Was Marketing-Leute und indische Straßenhändler gemeinsam haben

Ich bin vor längerer Zeit einen Monat lang durch Indien gereist. Dort stellte ich immer wieder fest, wie ungeschickt Straßenhändler im Ungang mit Touristen waren. Es war immer dasselbe Spiel. Die Touristen zogen von Stand zu Stand, sahen sich die Dinge an. Sobald ein Tourist auch nur die leiseste Anstalt machte, vor einem der Ständen zu verweilen, sprang der Händler auf und bombadierte den Touristen mit marktschreierischer Penetranz, sodass dieser schnell das Weite suchte.

Man sollte meinen, dass dieses zu hundert Prozent reproduzierbare Verhalten eine gewisse Lenkungsfunktion auf das Verhalten der Händler ausübt. Dass diese lernen, dass sie mit ihrer aggressiven Strategie die Touristen von ihren Ständen wegjagen. Aber die Händler lernten nicht. Nicht beim ersten und auch nicht beim hundersten Mal.

Warum nicht? Wahrscheinlich, weil sie sich ihr Verhalten vom Nachbarhändler abschauten und all den anderen. “Ja bin ich denn verrückt?”, würde der Straßenhändler wohl aufgebracht antworten, dem man den guten Rat geben wollte, einfach mal den Mund zu halten. “Die können doch nicht alle irren! Das sind doch Experten! Die arbeiten hier schon länger als ich.”

Wenn ich als Geschäftsführer eine Marketing-Stelle eines Unternehmens besetzen sollte, gäbe es für mich ein fast sicheres Knock-Out-Kriterium: Der/die Bewerber(in) hat BWL Schwerpunkt Marketing studiert. Die Inhalte dieses Studiums kenne ich zu großen Teilen – und sie sind überwiegend einfach Müll (eine noch höhere bullshit density hat allerdings das Fach Human Resources).

Was aber noch schlimmer ist: Das Studium scheint eine gewisse Sorte Mensch anzuziehen, die eines ganz bestimmt nicht kann: Vernünftig kommunizieren. Ich hatte genug mit Marketingleuten zu tun – als potentieller Kunde und als Journalist – um das sagen zu können. Und mit meinem Eindruck stehe ich nicht alleine da.

Warum begreifen Unternehmen nicht, dass man gegenüber Kunden und Journalisten – und überhaupt gegenüber allen – ganz einfach wie mit einem Menschen kommunizieren sollte? Keine gekünstelte Gute-Laune-Attacke, kein Marketingsprech, kein dummes Ausweichen auf eindeutige Fragen – und dafür vielleicht ein bisschen Kompetenz in dem Produkt selbst. Aber die indischen Straßenhändler werden’s wohl auch nie lernen.

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3 thoughts on “Was Marketing-Leute und indische Straßenhändler gemeinsam haben

  1.  Hallo, Stephan,
    meine Erfahrung im Tele-Marketing ist: viele Kunden bedanken sich, weil ich sie wie einen normalen Menschen anspreche.  Meine Kunden sind meistens älter als ich und wissen, dass alles im Leben Vorteile und Nachteile hat. Da kann ich ihnen auch offen die Nachteile und Vorteile unserer Angebote sagen. 
    Das kommt viel glaubwürdiger rüber, als wenn ich nur Lobeshymnen auf unsere Tarife singe. Die Leute wollen nicht für dumm verkauft werden.
    Herzliche Grüße
    die Rabeneva
     

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