Wie Tante Erna Aunt Annie das Häuschen finanzierte

Schuldig gemacht haben sich in der Finanzkrise nicht nur die USA, die auf Kosten des Rests der Welt auf Pump lebten, sondern auch die sparwütigen Deutschen mit ihrer Exportfixierung. Denn die Deutschen (und noch sehr viel stärker die ebenfalls exportfixierten Chinesen) halfen, die US-Immobilienblase kräftig aufzublasen. Wenn man so will, dann hat die fleißige sparsame Tante Erna aus Buxtehude der kreditkartenüberziehenden Aunt Annie aus Detroit das Häuschen finanziert.

Erst durch die Finanzkrise rückt in den Fokus, worauf die Ökonomen, die nicht zu Sabine Christiansen eingeladen wurden, schon lange hinweisen: Die enormen weltweiten Ungleichgewichte in den Handelsbilanzen der Länder.

Selbst Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn, der noch in den 90er Jahren dem unsägliche Credo der Sabine-Christiansen-Ära (“Der Fall Deutschland: Abstieg eines Superstars“) einen wissenschaftliche Anstrich gab, hat seine Position um 180 Grad gedreht. Inzwischen kritisiert er deutlich Deutschlands Exportfixierung und bezeichnete Deutschland in diesem Zusammenhang kürzlich als Stoßdämpfer der Welt. Das steht zwar fundamental im Widerspruch zu früheren Aussagen des Professors – macht sie aber gerade deshalb nicht falsch.

Es ist das holzschnittartige ökonomische Verständnis des “Wir müssen den Gürtel enger schnallen”-Kanzlers Helmut Kohl, das sich bis heute in vielen deutschen Köpfen festgesetzt hat: Sparen, sparen, sparen, fleißig schufften und exportieren – diese vermeintliche wirtschaftliche Erfolgsformel scheint irgendwie der deutschen Mentalität zu entsprechen. Sie ist jedoch nicht weniger mitschuldig an den globalen Ungleichgewichten als die US-amerikanische schuldenfinanzierte Konsumwut.

Es ist natürlich toll, wenn alle Welt Porsche und Mercedes fahren will. Nur in irgendwas muss das so eingenommene Geld auch investiert werden. Die Deutschen investierten kräftig: In Lehman-Zertifikate beispielsweise oder auch in amerikanische Immobilien – beides keine besonders lohnende Investitionen, wie wir heute wissen. Auch die Chinesen wissen angesichts ihres enormen Exportüberschusses gar nicht mehr, wohin mit den ganzen Devisen (vor allem Dollar), die sie dadurch auftürmen. Auch das hat neben der Niedrigzinspolitik der Fed die amerikanische Immobilienblase vergrößert.

In der Krise rächen sich jahrzehntelange Lohnzurückhaltung im Sinne eines immer perverseren Exportüberschusses: Die deutschen Exporte brachen im April im Vergleich zum Vorjahr um rund 29 Prozent ein. Angesichts der geringen Löhne sowie der immer noch stark ausgeprägten Sparneigung, gibt es nichts in Deutschland, das die wegbrechende ausländische Nachfrage ersetzen könnte. Deutschlands Wirtschaftsleistung wird prozentual so stark einbrechen wie in kaum einen anderen Land.

Dass sich in einer weitgehend industrialisierten Welt ein kleines Land mit kaum 80 Millionen Einwohnern immer noch “Exportweltmeister” nennen darf, sollte uns eigentlich zu denken geben. Stattdessen waren Politik und Bevölkerung aber geradezu stolz auf dieses enorme Handelsbilanzungleichgewicht. Die Quittung dafür kommt in der Krise.

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8 thoughts on “Wie Tante Erna Aunt Annie das Häuschen finanzierte

  1. Meinst du wirklich Tante Erna, die mit dem Sparbuch? Die wird doch wohl kaum auf Aktien oder Verbriefungen gesetzt haben, es sei denn die Banken oder Sparkassen hätten ihr Fonds angedreht, ohne den Inhalt der Fonds genauer zu beschreiben.
    Dass die Exporteure und ihr Umfeld fett Knete gemacht haben und nicht investiert sondern angelegt haben, leuchtet mir da eher ein.

  2. Tante Erna hat ihr Geld zur Sparkasse oder Bank gebracht und auch Sichteinlagen werden (zu einem geringen Prozentsatz) von der Bank angelegt. Außerdem haben ja auch viele Kleinanleger in Zertifikate, Immobilienfonds etc. investiert.
    Vor allem hat die extreme Sparneigung der deutschen, die ja mit einem schwachen Binnenkonsum einherging, die Exportfixierung und die Kapitalexporte mit angeheizt.

  3. Deinen Fokus auf Tante Erna kann ich nicht nachvollziehen angesichts der aktuellen Vermögensverteilung, nach der 1/10 der Bevölkerung ca. 60 % des Vermögens besitzt und die unteren 2/3 kein oder nur geringes Geld- oder Sachvermögen haben. Und Tante Erna lebt normalerweise in den unteren 2/3. Der Median liegt bei ca. 15.000 €. Realistisch halte ich sowas für ne Rücklage aber nicht für eine Anlage, wozu auch immer.

  4. Okay, die Zuspitzung auf Tante Erna war falsch. Nur wie gesagt, ohne die ausgeprägte Sparneigung der Deutschen und der Lohnstagnation, während in anderen Industrieländern die Löhne gestiegen sind, wäre die Binnenkaufkraft wohl größer gewesen.  Dann wäre der Handelsbilanzüberschuss nicht so groß gewesen, was wiederum den massiven Kapitalexport wieder etwas beschränkt hätte.

  5. Die Kategorie “Schuld” aufzumachen halte ich für völlig falsch, wo du doch gerade weiter oben die normativistische Interpretation von Wirtschaftswissenschaft abgelehnt hast. Als ob es eine Verpflichtung zum Konsum gäbe, der wir Deutschen nicht nachgekommen sind! Der Mechanismus den du beschreibst besteht allerdings sehr wohl, nur dieWertung ist unangebracht, bzw führt zu den falschen Schlüssen. Es ist doch gerade das über das Defizit finanzierte Konsumverhalten der Amis gewesen, dass dazu geführt hat, dass im Ausland bessere Investitionsmöglichkeiten für Kapital gesehen wurden. Das liegt m.E. zum Teil an Mentalität, aber auch am Anreizsystem wie es in den USA bestand (Zum Beispiel wegen den fehlenden Prepayment-Penalties). Jetzt ein Loblied auf den ungezügelten Konsum zu singen und Tante Emmas Sparbuch zu verteufeln halte ich für falsch.
    P.S.: ich schreibe dir hier ja eigentlich nur kritische Sachen rein, was nichts daran ändert, dass ich deinen Blog sehr gut finde. Es macht einfach nur mehr Spaß rumzumeckern πŸ˜‰

  6. Fifa, ich schätze deine kritischen Kommentare sehr, zumal du eigentlich immer recht hast. πŸ˜‰
    Wie auch in diesem Fall: “Schuld” ist natürlich eine in diesem Zusammenhang unangebrachte Moralisierung der globalen Ungleichgewichte. Ich habe das in diesem Fall nur so ausgedrückt, weil die Deutschen meines Erachtens zu unrecht so stolz auf ihren Handelsbilanzüberschuss waren – wie der ganze Beitrag war auch die “Schuld” daher in diesem Zusammenhang eine polemische Zuspitzung (wie ich ja in letzter Zeit seit Sloterdijk generell etwas arg zur Polemik neige ;)).
    Wer bist du eigentlich? VWL-Student oder mal VWL studiert? Hast du kein eigenes Blog oder eine Website?

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