Komplexität und Krise

Er war erst 29 Jahre alt, da bekleidete er auch schon bei Goldman Sachs den Posten des Vizepräsidenten für den Handel mit strukturierten Produkten. So war er auch Chef des Teams, das den „Abacus“ strukturierte und an die Kunden verkaufte. Sein Geschäft war das Risiko. Tourre wusste das und liebte sogar den Nervenkitzel. In einer E-Mail schrieb er im Januar 2007: „Immer mehr Leverage im System. Das ganze Gebilde wird bald zusammenbrechen … einziger Überlebender, der fabelhafte Fab … der in der Mitte all der komplexen, hoch geleveragten, exotischen Trades steht, die er selbst kreiert hat, ohne notwendigerweise alle Verknüpfungen dieser Monstrositäten zu verstehen!“ 

Quelle: FAS

Gegen Goldman Sachs ermittelt, wie ihr wahrscheinlich den Medien entnommen habt, die US-Börsenaufsicht SEC. Hintergrund ist genau jenes strukturierte Subprime-Produkt Namens Abacus 2007-AC1. Der Vorwurf der SEC in Kurzform: Die US-Großbank habe das Produkt im Auftrag eines Kunden – des Hedgefonds-Managers John Paulson – erstellt und dann an Goldman-Kunden verkauft. Der Hedgefonds Magnetar habe als Kenner des US-Immobilienmarktes absichtlich die schlechtesten Subprime-Kredite in dem strukturierten Produkt untergebracht – und gleichzeitig gegen den Ausfall des Papiers gewettet. Unter dem Strich verdiente Magnetar Milliarden

Goldman Sachs habe diesen Interessenkonflikt verschwiegen. Sehr schön ausführlich und verständlich erklärt findet sich das bei der FAS. Zu den Kunden, die das drittklassige Hypothekenpapier kauften – wie könnte es anders sein – zählte natürlich auch die deutsche Skandalbank IKB. Aufgedeckt hat den Skandal übrigens wieder eimal kein klassisches Medium, sondern das durch Spenden finanzierte Internet-Projekt Pro Publica, das jüngst mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde.

Wenn das, was die US-Börsenaufsicht behauptet stimmt – und derzeit spricht vieles dafür – wäre das ein Skandal. Insgesamt haben Anleger durch Abacus rund eine Milliarde Dollar verloren, rund 150 Millionen davon die staatlich gerettete IKB. Gegen den Anlagebetrug des Bernhard Madoff sind das jedoch Peanuts: Durch sein Fonzi-System entstand Anlegern ein Schaden, der mehr als fünfzig Mal so hoch ist. Dennoch veranlasst den linksliberalen britischen “Guardian” die Nachricht dazu festzustellen, nun wisse man endlich die Wahrheit: Die Finanzkrise war kein Fehler, sondern ein Betrug, schreibt das Blatt. 

Wenn es doch nur so einfach wäre. Gegen die Billionen von Kosten durch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise nimmt sich der Eine-Milliarden-Betrug sehr bescheiden aus. Meiner Meinung nach war die Finanzkrise von vorne herein systemimmanent angelegt, was ich in zahlreichen Blog-Artikeln ausgeführt habe. Und einen der Gründe offenbart “Fab” Tourre selbst in der oben zitierten E-Mail. Er sah sich als letzter Überlebender in der in der Mitte all der komplexen, hoch geleveragten, exotischen Produkte, die er selbst kreiert hat, “ohne notwendigerweise alle Verknüpfungen dieser Monstrositäten zu verstehen”. Heute ist Fabrice Tourre 31 und Executive Director von Goldman Sachs in London. Die Bank hat heute den Gewinn des ersten Quartals 2010 veröffentlicht: Er stieg um 91 Prozent.

Lesetipp: Nicholas Taleb – Der Schwarze Schwan

Mehr zu Thema: Vertuschung an Wall Street – Fall Magnetar

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3 thoughts on “Komplexität und Krise

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