Warum ist Eigenkapital teurer als Fremdkapital?

Es klingt paradox: Eigenkapital (EK) gilt bei der Unternehmensfinanzierung als teurer als Fremdkapital (FK) – und zwar unabhängig von der Gesellschaftsform. Dabei muss man für FK (für gewöhnlich Kredite) Zinsen zahlen, für EK nicht. Dennoch spricht die BWL von einer zu teuren Finanzierung, wenn der EK-Anteil zu hoch ist.

Gestern schrieb ein Freund von mir in einem privaten Forum als Antwort auf ein Zitat aus einem Wirtschaftsblog:

Genau das verstehe ich halt nicht. Wieso ist es so ein ehernes Gesetz, dass anscheinend kein einziger Betrieb seine Ausgaben jemals komplett über Eigenkapital finanziert, sondern immer Fremdkapital dazunimmt und also Zinsen abdrücken muss, die er dann wiederum durch mehr und mehr Wachstum kompensieren muss. Ich mein, nehmen wir mal folgendes fiktives Beispiel:

Die Daimler AG macht in 10 folgenden Jahren pro Jahr 100 Millionen Gewinn. Am Anfang dieser 10-Jahres-Spanne braucht sie einen Kredit über 500 Millionen, um Investitionen, ausstehende Gehälter usw abzubezahlen. Nach den 10 Jahren ist der Kredit wegen Zinsen auf 600 Millionen angewachsen. Daimler benutzt jetzt seinen akkumulierten Gewinn von einer Milliarde um die Schulden abzubezahlen, stellt die restlichen 400 Millionen in Rücklagen ein, und finanziert alle weiteren Ausgaben aus diesen Rücklagen, ohne je wieder einen Kredit zu brauchen.

Mir ist natürlich klar, dass Unternehmen Kredite brauchen können, wenn es ihnen schlecht geht und sie halt zB überhaupt keinen Gewinn erwirtschaften, aber weiterhin ihre laufenden Kosten decken müssen. Aber das ist doch eigentlich nicht der Normalfall, sondern die Ausnahme; im Normalfall erwirtschaftet ein Unternehmen doch durchaus Gewinn. Warum ist es dann so verdammt schwer, diesen Gewinn zunächst zum Tilgen der Schulden, anschließend zur Schaffung eines Puffers für harte Zeiten zu verwenden?

Meine Antwort:

Kurz gesagt: Jedes Unternehmen muss finanziert werden – ob nun mit EK oder FK. EK hat Vorteile, FK hat Vorteile. Der Hauptvorteil von FK ist, dass es günstiger ist als Eigenkapital – und das wiederum liegt am Zinsabzug bei der Steuer.

Fremdkapitalkosten (Zinsen) sind in fast allen Ländern der Welt steuerabzugsfähig, EK-Kosten (also einfach der Verzicht auf den Ertrag durch Kapital, das man auch in andere Investments stecken könnte) natürlich nicht. Beide Finanzierungen verursachen Kosten, nur die, die durch Fremdfinanzierung entstehen, sind welche, die sich steuerrechtlich auswirken.

EK ist natürlich keinesfalls umsonst. Denn wenn du das EK als Gesellschafter nicht in das Unternehmen einbringen würdest, würdest du das Geld ja nicht unters Kopfkissen legen, sondern in anderer Weise investieren. Dir entgehen also die Renditemöglichkeiten alternativer Kapitalanlagen – hinzu kommt das Risiko des kompletten Kapitalverlustes, das je nach Unternehmen natürlich höher oder niedriger ausfällt.

Bei Aktiengesellschaften kommen als EK-Kosten u.a. Dividendenzahlungen, Investor-Relations-Management und all die anderen Kurspflegemaßnahmen hinzu, die sehr kostspielig sein können. Auch Aktien sind EK, die Aktionäre sind ja Eigentümer.

Grundsätzlich gilt: Anlagevermögen (länger als ein Jahr im Unternehmen) finanziert man am besten mit EK, Umlaufvermögen mit FK. Ein Verschuldungsgrad zwischen 1 und 2 gilt als “gesund”, d.h., dass das FK das EK nicht um das Zweifache übersteigen sollte – Banken natürlich ausgenommen, deren Geschäftsmodell ist ja die Fremdfinanzierung.

Anders als der Staat, verschulden sich Unternehmen normalerweise auch nicht, um alte Kredite auszulösen, sondern um Investitionen zu tätigen, die sie ohne FK oftmals gar nicht tätigen könnten. Tilgung und Zinszahlungen werden dann optimalerweise aus den daraus entstandenen Gewinnen geleistet. So wie der Staat Schulden macht, ist das wirklich nicht besonders sinnvoll.

Um auf das fiktive Beispiel bei Daimler einzugehen: Wenn Daimler ein Geschäftsmodell hat, das funktioniert, warum sollte es die überschüssigen 400 Mio. nicht in weiteres Wachstum investieren statt es zur funktionslosen Rücklage zu machen? Oder beispielsweise in Forschung, um der Konkurrenz Marktanteile wegzuschnappen? Wenn sie es nicht tun, tun es die anderen – und die Aktionäre werden Daimler dazu drängen, Kapital zu nutzen. Im Grunde sollte ein Unternehmen um so mehr Schulden machen, je erfolgreicher es ist – denn das bedeutet, dass das Kapital effizient genutzt wird.

Es ist auch nicht zuletzt der Niedrigzinspolitik der Notenbanken (insbesondere der Fed) zu “verdanken”, dass Fremdfinanzierung seit den 80er Jahren so extrem günstig wurde, dass sich das allgemeine Verschuldungsniveau so enorm aufgeblasen hat. In Folge der verschiedenen sich anbahnenden ökonomischen Krisen hat insbesondere immer wieder die Fed die Zinsen nach unten geprügelt, wodurch sich die Bildung von EK für viele Unternehmen schon kaum noch lohnte. Eine Form des EK wurde dabei jedoch künstlich subventioniert: Aktiengesellschaften.

Wenn Banken Geld zu einem Niedrigzins von rund einem Prozent leihen können, holen sie natürlich sich die Kohle und investieren in Aktien, die mehrere Prozentpunkte Dividende versprechen. Resultat ist ein Run auf die Kapitalmärkte – mit einer entsprechenden Überbewertung der Wertpapiere.

So funktioniert halt der Kapitalismus: Ein ewiges schuldenfinanziertes Rat Race auf jeder Ebene.

Nun ist dieser besagte Freund – obwohl Jurist – dennoch nicht auf den Kopf gefallen und antwortete unter anderem folgendes:

Aber vor allen Dingen, folgendes: Ich kann ja verstehen, dass in Zeiten des blühenden Wachstums, wenn ein Unternehmen wahnsinnig effizient und erfolgreich ist, es sich evtl lohnt, massenhaft Schulden aufzunehmen, weil man mit dem Geld halt saumäßig viel Gewinn erwirtschaften und die Schulden in absehbarer Zeit abbezahlen kann. Aber wenn die Lage nun aktuell die ist (und das ist sie ja ganz augenscheinlich), dass die Wirtschaft eher stagniert und das dauerhafte Wachstum zum Ende kommt, dann müsste das bei den Unternehmern doch einen Paradigmenwechsel weg von der Fremdfinanzierung bedeuten?

Und darauf kann man nur mit Minsky antworten: 😉

Umso länger die letzte Krise zurückliegt, so Minsky, umso zuversichtlicher schauen besonders die Unternehmensführer in die Zukunft. Sie erwarten, dass ihre Gewinne steigen, und investieren beispielsweise in neue Maschinen oder Gebäude. Dadurch steigen die Gewinne tatsächlich, und der Optimismus nimmt weiter zu. Spiegelbildlich dazu sinkt ihre Angst vor Risiken. Das ist nach Ansicht Minskys auch deswegen so, weil die vielen guten Nachrichten in zunehmend weniger hinterfragte Modelle einfließen, die aus einer rosigen Gegenwart eine rosigere Zukunft „berechnen“. Wenn ein Unternehmer in solch einer Zeit einmal mehr Mittel investieren will, als in der eigenen Kasse liegen, ist er darum eher bereit, sich (höher) zu verschulden. Die Banken leihen ihm gern Geld. Denn „sie befinden sich in demselben aufgehellten Erwartungsklima wie die Industrieunternehmen“, erläutert Bernhard Emunds, der mit einer Arbeit über Minsky promovierte und Direktor des Nell-Breuning-Instituts für Wirtschaftsethik in Frankfurt am Main ist.

In Minskys Theorie sucht auch die Finanzbranche in guten Zeiten verstärkt nach Möglichkeiten, aktiv mehr zu verdienen, und erfindet dafür neue Instrumente. Das ist für sie umso leichter, je weiter entwickelt die Finanzmärkte sind. Die ganze Wirtschaftsgesellschaft steigert sich so allmählich in eine Hochstimmung hinein, in der die vorgehaltenen Sicherheiten aller Beteiligten schrittweise sinken. „Die allseits akzeptierte und erwünschte Verschuldung“, schrieb Minsky, „nimmt als Folge des lang anhaltenden Erfolgs der Ökonomie zu.“

Wie lange die Party dauert, ist ungewiss, mindestens nicht berechenbar. Denn in Minskys Welt entwickeln sich insbesondere Kapitalmärkte als evolutionärer Prozess. Ständig ändern sich die Instrumente, ständig tauchen besser angepasste Produkte auf. Ständig steigen die Gewinne. Ständig steigt die Systemkomplexität. Bis zum Crash. Bis ein Ereignis eintritt, mit dem niemand gerechnet hat. Bis der Truthahn merkt, dass er als Festtagsbraten vorgesehen ist. Oder auch: bis der amerikanische Markt für Wertpapiere, die aus Hypotheken niedriger Qualität gezimmert wurden, zusammenbricht und die Papiere wertlos werden.

Quelle: FAZ.Net

Um allerdings nochmal ernsthaft auf die Anmerkung einzugehen: Ja, genauso ist es. In schlechten Zeiten tun Unternehmen alles, um Schulden abzubauen. Wenn das alle gleichzeitig machen, wie in einer Rezession der Fall, ergibt das volkswirtschaftlich gesehen ein Problem. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer deflationären Abwärtsspirale:

Unternehmen und Bürger wollen sich möglichst schnell ihrer Schulden entledigen, die in einer Phase der Deflation immer schwerer wiegen. Der beschleunigte Schuldenabbau führt zu Notverkäufen und Insolvenzen. Daraus folgen weiterer Preisverfall, Produktionsstopps und erhöhte Arbeitslosigkeit. Im schlimmsten Fall führt die Deflation zum Horten von Geld, Kredite werden kaum noch vergeben, Investitionen und Konsum stürzen ins Bodenlose – und der Wirtschaftskreislauf kommt zum erliegen. Deshalb soll der Staat nach keynsianischer Logik in dieser Phase ja auch als Nachfrager für Kredit und Güter auftreten.

Advertisements

6 thoughts on “Warum ist Eigenkapital teurer als Fremdkapital?

  1. As any man that has looked around for Viagra knows, this most famous of the erectile dysfunction drugs is not cheap. In fact, it is quite expensive. Viagra online costs on average between $10 and $11 per tablet, regardless of the dosage.Generic Cialis has led to many people buying larger dosage tablets and then breaking them into smaller pieces.


  2. ed hardy knits topsed hardy knits tops ed hardy women sandalsed hardy women sandals ed hardy bottomsed hardy bottoms Ed Hardy Women JeansEd Hardy Women Jeans ed hardy womens hoodiesed hardy womens hoodies ed hardy womens outerweared hardy womens outerwear Kids Ed HardyKids Ed Hardy Ed Hardy BoysEd Hardy Boys chloe paraty handbagchloe paraty handbag chloe paddington bagschloe paddington bags louis vuitton Epi Leatherlouis vuitton Epi Leather fendi spy bagfendi spy bag Louis Vuitton Monogram VernisLouis Vuitton Monogram Vernis

  3. Echt gut erklärt. Danke!

  4. Louis Vuitton Outlet Online is not only make one fashion but also stand for them identity.Louis Vuitton is designed simple and novel.Louis Vuitton is a good choice for you. All the Louis Vuitton for sale on our Louis Vuitton Online Stores.Buy cheap Louis Vuitton from Louis Vuitton Online now!

  5. We are specialists in Swarovski beads, that are very fashionable.Precisely minimize Swarovski crystal beads will make sure that the handmade jewellery appears fantastic. Swarovski crystals are crafted in Austria greatest specifications of superior and so are regarded as the finest items of the type from the world. Welcome to our website,you will obtain a surprise

Comments are closed.