Was spaltet Amerika?

Meinem Gefühl nach stehen sich Rechte und Linke unversöhnlich wie nie in einer tief gespaltenen amerikanischen Gesellschaft gegenüber: internationalistisch ausgerichteten Multilateralisten gegen Nationalisten, Säkuläre gegen Religiöse, Staatsgläubige gegen Verschwörungstheoretiker, Fortschrittsgläubige gegen Rückswärtsgewandte, Liberale gegen Konservative – oder kurz: Klassische Linke gegen klassisch Rechte, so klassisch wie sich das in Europa – eigentlich das Kernland des Rechts/Links-Schemas – nie ausgeprägt hat.

Ich habe mich mal gefragt, was dieses Land grundsätzlich so spaltet, was ist der entscheidende Unterschied zwischen politisch Linken und Rechten? Anders als in Karl Marx’ Analyse, in der das ökonomische Sein (also die Klasse) das Bewusstsein (also die politische Einstellung) prägt, spielen Klassenunterschiede keine besonders große bei dieser Spaltung. Die teils radikale rechtsgerichtete Anti-Obama-Bewegung entstammt aus allen Schichten der Gesellschaft, vornehmlich dem Mittelstand. Andererseits stützt sich Obama insbesondere auf die Elite und die Armen des Landes.

Der entscheidende Unterschied zwischen Linken und Rechten in den USA ist meiner Meinung nach das Vertrauen in andere Menschen. Sieht man den Rest der Welt und die eigenen Gesellschaft als potentielle Feinde oder Freunde, mit grundsätzlichem Miss- oder Vertrauen?

Deshalb ist die amerikanische Rechte vermutlich so staatsskeptisch und die Linke so staatsgläubig: Die einen fürchten ständig von allen anderen übers Ohr gehauen zu werden, die anderen haben ein Gottvertrauen in andere Menschen und damit auch den Staat. Deshalb sind auch Verschwörungstheorien unter den Rechten – von den “Thruthern” wie Alex Jones bis zu den “Birthern” – so beliebt. Deshalb beschwören Linke die Notwendigkeit internationaler Regime wie die Vereinten Nationen, während die Rechte eine Weltregierung fürchtet.

Psychologische Tests bestätigen das: Wähler der Republikaner begegnen Fremden im Schnitt mit deutlich mehr Misstrauen als Wähler der Demokraten. Ich habe die Studie aber leider trotz langer Googelei nicht mehr finden können.

El Kaida startet Nachwuchswettbewerb

Die islamisch-karnevalistische Vereinigung El Kaida hat offenbar einen Nachwuchs-Wettbewerb für Kinder gestartet. Dieser Kandidat schlägt sich schon ganz gut im Büttenreden halten, klaut aber schamlos beim westlichen Imperialismus: “Dafür steh ich mit meinem Namen“, das ist doch von Claus Hipp!

Einen Bonuspunkt gibt es aber für die kreative Verkleidung: Drittklassiger Konzertpianist, darauf muss man erstmal kommen! Auch der Witz mit Kiel ist nicht schlecht. Negativ: Bei den Pointen fehlt der Tusch, eine Clownsnase hätte dem Video neben dem roten Vorhang und der witzigen Verkleidung auch gut getan.

Das vollständige Video gibt es hier.

PS: Es gibt eine Vermutung, warum “Harrach the Kid” Kiel verschonen will: Seine Schwester lebt dort, stand am Dienstag in der SZ. Der SWR-Blogger zum Sauerland-Prozess hat eine Vermutung, von wem sich Bekkay Harrach bei seiner Verkleidung Inspiration geholt haben könnte: “Barack Harrach – Bekkay Obama?!“.

Das Internet-Manifest

Mit dem 8. Februar 1996 verbinden die meisten Menschen überhaupt nichts. Für eine Bewegung, die derzeit Oberwasser hat, war das jedoch ein besonderer Tag. Die Unabhängigkeitserklärung des Internets, vorgetragen von dem Netz-Aktivisten (und Mitglied der legendären Band Grateful Dead) John Perry Barlow auf der Tagung des Davoser Weltwirtschaftsforum.

Manch einer meint, heute war wieder so ein Tag, der im Nachhinein zumindest von einigen symbolträchtig aufgeladen werden könnte: Der 7. September als Datum, an dem das deutsche Internet-Manifest veröffentlicht wurde. Darin enthalten sind 17 Behauptungen zum Journalismus im Digitalzeitalter – und zwar von den bekannten netzaffinen Vordenkern – teilweise selbst der journalistischen Zunft entspringend.

Also die üblichen Verdächtigen: Thomas Knüwer, Sascha Lobo, Stefan Niggemeier, Markus Beckedahl usw. Der WDR orakelt jedenfalls auf seiner Internetseite von der möglichen historischen Bedeutung. Selbst der viel beachtete US-Medienprofessor Jeff Jarvis, der mit dem Buch “What would Google do?” derzeit voll im Trend liegt, erwähnte sämtliche Thesen des Manifests auf Twitter und verweist unter anderem auf finnische und italienische Übersetzungen.

So gut es auch tut neben dem ganzen Unsinn, den Journalistenvertreter und Verlage den lieben langen Tag über das Internet erzählen (“Hamburger Erklärung” etc.), mal ein paar sinnvolle Sätze zum Thema zu lesen – revolutionär ist dieses Manifest trotz des Namens ganz sicher nicht. In meinen Augen sind ein Großteil der Thesen sogar völlige Selbstverständlichkeiten.

Das Internet ist toll, es bietet mehr Informationen als je zuvor, es ermöglicht den Dialog, es dient als Archiv der Zeitgeschichte – vielen Begrenztheiten des alten Mediums Papier kann sich der Journalismus so entledigen. Er hat Platz, er kann Inhalte verändern und transparent korrigieren – und jeder Leser hat Zugang zur Zeitgeschichte per Mausklick. Das alles ist toll, einverstanden.

Doch der Online-Journalismus hat auch ein Problem: Er ist derzeit ganz überwiegend einfach nicht rentabel. Die Lösung, die uns die Autoren des Manifests anbieten, ist wieder einmal Qualität. Denn, so schreiben sie, “Es bleibt nur die journalistische Qualität, die Journalismus von bloßer Veröffentlichung unterscheidet”. So gerne ich auch an diesem Punkt zustimmen würde – aber da bin ich einfach Pessimist. 

Politiker verwenden gerne die Phrase “Ich halte die Wähler für klug genug …”. Das mag Wunschdenken entspringen, wenn man freundlich ist – oder der Versuch sich einzuschleimen, wenn man realistisch ist. Fakt jedenfalls ist: Bild.de ist gerade im Begriff Spiegel Online bei den Visits zu überholen. Mit der zunehmenden Verbreitung des Internets sinkt auch der Bildungsgrad der Nutzer.

So lange Online-Journalismus allein von Werbung abhängig ist, wird sich die billig produzierte Massenware a la Bild.de gegenüber aufwendigen Recherchen und qualitativ hochwertigen Reportagen in einem marktwirtschaftlich funktionierendem System durchsetzen. Für eine derartig große Anzahl an qualitativ höherwertigen Angeboten, wie wir sie während des Print-Zeitalters erlebten, bleibt da meines Erachtens nach derzeitigem Stand kein Platz. Außer natürlich für Nischenangebote, die entweder exklusive für die Nutzer wertvolle Informationen bieten, für die die sie zu zahlen bereit sind (“Wall Street Journal”) – oder die durch die spezielle Ansprache der Zielgruppe deutliche höhere Werbepreise bei Werbekunden erzielen.

Es ist richtig, dass das Internet die Informations-Oligople auflöst und damit auch die Werbe-Oligpole der Verlage. Wer vor 20 Jahren eine breite Zielgruppe erreichen wollte, musst in der Zeitung oder im Fernsehen werben. Wer mit einer Kleinanzeige lokale Aufmerksamkeit erreichen wollte, musste sich an die lokale Zeitung wenden.

Heute haben sich diese großen Kanäle in viele viele kleine zersplittert. Nicht nur die klassischen Medien leider darunter – auch die die werbenden Unternehmen reagieren teilweise putzig bis hilflos auf die Konsequenzen der Zersplitterung der Aufmerksamkeit.

Das alles ändert nichts daran, dass die Versuche der Verlage, das Rad der Geschichte zurückzudrehen, Google oder die “Gratis-Kultur” im Internet zu verteufeln, genau nirgendwo hinführen. Insofern stimme ich den Verfassern des Manifests vollkommen zu. Nur den Stein der Weisen sehe ich in dem Manifest nicht. Es ist keine Idee darin enthalten, wie sich Qualitätsjournalismus innerhalb einer Gratis-Internetkultur finanzieren lässt. Qualitätskriterien, das Ausnutzen der Möglichkeiten des Mediums und die Kommunikation mit den Nutzern mögen den Online-Journalismus weiter verbessern – ihn zu finanzieren, dazu reichen diese Vorschläge meines Erachtens nicht aus.

Sehr schön übrigens auch die Antwort von tagseoblog.de: Das Internet-Moneyfest.

Rätselhaftes Phänomen

Wissen Sie, was ein Google Doodle ist? So werden die zahlreichen Logo-Abwandlungen des Suchmaschinenriesens bezeichnet, die zu speziellen Anlässen auf der Google-Startseite angezeigt werden. Mit dem neuesten Google Doodle gibt das US-Unternehmen aber im wahrsten Sinne des Wortes Rätsel auf.

DÜSSELDORF. Google Doodles gab es schon viele. Einige davon zeigt Google auf einer Spezialseite. Am 29. Mai ersetzte Google beispielsweise das “G” aus dem Logo durch ein Seil und zeigte zwei Bergsteiger. Anlass war der Jahrestag der Erstbesteigung des Mount Everest. Ähnliche Google Doodles gab es beispielsweise anlässlich des Jahrestags des Mauerfalls oder zu Ehren bestimmter Personen an deren Geburtstag.

Nach diesem Schema kennen Google-User die Doogles bereits seit 1999. Über das neueste Google Doodle aber rätselt das Netz. Es zeigt ein Ufo, das mit der Suchanfrage “rätselhaftes Phänomen” verlinkt ist. Dabei “klaut” das Ufo dem Google-Logo das “O”. Das Bild trägt den Namen “go_gle.gif” – es fehlt also auch in dem Dateinamen das “O”.

Das beschäftigt natürlich zahlreiche Blogger, die genau darüber rätseln – was wiederum exakt dem Kalkül des US-Unternehmens entsprechen dürfte: Google ist wieder in aller Munde. Nicht wenige Blogger haben wahrscheinlich außerdem darauf gehofft, über den nun häufig gesuchten Begriff auch gefunden zu werden.

Die in Blogs und Foren geäußerten Spekulationen reichen von einem Hinweis auf den heutigen Geburtstag des russischen Kosmonauten Andrijan Grigorjewitsch Nikolajew über das heute stattfindende “Exeter Ufo Festival” bis hin zum kalifornischen Autobauer Aptera, der mit Googles Hilfe ein Elektroauto auf den Markt bringen will, das optisch Ähnlichkeiten mit einem Ufo aufweist.

Bei Google Deutschland war am Samstag niemand zu erreichen, der das “rätselhafte Phänomen” hätte aufklären können. Auf dem beliebten Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichte Google aber eine Zahlenfolge: “1.12.12 25.15.21.18 15 1.18.5 2.5.12.15.14.7 20.15 21.19” . Ersetzt man die Zahlen durch den jeweiligen Buchstaben, der an dieser Stelle des Alphabets steht, erhält man den Satz “All your O are belong to us”.

Das spielt auf einen Insiderwitz unter Internetusern an, der zum Internet-Massenphänomen wurde. Der Satz “All your base are belong to us” ist eine grammatisch falsche Übersetzung aus dem japanischen Spiel “Zero Wing”. Einerseits könnte der Satz “All your O are belong to us” ein Indiz dafür sein, dass das fehlende “O” der entscheidende Hinweis bei der neuesten Google-Aktion ist. Oder ist das heutige Google Doodle eine Hommage an Internet-Massenphänomene so wie es selbst inzwischen eines ist?

Vielleicht hoffen die zahlreichen Blogger aber auch vergeblich auf die erlösende Nachricht aus Mountain View, die das Rätsel endlich aufklärt. Vielleicht ist es genau das, worauf Google mit seiner neuesten Aktion aufmerksam machen will: Dass es auch heute immer noch Dinge gibt, für die es keine Erklärung gibt. So wie das neuste Google Doodle.

Update vom 6. September: Auf dem offiziellen Unternehmensblog von Google Korea fand sich am Sonntag der Hinweis, dass sich bei der Aktion um ein dreiteiliges Rätsel handelt. Das nächste Rätsel wird Google seinen Nutzern demnach am 15. September aufgeben.

Zuerst veröffentlicht auf Handelsblatt.com. Sachdienliche Hinweise zur Aufklärung des “rätselhaften Phänomens” sind den den Kommentaren herzlich willkommen.