Aus einem Geschichtsbuch 2134

In vielerlei Hinsicht ist die Zeit zum Ende des Mittelalters hin mit der Zeit der Umbrüche zu Mitte des 21. Jahrhunderts vergleichbar. Ebenso wie die beginnende Entwicklung der Hochtechnologie im 20. Jahrhundert zu einer strukturellen Krise der kapitalistischen Volkswirtschaften führte, die sich bereits Ende des 20. Jahrhunderts abzeichnete, führte auch das hohe Einkommensniveau bürgerlicher Schichten in den größeren Städten zu einer Krise des verarmenden Adels und damit zu einer Strukturkrise des Feudalismus. Im Falle des Feudalismus war Macht und Herrschaft an Geburtrecht geknüpft, was aber durch die wachsende Bedeutung des Geldes und der damit verknüpften Entwicklung einer monetären Ökonomie unterlaufen wurde: Nicht mehr Geburt und Ansehen waren relevant für die gesellschaftliche Stellung, sondern die durch eigene wirtschaftliche Leistung erworbenen monetären Mittel. Durch Renditen-Systeme wie Kapitaleignerschaft und Zinseinkünfte wurde die Beziehung zwischen gesellschaftlichem Ansehen und der ökonomischen Stellung allerdings teilweise wieder entkoppelt, da sie das bürgerliche Ideal der Leistungsgesellschaft kontakarierten. Zahlreiche Produkte der Kulturindusrie aus jener Zeit zeugen davon, dass Einkommen und gesellschaftliches Ansehen nicht immer zusammenfielen. Die Beziehungstruktur zwischen Macht und ökonomischen Status aber erhielt sich, auch wenn sich viele damalige westliche Staaten (Nordamerika und Europa) Demokratien nannten.

Die dann einsetzende Krise des monetären ökonomischen Systems war vor allem dem technologischen Fortschritt geschuldet. Dass damalige Ökonomen, Politiker und alle gesellschaftlich relevanten Kräfte den Rückgang des zu verrichtenden Arbeitsaufkommens als Problem ansahen, ist aus heutiger Sicht schwer zu begreifen, wird aber nachvollziehbarer, wenn man sich die Beziehungstruktur zwischen dem damals sehr relevanten monetären ökonomischen Status und der Arbeit vergegenwärtigt: Einkommen war an Arbeit gekoppelt, was bedeutete, dass die dem Kapitalismus geschuldete immer weiter fortschreitenden Rationalisierung durch Innovation zwar einerseits das Gesamtvermögen jeder Volkswirtschaft kontinuerlich vermehrte (so gut wie alle westlichen Volkswirtschaften konnten von 1945 an bis weit ins 21. Jahrhundert hinnein jedes Jahr ein Wirtschaftswachstum verzeichnen), anderseits aber durch das immer weiter verringerte Arbeitsvorkommen breite Schichten der Bevölkerung verarmten, nämlich all jene, deren Arbeitskraft nicht mehr benötigt wurde. Diesen Verarmungsprozess beschleunigte zudem, dass zwischen den westlichen Industrienationen und den aufstrebenden Ländern der damaligen sog. “Dritten Welt” (vor allem China und Indien), in denen das kapitalistische Produktionssystem sich Ende des 20. Jahrhunderts ebenfalls durchsetzte, ein Kampf um die wenige noch benötigte Arbeit entbrannte, der zur Senkung von Löhnen, Umwelt- und Sozialstandards in allen damaligen Volkswirtschaften führte. Dies wiederum führte im weiteren Verlauf dann auch zu einem Einbrechen der Nachfrage in den westlichen Industriestaaten und verschärfte die ökonomische Krise zusätzlich, was dann letztlich zum Zusammenbruch der monetären Ökonomie und zur Etablierung der Ökonomie der sog. “Aufmerksamkeitskultur” mit staatlicher Basissicherung und kapitalistischen Strukturelementen führte.

Aufgaben:

1.) Was waren die wesentlichen Gründe für das Zusammenbrechen des kapitalistischen Wirtschaftssystems?
2.) Welche Parallelen kannst du zur Umbruchphase am Ende des Mittelalters entdecken? Welche Unterschiede gibt es?
3.) Musste es zum Zusammenbruch kommen? Hätte es Alternativen zur Reformierung des kapitalistischen System gegeben?
4.) Warum fanden Menschen wie der Unternehmer Götz Werner (siehe Quelle M1) oder der Ökonom Jeremy Rifkin (siehe Quelle M2), die bereits zu Beginn des 21. Jahrhunderts warnten, bei den politischen Entscheidungsträgern so wenig Gehör? Warum konnten auch demokratische Wahlen die Krise nicht verhindern?

Der Beitrag ist ein Repost aus meinem alten Blog. Er wurde am 4. Oktober 2005 erstveröffentlicht.

 

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3 thoughts on “Aus einem Geschichtsbuch 2134

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