Kurz angemerkt: Kapitalismuskritik

Kapitalismuskritiker gibt es viele – gerade in diesen Tagen. Doch man muss unterscheiden. Es gibt Kritik am Kapitalismus, die selbst die größten Marktwirtschafts-Apologeten nicht einfach beseite wischen können, beispielsweise die Tatsache, dass freie Märkte systemimmanent zur Kapitalakkumulation neigen oder die strukturellen Probleme an Finanzmärkten.

Die meiner Meinung nach dümmste Kritik am Kapitalismus, die ich seit langem gehört habe, hat kürzlich die Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel bei 3 nach 9 zum besten gegeben: Die Wirtschaft solle sich nicht an Profiten, sondern an den Bedürfnissen der Menschen orientieren.

Dabei gibt kein effizienteres Mittel als den Markt, die Wirtschaft genau dazu zu bringen: Denn nur das, was die Bedürfnisse der Menschen befriedigt, wird auch nachgefragt. Kein profitorientiertes Unternehmen wird jemals das Ziel haben, an den Bedürfnissen der Menschen vorbeizuwirtschaften – ganz einfach weil es dann vom Markt verdrängt wird.

In der Finanzwirtschaft sieht das etwas anders aus und es gibt viele Beispiele von Marktversagen (vgl. “The Market for Lemons“). Regulierungen sind überall dort nötig, wo nicht genügend Markttransparenz herrscht, sodass Kunden beispielsweise die Qualität der Produkte nicht einschätzen können. Ohne Regulierung wird Profitstreben dort automatisch zu einem Wettlauf um die Produktion der billigsten Produkte.

Aber die Tatsache, dass der Markt Unternehmen zur Befriedigung der Bedürfnisse der Kunden zwingt, ist meiner Meinung nach schon einer der wichtigsten Gründe dafür, warum Kapitalismus im Vergleich zu anderen Systemen so gut funktioniert. Und Profitstreben ist die Basis dieses Mechanismus.

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9 thoughts on “Kurz angemerkt: Kapitalismuskritik

  1. Dass das Fräulein aus dem Sozen-Boot-Camp Unsinn schwafelt, glaube ich unbesehen (wörtlich).
    Allerdings ist das hier:

    Dabei gibt kein effizienteres Mittel als den Markt, die Wirtschaft genau dazu zu bringen: Denn nur das, was die Bedürfnisse der Menschen befriedigt, wird auch nachgefragt. Kein profitorientiertes Unternehmen wird jemals das Ziel haben, an den Bedürfnissen der Menschen vorbeizuwirtschaften – ganz einfach weil es dann vom Markt verdrängt wird.

    ist hoffentlich ironisch gemeint.
    Lass uns mal gemeinsam, ausgerüstet mit einer mittleren Portion gesundem Menschenverstand, auf einen, sagen wir, Bauernmarkt gehen. Eine recht übersichtliche Inkarnation dieses Konzepts.
    Wir wollen ein Kilo Äpfel für einen Kuchen kaufen. Bestmögliche Qualität zum geringstmöglichen Preis. Wir sind rational.
    Leider sind wir nicht von der Seite her auf den Markt gekommen, wo der Stand mit der adäquaten Ware steht. Haben uns von der Menschentraube um einen anderen Stand in die Irre führen lassen. Die prallbusige Verkäuferin hat so nett gelächelt. Im allgemeinen Hin und Her hielten wir das Angebot, doch gleich drei Kilo mit einem kleinen Rabatt zu erstehen, für vernünftig.
    Von den drei Kilo Äpfeln verarbeiten wir eines in unserem Kuchen, ein weiteres futtern wir unter der Woche, der Rest vergammelt.
    Keiner von uns fühlt sich übers Ohr gehauen. Wir hätten halt noch nen Kuchen backen müssen. Beim nächsten Mal, so nehmen wir uns vor, kaufen wir halt am Stand mit den wirklich guten Äpfeln.
    Den gibt es dann leider nicht mehr. Der Bertreiber mäht jetzt den Rasen des Stadtparks für nen Euro die Stunde.
    Was der Markt nicht alles regelt.

  2. kann den Kommentar nicht nachvollziehen. Wenn du 3 Kilo Äpfel kaufen wolltest und der Markt dir ermöglicht hat sie zu bekommen, ist doch alles in Butter. Du hättest jederzeit die Freiheit gehabt dich weiter zu informieren und auch die Freiheit weniger Äpfel zu kaufen. Die Menschentraube ist für jemanden der nicht die Opportunitätskosten für langwierige Informationssammelarbeit tragen möchte eine gute Orientierungshilfe (dazu gibt es ein paar gute Beispiele in der Signaltheorie von Marken und Werbung)
     
    Ich sehe eher ein anderes Problem. Unternehmen orientieren sich nicht wirklich an den Bedürfnissen der Menschen, sondern an den Bedürfnissen der Menschen, für die KAUFKRÄFTIGE Nachfrage besteht. Unternehmen befriedigen nicht automatisch die Bedürfnisse der Menschen – und fair im Sinne von gleichartiger/gleichwertiger Bedürfnisbefriedigung geht es dabei erst recht nicht zu..
     

  3. Dabei gibt kein effizienteres Mittel als den Markt, die Wirtschaft genau dazu zu bringen: Denn nur das, was die Bedürfnisse der Menschen befriedigt, wird auch nachgefragt.

    es ist mir völlig schleierhaft wie du so einen satz raushauen kannst und im nächten absatz diese aussage komplett ignorieren kannst.wenn finanzmärkte nicht funktionierten kann man nicht sagen das märkte aber generell der beste weg sind..
    und wie immer bliebe zu beweisen das ausgerechnet der staat das problem lösen könnte.der staat ist ein profitorientiertes unternehmen wie jedes andere. der wesentliche unterschied ist das der staat ein monopol der professionellen verbrechensbekämpfung hat, und dieser demzufolge kaum ausgeliefert ist.

  4. @FiFa
    Lies noch mal genau hin! Das Szenario war: reales Bedürfnis 1kg Äpfel (gut und günstig) – als ich an dem Zugriffspunkt anlangte, der diesem Bedürfnis am effizientesten entsprach, hatte ich schon drei Kilo in der Tasche. Das Geld war ausgegeben.
    Anyway, der Punkt den ich machen wollte war, das Marktprinzip ist keine Naturgesetzlichkeit. Es verweist auf ein Kommunikationsgeschehen, welches – oh Wunder – sämtlichen Komplikationen, die solchen Verständigungshandlungen inhärent sind, unterliegt. Hier sei besonders auf das Phänomen des Missverstehens hingewiesen.
    Mit anderen Worten: der dem Marktprinzip zugrunde liegende Algorithmus abstrahiert solange sämtliche Schwierigkeiten und Seiteneffekte des realen Geschehens beiseite, bis seine Funktionsfähigkeit gegeben erscheint. In Laboren ist das ne super Sache, sollte allerdings nicht mit letztgültiger Rationalität(TM) verwechselt werden.

  5. Ein großes Problem der derzeitigen Systeme ist, dass sie endloses Wachstum brauchen. Denkt man kurz nach und sieht sich die empirischen Daten der letzten Jahre der westlichen Staaten an, geht jedoch jedes Wachstum irgendwann einer Sättigung entgegen.
    Der freie Markt ist ein gutes System, solange es darum geht, knappe Güter effizient mit möglichst viel Selbstorganisation an den Mann zu bringen.
    Was man derzeit beobachten kann und worauf der Kommentar von novalix abzielt ist, dass Bedürfnisse geschaffen werden, die nicht existieren durch äußerst raffinierte Beeinflussung durch die Werbung.
    Daraus folgt Ineffizienz in der Verteilung (auch von Arbeitskraft) und künstlich geschaffenes Leid (der Bauer, der Pleite geht).
    Die 40 Stunden Woche z.B. ist in Zeiten der Automatisierung meiner Meinung nach einfach nicht mehr gerechtfertigt. Dennoch werden Arbeitszeiten sogar erhöht, während fähige Leute arbeitslos werden und nichts mehr zum Leben haben.
    In einer Überflussgesellschaft benötigt man andere Systeme, die ich aber jetzt gerade auch nicht aus dem Ärmel schütteln kann 😉
    Greetz
    stationsarzt

  6. Zunächst freue ich mich, dass ich ein für mich neues, ökonomisch kompetentes, linksliberales Blog gefunden habe, mit einem Autor, der über Biss und Durchhaltevermögen verfügt.
    Zu:

    Dabei gibt kein effizienteres Mittel als den Markt, die Wirtschaft genau dazu zu bringen

    Grundsätzlich sehe ich das auch so (und ich halte es geradezu für eine Widerlegung aller Ideen einer sozialistischen Wirtschaftsordnung). Dennoch würde ich das etwas enger fassen. Nicht automatisch “der” Markt, sondern ein bestimmter Markt, bei dem folgende Bedingungen erfüllt sind:
    a) ein intensiver und <b>fairer Wettbewerb</b> mit den Schwerpunkt <b>Leistungswettbewerb</b> ohne störende Vermachtungs- und Monopolerscheinungen.
    b) ein regulativer Rahmen, welcher Schädigungswettbewerb hemmt und sozial nützliche Leistungserbringung fördert
    c) Marktteilnehmer, die moralisch nicht weitgehend verwahrlost sind (wie es in Teilbereichen der heutigen Erscheinungsformen von Kapitalismus leider vorkommt)
    Eine primäre Aufgabe des Staates besteht also – sofern man so denkt – darin, Markttransparenz zu fördern, Wettbewerb zu fördern und übergroße Machtstrukturen, die sich Märkten gebildet haben, regelmäßig zu zerschlagen (z.B. Strom-Monopole, bei denen Verbraucher und Wirtschaft ausgesaugt werden). Gleichzeitig muss der Staat zur Fairness des Marktgeschehens beitragen, also auch dazu, dass Arbeitnehmer (die oft in vergleichsweise schwacher Position stehen) und Verbraucher gegenüber Marktmächtigen geschützt werden.
    P.S.
    Frohes Weiterbloggen!
    (Wenn du mir eine gewisse Freude bereiten willst, und du ein gewisses Interesse an Auseinandersetzungen mit Wirtschaftslibertären hast, kannst du ja gelegentlich beim “antibuerokratieteam” oder bei den “bissigen Liberalen” deine Meinungen kund tun – mich findest du, als Kommentor oft bei “Rebellen ohne Markt” oder in Ches Warlog)

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