Generation C64: Hilfe, ich war Teil einer Jugendbewegung!

Mit Jugendbewegungen ist das so eine Sache. Ich war immer überzeugt davon, nie Teil irgendeiner gewesen zu sein. Und jetzt merke ich gerade: Irgendwie war ich es doch. Auch wenn sich diese Jugendbewegung gerade eher durch einen Mangel an Bewegung auszeichnete.

Wie das bei Jugendbewegungen so ist, merk man meist erst hinterher, dass es eine war. Und dann ist es meist auch schon spät, die Ideale verkauft, die phänotypischen Erscheinungsformen der Jugendkultur kommerzialisiert. Die Jugendbewegung, der ich gerade vermute, mal angehört zu haben, befindet sich gerade in der Phase, in der sich die Hippies wohl so um 1967 befunden haben müssen: Man spricht über sie, man nimmt sie wahr – und damit geht sie schnurstracks ihrem Ende entgegen.

Nur, dass diesmal alles irgendwie schneller und unkomplizierter geht. Immerhin hat man ja in der BRD inzwischen eine gewisse Routine im Eingliedern von Jugendbewegungen. Die ex-jugendbewegte 68er-Generation war sogar geradezu enttäuscht über den Mangel an Jugendbewegungen seit den 80ern.

Das, was wir heute 68er und Hippies nennen, waren vor 1967 wohl diejenigen, die das Wohlstandsstreben ihrer Elterngeneration ablehnten, sich die Haare lang wachsen ließen und auf der Suche nach Sinn von promiskem Sex über ostasiatischen Religionen bis Drogen so einiges durchprobiert haben. Spätestens seit dann Anfang der 70er Jahre die Industrie die Kultur der Hippies kommerzialisierte und einige Jahre später mit der Parteigründung der Grünen der Marsch durch die Institutionen begann, kann man die Bewegung wohl als mausetot betrachten.

Allerdings war denjenigen Jugendlichen, die vor 1967 Joints geraucht und lange Haare getragen haben, wahrscheinlich auch nicht wirklich klar, dass sie Teil einer Jugendbewegung sind. Die Jugendbewegung, der ich nun vermute, angehört zu haben, war zu ihren Lebzeiten besonders schwer als solche zu erkennen. Ein Merkmal war nämlich gerade, dass sich ihre Angehörigen ganz besonders wenig bewegt haben – und dafür lieber vor dem PC hockten. Ansonsten haben sie “1984” gelesen, Richard Stallman zugehört und Angst vor dem Überwachungsstaat gehabt, was aber gut auch daran gelegen haben könnte, dass wir so wenig raus kamen.

Auf jeden Fall merke ich gerade, dass ich da offenbar nicht ganz alleine war. Auch andere haben “1984” gelesen, Linux auf ihren Kisten installiert und inzwischen die Piratenpartei gegründet. Die Medien freuen sich natürlich, dass sie mal wieder ein Thema haben, bei dem sie Leute unter 30 zeigen können. Die traten in der Berichterstattung der vergangenen Jahre höchstens mal als Killerspieler oder  Amokläufen in Erscheinung. Nerds mit Piratenhüten sind da schon netter anzusehen.

Wie auch schon bei vergangenen Jugendkulturen hat sich die Werbeindustrie bereits auf die Vorreiter der Bewegung gestürzt: Schon werben Sascha Lobo und “Schnutinger” für Vodafone. Damit kann man die Phase der “Bewegung” dann wohl für beendet erklären – jetzt beginnt die Etablierung im Establishment. Und zwar, ganz zeitgemäß, im Turbo-Modus.

Nicht so schlimm, so toll war’s auch nicht. Sex, Drogen und Straßenkrawalle wären irgendwie spannender gewesen.

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4 thoughts on “Generation C64: Hilfe, ich war Teil einer Jugendbewegung!

  1. Bin ja gespannt, wie es damit weitergeht.  Wenn die vielen jungen Leute, die bisher aus Politikverdrossenheit nicht gewählt haben, jetzt die Piratenpartei wählen, könnte sie ja über die 5% kommen und über 30 Leute in den Bundestag schicken. Aber sie hat ja kein umfassendes Programm, sondern vertritt ein spezielles Thema. Zu all den anderen Themen also kein Fraktionszwang. Wie verhalten sich dann ihre verschiedenen Mitglieder? Ich nehme an, die sind ansonsten von ganz links bis ganz rechts ausgerichtet – der eine Sprecher in dem Spiegel-Video hatte jedenfalls eine so militaristische Sprache, dass ich ihn mir als ziemlich rechtsextrem vorstellen kann.  Ich bin mal gespannt.
     

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