"#Vodafail" oder Gedanken über PR

Im Grunde ist jede PR widersinnig. Denn, worum geht es bei der PR? Um Auftragskommunikation im Sinne des Unternehmens – und letztlich darum, ein Produkt zu verkaufen. Und wie soll PR erscheinen, damit sie funktioniert? Cool, frech, alternativ, Lebensgefühle, Werte und generell alles Gute und Schöne vermittelnd.

PR funktioniert einfach nicht. Funktioniert nicht, hat nie funktioniert, wird nie funktionieren. PR ist der komische Typ, den keiner kennt und der uneingeladen auf eine Party kommt. Es ist der peinliche Onkel des Gastgebers, der unverhofft in eine bis dato lebhafte Studentenparty hereinplatzt und mit Bier in der Hand “Party!” ruft, worauf diese schlagartig zu Ende ist.

Das ist der Mechanismus von Kultur und Gegenkultur: Die Rollen sind verteilt. Das Etablierte ist uncool, die noch nicht Etablieren bauen sich eine Alternativkultur auf, bis diese zum Mainstream wird und damit die nächste Generation etwas Uncooles hat, wogegen sie wieder etwas aufbauen kann.

Es ist der ewige Lauf der Dinge – aber irgendwie wollen das PR-Strategen einfach nicht begreifen und versuchen seit Generationen jede Gegenkultur zu vereinnahmen. So auch Vodafone mit diesem Spot, bei dem unter anderem die bekannten Blogger Sascha Lobo und Schnutinger mitwirken:

wie mich das ankotzt, das echt gute musik von david bowie von irgendwelchen werbehanseln vor ihren kommerziellen kackkarren gespannt wird. wie bei queen und obi. und die deppen, die das original nicht kennen, finden es auch noch gut. armes deutschland.

Benutzer buutzemann auf Youtube

Natürlich kam der Spot in der angesprochenen “Generation Upload” nicht gut an. Darf er auch gar nicht. Schließlich wehrt sich jede Jugendkultur dagegen, uncool zu werden – und man wird halt uncool, sobald mit dem eigenen Lebensgefühl Werbung gemacht wird. Vodafone hat inzwischen auch schon auf die Kritik reagiert, natürlich betont cool.

Sascha Lobo ist damit auf dem besten Weg, in Sachen Selbstvermarktung die Heidi Klum des Online-Business zu werden.

Quelle: turi2.de

Ich gebe an dieser Stelle allen Unternehmen einen Tipp, der pures Gold wert ist: Feuert eure PR-Berater. Feuert sie alle und stellt nie wieder welche ein. Es gibt keine gute PR, Unternehmen können sich kein Image aufbauen, sie werden nicht mit Lebensgefühlen verbunden. Okay, es gibt eine Ausnahme: Apple. Aber das ist eine Sekte und kein Unternehmen und die Kunden sind Gläubige. Aber das kommt von unten, von den Nutzern selbst nicht durch die tolle PR-Arbeit von Apple.

Mit erstaunlicher Indolenz plaudert man bei Vodafone auch nach dem Debakel einfach weiter, schwadronierte vom Dialog mit der „Generation Upload“, während draußen im Netz überdeutlich wurde, dass man von solchen Leuten absolut nicht als Partner gesehen werden möchte. Sogar Begünstigte der Werbekampagne meldeten sich deutlich ablehnend zu Wort. Man kann dem Debakel einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen; ähnlich einer an Kokain berauschten Partygesellschaft von Millionären, die auf der Suche nach billigen Mädchen durch ein tiefrotes Arbeiterviertel ziehen, wusste Vodafone durchaus Anlass für einen verbalen, blutigen Horrorschocker zu liefern. Ein Spektakel auf allen Kanälen, das zukünftigen Werbern als 200 Millionen teures Beispiel dienen wird, wie man sich im Internet umfassend, oder wie man in der Branche sagt, 360 Grad, den Ruf ruiniert.

Don Alphonso auf FAZ.Net

Steckt das Geld lieber in den Service, in Infrastruktur und versucht einfach nur ein gutes Produkt zu machen. Schreibt Pressemeldungen, in denen ihr neue Produkte ankündigt – und das wars.

Update:

Das bisher witzigste, was ich zum Thema gelesen habe: Tagebuch eines Vodafone-Vorstandes.

Update 2:

Gnade, Gnade! Bitte, bitte hört damit auf! Inzwischen hat der peinliche Onkel nicht mehr nur ein Bier in der Hand, sondern tanzt nackt auf den Tischen.

Update 3:

Nach dem PR-Desaster mit Vodafone hat Schnutinger das Bloggen eingestellt.

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9 thoughts on “"#Vodafail" oder Gedanken über PR

  1. Hach, du Schmeichler! Ich – Jugendkultur – in maaaainem Alter! Nicht doch, Schätzchen….

  2. Saaabine?

  3. Ja bitte?

  4. Wer bist du denn?
    Update: Ach so, jetzt verstehe ich. Du siehst dich als Kritikerin des Spots und dein Kommentar bezieht sich auf meine “Jugendkultur, die sich wehrt”. 😉

  5. Äm. Eine Leserin deines Blogs..?
    Hätte ich ein Ironiefähnchen an meinen ersten Kommentar hängen sollen?
    Ich meinte: Mit Generation Upload ist alles, nur keine Jugendkultur gemeint. Aber das nur am Rande.

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