Einfach erklärt: Was sind eigentlich CDS?

Ich habe vor kurzem Micheal Moores Film “Capitalism – A Love Story” gesehen. Wie immer bedient sich Moore auch in diesem Film Polemik, Übertreibung, Vereinfachung und vor allem Angst. Die Hetze gegen die Wall Street erinnert teilweise an längst vergessen geglaubte Hexenpogrome: Was sie dort machen, ist böses Teufelszeug, das niemand versteht – nichtmal sie selbst, so lautet die Botschaft.

Der Film vermittelt durch manipulatives Zusammenschneiden eines Interviews den (natürlich falschen) Eindruck, selbst der Havard-Ökonom Kenneth Rogoff könne nicht erklären, was CDS (Credit Default Swap) eigentlich sind. Dabei ist es gar nicht so schwer:

Credit Default Swap (CDS)

CDS sind mit einem Satz: Versicherungen gegen Kreditausfälle. “To default” bedeutet im Englischen, einer Verpflichtung nicht nachzukommen, “Swap” bezeichnet einen Tausch. Wenn also ein Kreditnehmer einen Kredit nicht bedienen kann, geht das Risiko des Ausfalls mit einem CDS auf denjenigen über, der CDS verkauft – so weit, so einfach. Zunächst versichert man sich über den Kauf eines CDS also gegen einen Kreditausfall. Angeboten werden CDS von großen Versicherungskonzernen wie der in der Finanzkrise staatlich geretteten AIG. Banken sind sowohl Käufer als auch Verkäufer von CDS.

Nun muss man als Käufer von CDS aber nicht unbedingt auch Gläubiger sein. Bei einem CDS handelt es sich nämlich um ein Derivat. Ein Derivat ist allgemein ein auf Finanzmärkten gehandeltes Wertpapier, dessen Preis sich von anderen handelbaren Gütern ableitet (das so genannte Underlying). Im Falle von CDS ist das Underlying ein Kredit, was neben normalen Bankkrediten auch Unternehmensanleihen oder Staatsanleihen sein können. Es handelt sich daher um ein Kreditderivat.

Wie wird nun diese eigentlich recht harmlose Kreditausfallversicherung zu einem so gefürchteten Spekulationsinstrument, dass es die Bundesregierung scharfer Kontrolle unterwerfen will? CDS können wie gesagt auch gekauft werden, wenn man selbst nicht Gläubiger ist. Statt einer Ausfallversicherung handelt es sich dann um ein Spekulationsinstrument: Eine Wette auf die Pleite eines Staats oder Unternehmens. Wenn der Gläubiger seine Schulden nicht bedienen kann, kann so der Käufer eines CDS für einen Bruchteil der Kreditsumme die gesamte versicherte Kreditsumme einstreichen.

Das hat Vor- und Nachteile: Weil CDS an den Finanzmärkten transparent und öffentlich gehandelt werden, gilt es als Warnzeichen, wenn sich deren Preis verteuert. Im Zuge der Schuldenkrise Griechenlands haben sich die CDS gegen Ausfälle griechischer Staatsanleihen enorm verteuert. Auf diese Weise können auch Kreditausfallrisiken vom Finanzmarkt aufgedeckt werden, die vielen Marktteilnehmern ansonsten verborgen geblieben wären.

Die Kehrseite: Je höher der Preis von CDS gegen Ausfallsicherheiten auf dem Finanzmarkt gehandelt werden, desto schwieriger wird es für das betroffene Unternehmen oder in diesem Fall Staat, sich zu refinanzieren – also neue Kredite am Kapitalmarkt aufzunehmen. Horden von Spekulanten, die auf eine Pleite wetten, wirken sich nicht gerade positiv auf die Bonität aus.

So kann durch eine massive Wette von Spekulanten auf die Pleite eines Unternehmens oder eines Staates das betroffene Land oder Unternehmen erst in den Bankrott getrieben werden. Deshalb haben sich die Euro-Staaten auch bemüht, den Eindruck zu erwecken, im Notfall Griechenland beistehen zu wollen. Das sollte den Preis für CDS auf griechische Staatsanleihen drücken.

Die US-Notenbank Fed untersucht in diesem Zusammenhang die CDS-Geschäfte der US-Großbank Goldman Sachs – ausgerechnet der Bank also, die Griechenland einst beim Verschleiern der Schulden half, um der Euro-Zone beitreten zu können. Einem Bericht der “New York Times” zufolge sollen auch europäische Banken wie u.a. die Deutsche Bank auf eine Staatspleite Griechenlands wetten – was Lucas Zeise in der FTD lakonisch kommentierte:

Obwohl es also die Staaten sind, die die Versicherer retten, lassen sich die Versicherer Policen gegen die Pleite genau dieser Staaten gut bezahlen. Warum kaufen die Banken solche CDS? Sind sie Idioten?

Quelle: ftd.de 

Der Einfluss der CDS-Spekulanten darf aber auch nicht überbewertet werden:

Dabei schiebt man den Schwarzen Peter womöglich vorschnell den Finanzmärkten zu: „Die Theorie, die Spekulanten seien schuld, halte ich nur für sehr bedingt richtig“, sagt etwa Stefan Winter, Leiter des Investmentbankings der UBS in Deutschland. Zwar ist es unstrittig, dass so manche Investoren aus der Griechenland-Krise Profit schlagen wollen – doch vieles deutet daraufhin, dass ihr Einfluss keineswegs so groß ist, wie es populäre Verschwörungstheorien nahe legen.

Quelle: Welt.de

Die weiteren krisenverschärfenden Auswirkungen von CDS in der Finanzkrise habe ich an anderer Stelle bereits erklärt. US-Investmentlegende Warren Buffett nannte CDS durch den Domino-Effekt, den die Papiere über die enge Verzahnung von Kreditversicherungen unter Banken auslösen können, sogar finanzielle Massenvernichtungswaffen: Die Banken sichern sich gegenseitig ihre Kredite ab und gehen so immer höhere Risiken ein. Doch wenn eine Bank pleite geht, sind auch ihre Kreditversicherungen nichts mehr wert. Bei einer schweren Rezession mit entsprechendem hohen Ausfällen bei den Krediten wird so ein Institut nach dem anderen in den Abgrund gerissen.

Als Erfinderin der CDS gilt übrigens die Investmentbankerin Blythe Masters, die inzwischen als mächtigste Frau an der Wall Street gilt. Über sie schrieb die FTD kürzlich:

Das Team feiert aber auch ausgiebig. Bei einem Wochenend-Workshop in Boca Raton in Florida, wohnen sie in Villen im spanischen Stil, trinken auf Kosten der Bank, Tennisplätze und feine Sandstrände sind direkt vor der Haustür. Am Ende ist die Stimmung so gut, dass sie sich gegenseitig in Kleidern in den Pool schmeißen. 
In diesem Team entsteht das Konzept zu den CDS.
Quelle: ftd.de
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2 thoughts on “Einfach erklärt: Was sind eigentlich CDS?

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