Keynes Comeback Tour 2009

John Maynard Keynes ist wieder in aller Munde. Erst gestern wiederholte Wirtschafts-Nobelpreisträger Jospeh Stiglitz eine alte Kernforderung des berühmten britischen Ökonomen: Die Einführung einer weltweiiten Reservewährung neben dem Dollar.

Selbst das – von den beiden exzellenten Ökonomie-Autoren Olaf Storbeck und Norbert Häring abgesehen – traditionell eher neoklassische Handelsblatt widmet Keynes eine neue ökonomische Serie, die zunächst den Lebensweg des großen Ökonomen nachzeichnet.

Dazu präsentiert das Handelsblatt auch einen Schnelldurchlauf durch die ökonomische Geistesgeschichte, der als interaktive Flash-Infografik online ist. Als neue Synthese aus Keynsianismus und neoklassischer Kritik daran werden dort Ökonomen wie Jordi Galí, Michael Woodford, Gregory Mankiw und Oliver Blachard genannt. Was diese Ökonomen meiner Auffassung nach richtig erkannt haben, ist die Fragwürdigkeit der Effizienzmarkthypothese.

Der wohl bekannteste Kritiker an dieser These wird jedoch nicht erwähnt: George A. Akerlof. Von ihm stammt das wohl berühmteste Beispiel für einen ineffizienten Markt, in Deutschland unter dem Namen Saure-Gurken-Problem bekannt:

Da Käufer oft ein Gut nur schwer beurteilen können, werden sie im Durchschnitt weniger zahlen, als sie zahlen würden, wenn es nur gute Güter gäbe – sie stellen sich darauf ein, eine „saure Gurke“ zu erwischen. So werden langsam die Anbieter mit hoher Qualität und hohem Preis verdrängt, weil niemand bei ihnen kauft. Es werden anteilig mehr „saure Gurken“. Die Beseitigung der sog. Informationsasymmetrie ist eine Lösung.

Quelle: Wikipedia

International ist das Beispiel unter dem Begriff “The Market for Lemons” bekannt und es geht dabei um Gebrauchtwagen (gebrauchte Autos von schlechter Qualität werden in den USA umgangssprachlich als “Lemons” bezeichnet).

Akerlofs Kritik am neoklassischen Modell geht noch einen entscheidenden Schritt weiter. Während Blachard und Co das (neo)klassische Menschenbild des Homo oeconomicus – also des nutzenmaximierenden, rationalen Wirtschaftakteurs – akzeptieren, haben Akerlof und sein Kollege Robert Shiller (“Animal Spirits“) gerade an dieser Stelle Zweifel an der klassischen Schule der Ökonomie. Sie machen diese – aus ihrer Sicht – falsche Annahme für die derzeitige Krise entscheidend mitverantwortlich.

Für sie spielt – genau wie für den nun wieder stark diskutieren Neokeynsianer Hyman Minsky – die menschliche Psychologie eine entscheidende Rolle, um makroökonomische Vorgänge erklären zu können. Selbst die modernen Keynsianer haben diesen Teil der keynsianischen Theorie meist unter den Tisch fallen lassen. Wie gerade aber die Bedeutung des Finanzmarktes in dieser Krise zeigt,  meiner Meinung nach, zu unrecht.

Update: Dass Galí, Woodford, Mankiw und Blachard dem Homo-Oeconomicus-Modell anhängen, habe ich der schmatischen Darstellung des Handelsblatts entnommen. Das kann jedoch zumindest für Blachard bezweifel werden:

Oliver Blanchard interpretiert die Rezession von 1990/91 in den Vereinigten Staaten (die zweilen wegen der wichtigen Rolle der Ölpreissteigerungen im Zuge des Einmarschs Saddam Husseins in Kuwait als Kuwait-Rezession bezeichnet wird) ausgehend von diesem Grundgedanken. Er ist überzeugt davon, dass der Vertrauensindex auf genau einen solchen Zusammenhang hindeutet. Er fand nämlich heraus, dass im Vorfeld der Rezession der Michigan-Consumer-Confidence-Index sehr weit ausschlug. Dieser Ausschlag ist durch keine sonstigen Faktoren erklärbar, und Blanchard führt ihn auf eine Welle von Pessimismus zurück, die nach der Invasion Kuwaits einsetzte. Der mit dem Stimmungsumwschwung verbundene Vertrauensverlust schlug sich in der Folge in einer signifikanten Minderung der Konsumausgaben nieder.

Akerlof, Shiller: Animal Spirits, 2009

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4 thoughts on “Keynes Comeback Tour 2009

  1.  Danke für die Blumen!
    O. Storbeck

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