10 Jahre FTD

10 Jahre alt wurde die Financial Times Deutschland (FTD) gestern. Ex-Handelsblatt-Reporter Thomas Knüwer erinnert sich in seinem Blog an den Start der Wirtschaftstageszeitung der etwas anderen Art – und auch an deren Aufmacher vor 10 Jahren: Die angebliche Aufspaltung von Siemens, die sich als Quasi-Ente entpuppte. Das kratzte am Image des neuen Wirtschaftsblatts, das bis heute der Ruf eines frisch-frechen aber leider häufig zum Übergeigen neigenden Mediums anhängt – zu Unrecht. Die meisten sich später als falsch entpuppenden Exklusiv-Meldungen kommen gefühlt längst von Focus und Wirtschaftswoche.

Ich weiß noch genau als ich meine erste FTD-Ausgabe in den Händen hielt: Ich war gerade auf der Expo 2000 in Hannover und im Bertelsmann-Pavillon wurde die magazinig daherkommende Tageszeitung kostenlos verteilt. Damals war ich 17 – und wie man mit 17 so ist – politisch ziemlich weit links und wenig an einer Wirtschaftstageszeitung interessiert.

Dennoch fand ich den unkonventionellen Blick, den die FTD nicht nur auf die Wirtschaft, sondern auch auf wirtschaftliche Zusammenhänge nahm, damals sehr erfrischend. Es erinnerte mich etwas an das noch progressivere Wirtschafts-Format brandeins, das ich damals bereits mit großem Genuss las (und das für mich damals immer ein guter Grund war, zum HNO-Arzt zu gehen).

Die FTD startete ausgerechnet zu einer Zeit, als die Medienwelt erstmals die Umwälzung des Internets für die eigene Branche diskutierte – und die FTD reagierte darauf genau so, wie es meiner Meinung nach richtig ist: Weniger reine tagesaktuelle Nachrichten, mehr Hintergründe, Analysen, Meinungen. Die Agenda-Seite der FTD gehört für mich bis heute zu den interessantesten Beiträgen in deutschen Tageszeitungen. Und während das Handelsblatt mit Michael Hüther immer noch einen akademischen Dinosaurier die ökonomische Weltlage erklären darf, haben bei der FTD mit Chefökonom Thomas Fricke und Autoren wie Lucas Zeise längst aufgeklärte Neokeynsianer das Sagen – ganz im Zeichen der Zeit – und zwar schon bevor die Finanzkrise das alte ordo- und neoliberale Denken diskreditierte.

Bei der harten Auflage hinkt die FTD dem Handelsblatt nach wie vor hinterher – und Gewinn hat sie auch noch keinen gemacht. Dabei muss aber beachtet werden, dass die Leserschaft des Handelsblatts einen andere ist. Wie es Thomas Knüwer ausdrückt ist sie vor allem an “Stahl, Schrott, Schrauben und Autos” interessiert – und damit tendenziell eher Print treu. In der FTD sind “moderne Branchen” dagegen deutlich stärker repräsentiert, die Zielgruppe jünger und internetaffiner. In den Zeiten der Zeitungskrise wurde außerdem die Redaktion mit der von Capital zusammengelegt – doch zum Glück um die Redaktion der FTD herum und nicht umgekehrt. Für Gruner+Jahr ist die FTD qualitativ längst zu dem im Jahr 2000 ersehnten Aushängeschild geworden. 

Mit dem vergangenen Relaunch geht auch das Handelsblatt vorsichtig in den von der FTD bereits 2000 eingeschlagenen Weg zu mehr Meinung, Hintergrund und Analyse. Und mit Olaf Storbeck und Norbert Häring kämpfen die zwei Ökonomieautoren gegen das ordnungspolitische 50er-Jahre-Dogma an, das der Ex-Kommunist und bald Ex-Chefredakteur Bernd Ziesemer entgegen aller jüngeren Forschungsergebnisse der Ökonomie bis zuletzt ungebrochen vertrat. So haben sich beide Blätter angenähert – die FTD ist seriöser, das Handelsblatt in Teilen unkonventioneller geworden – und dennoch haben beide ihren Platz in der Branche gefunden. Ich hoffe, dass das so bleibt.

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3 thoughts on “10 Jahre FTD

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