfassung zumindest alle mal kurz an. Endlich jemand, der, um es mit Popper zu sagen, “das Netz auswirft, um die Wahrheit einzufangen”. Oberflächliche Betrachtungen, die mit Begriffen aus der Biologie hantieren – beispielsweise die beliebte Metaphorik von Blüte, Reife und Niedergang (vgl. z.B. Oswald Spengler), lehnt er natürlich zu recht ab.

Die Schattenseiten des Buches finden sich dann leider im eigentlichen historischen Teil des Buches – insbesondere dort, wo Mirow die Vorgeschichte des Menschen beschreibt, wo die Quellenlage dürftig ist. Leider weist der Autor nicht darauf hin, sondern schreibt Spekulationen als Tatsachen auf wie die Behauptung, archaische Gesellschaften seien Gemeinschaften von Freien und Gleichen ohne ausgeprägte Hierachie gewesen.

Die düstere Zukunft der Astrophysik

Das Internet ist voll von einführenden und verständlichen Erklärungen der Astrophysik. Ein Klassiker sind die Sendungen unter dem Titel Alpha Centauri des Münchner Astrophysikers Harald Lesch im Bayerischen Rundfunk. Leider kratzen die jeweils 15-mintütigen TV-Vorträge naturgemäß jeweils nur an der Oberfläche.

Etwas ausführlicher sind da schon die Vorträge der TED Conference zum Thema, die ebenfalls sämtlich online gestellt werden. Besonders empfehelenswert: Die Physikerin Patricia Burchat erklärt Dunkle Materie und Dunkle Energie, der Physiker Brian Cox erklärt, was die Teilchenforscher am Lagre Hadron Collider (LHC) des CERN eigentlich suchen und der Physiker und Bestseller-Autor Brian Greene gibt eine schnelle Einführung in der Superstring-Theorie. Eine umfassende Einführung in die Astrophysik von den Dimensionen des Universums über die Sternenentstehung bishin zu möglichen außerirdischen Zivilisationen findet sich in der entsprechenden kostenlosen Video-Reihe der Khan Academy.

Der zuletzt für mich interessanteste wissenschaftliche Vortrag, den ich im Netz gesehen habe, ist allerdings ein Vortrag mit dem Titel “Life, the Universe and Nothing” des Physikers und Bestseller-Autors Lawrence Krauss, den ich bei Astrodicticum Simplex entdeckt habe:

Darin zeichnet Krauss ein düsteres Bild von der Zukunft der Astronomie. Weil sich der Raum unseres Universums ausdehnt – und diese Expansion des Universums jüngeren Forschungen zufolge auch noch an Geschwindigkeit zunimmt – sieht das Universum der Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich düster aus. Noch erreicht uns die Hintergrundstrahlung, die uns Informartionen aus dem frühen Universum liefert und unsere Teleskope wie das Hubble Space Telescope können tief ins All blicken und fernste Galaxien des jungen Universums erspähen – viele Lichtjahre von uns entfernt.

Doch das Universum expandiert und ähnlich Punkten auf einem Luftbalon, der sich aufbläht, scheinen sämtlich Himmelsobjekte von uns aus gesehen wegzustreben – und zwar je schneller, desto weiter diese von uns entfernt sind. Das von den Sternen ferner Galaxien zu uns emittierte Licht erscheint deshalb rotverschoben – die Wellen der elektromagnetischen Strahlung sind durch die Expansion des Raums gestreckt. Daher werden zur Boebachtung ferner Galaxien und Sterne auch Infrarotteleskope wie das SOFIA eingesetzt, um in die Tiefen des Alls zu Blicken. Das Licht sehr ferner Sterner wurde so stark rotverschoben, das sich die elektromagnetische Strahlung nicht mehr im sichtbaren Bereich, sondern im Infrarotbereich befindet.

In ferner Zukunft werden diese Wellen so stark gestreckt sein, das eine Amplitude nicht mehr feststellbar ist. Sie sind für uns also nicht mehr messbar. Unsere Galaxie, die Milchstraße, wird aufgrund der Gravition bestehen bleiben – doch ferne Galaxien werden Menschen – oder was auch immer dann in unserer oder anderen Galaxien lebt – nicht mehr sehen können. Es entsteht also der Eindruck eines endlichen Universums, das aus unserer Milchstraße besteht. Weil auch die Hintergrundstrahlung auf dem “Baby-Universum” verschwunden sein wird, werden die Astronomen der Zukunft keine Hinweise auf den Big Bang finden können. Da es außer unserer eigenen keine Galaxien mehr zu beobachten geben wird, können auch Dunkle Materie und Dunkle Energie nicht mehr entdeckt werden. Wahrhaft düstere Aussichten für die Wissenschaft.

Warum gibt es Männer?

Warum gibt es eigentlich Männer? Diese Frage stammt nicht aus einem radikalfeministischen Seminar, sondern beschäftigt vor allem Evolutionsbiologen. Rein biologisch betrachtet wäre die geschlechtslose Fortpflanzung asexueller Lebewesen deutlich effizienter. Diese könnten sich schlicht selbst befruchten, wie es in der Natur auch durchaus vorkommt – und sich so den mühseligen Prozess des Partnersuchens sowie das Werben um das andere Geschlecht ersparen. Dennoch hat sich die aufwendige geschlechtliche Fortpflanzung in der Tierwelt auf breiter Front durchgesetzt.

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Leben in der Quantenwelt

Die Gesetze der Quantenmechanik beherrschen nicht nur den Mikrokosmos, sondern liegen in größerem Maßstab auch der Natur zu Grunde. Vielleicht machen sich sogar Pflanzen bei der Fotosynthese oder Zugvögel bei der Orientierung typische Quanteneffekte zu Nutze. 

Quelle: Spektrum der Wissenschaft

Dem Artikel zufolge orientieren sich Rotkehlchen vermutlich durch quantenmechanische Effekte im Auge an den Magnetlinien der der Erde. Nach Berechnungen des Autors Vlatko Vedral, Physik-Professor in Oxford, bleiben die Quanteneffekte in den Augen von Rotkehlchen rund 100 Mikrosekunden bestehen. Der Rekord für künstlich verschränkte Elektrospins liegt bei rund 50 Mikrosekunden.

Zu verstehen, wie natürliche Systeme Quanteneffekte so lange aufrechterhalten, könnte bei der Konstruktion von Quantencomputern helfen. Es gilt dort die Dekoheränz – also das Wechseln in klassisches Verhalten durch Wechselwirkung (“Kollaps der Wellenfunktion”) – zu verhindern.

Neben den Rotkehlchen werden noch viele Experimente genannt, in denen es gelang, bei größeren Mengen von Atomen, die sich unter normalen Umständen klassische verhalten, quantenmechanische Verschränkungs-Effekte zu beobachten (siehe auch die Linksammlung bei Scientific Amercian; der jüngste Rekord stammt aus diesem Jahr).

Vedral schließt aus der Tatsache, dass sich immer mehr verschränkte Systeme (also Systeme mit quantenmechanischen Eigenschaften) auch in der “Makrowelt” beobachten lassen, dass eine große vereinheitlichte Theorie (GUT) viel näher an der Quantenmechanik als an der Allgemeinen Relativitätstheorie sein müsste – und damit weit weg von unserer Alltagserfahrung. So spielten Zeit und Raum in der Quantenmechanik beispielsweise keine besondere Rolle.

Vedral glaubt nicht an eine feste Trennlinie zwischen quantenmechanischer und klassischer Welt (Mikrokosmos/Makrokosmos). Er schreibt deshalb:

“Wir müssen Raum und Zeit als etwas erklären, das irgendwie aus raum- und zeitloser Physik hervorgeht. […] Stephen Hawking von der University of Cambridge und viele andere Physiker glauben, dass die Relativitätstheorie einer fundamentaleren Theorie weichen muss, in der es weder Raum noch Zeit gibt. Die klassische Raumzeit geht demnach durch den Vorgang der Dekoheränz aus quantenmechanischen Verschränkungen hervor.” 

Ein weiterer Ansatz: Die Gravitation ist gar keine eigenständige Kraft, sondern entsteht durch Quantenfluktuationen der übrigen Naturkräfte.