It’s the psychology, stupid!

Für einen interessanten Link schreibe ich normalerweise keinen Blog-Eintrag, dazu nutze ich Twitter. Ich will diesmal eine Ausnahme machen. Bereits im Oktober vergangenen Jahres erwähnte ich im Zusammenhang mit der Finanzmarktkrise die Theorien des Ökonomen Hyman Minsky und verwies auch auf den Minsky-Blogger Weissgarnix.de.

Der Post-Keynsianer Minsky ist in – und das nicht ohne Grund. Vieles von dem, was in dieser Finanzkrise als Problem zutage trat, hat Minsky bereits gesehen. Das liegt vor allem an zwei Dingen: Anders als viele andere Keynsianer ignorierte Minsky nicht Keynes Ausführungen über die Finanzmärkte – und deren Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Natürlich ein brandaktuelles Thema. Und: Minsky ging nicht vom realitätsfernen Menschenblid des nutzenmaximierenden streng rationalen Homo oeconomicus aus. Eine Analyse der Psychologie des Menschen war für ihn im Gegenteil einer der wichtigsten Ansätze, um wirtschafliche Dynamiken zu erklären.

Das Feuilleton der FAZ beschätftigte sich kürzlich unter der Überschrift “Der Garten Eden ist nicht genug” mit Minsky. Die folgenden Zeilen des großartigen Artikels will ich komplett zitieren, weil sie in hervorragend verständlicher Weise eine der Hauptursachen der Finanzkrise auf den Punkt bringen:

Umso länger die letzte Krise zurückliegt, so Minsky, umso zuversichtlicher schauen besonders die Unternehmensführer in die Zukunft. Sie erwarten, dass ihre Gewinne steigen, und investieren beispielsweise in neue Maschinen oder Gebäude. Dadurch steigen die Gewinne tatsächlich, und der Optimismus nimmt weiter zu. Spiegelbildlich dazu sinkt ihre Angst vor Risiken. Das ist nach Ansicht Minskys auch deswegen so, weil die vielen guten Nachrichten in zunehmend weniger hinterfragte Modelle einfließen, die aus einer rosigen Gegenwart eine rosigere Zukunft „berechnen“. Wenn ein Unternehmer in solch einer Zeit einmal mehr Mittel investieren will, als in der eigenen Kasse liegen, ist er darum eher bereit, sich (höher) zu verschulden. Die Banken leihen ihm gern Geld. Denn „sie befinden sich in demselben aufgehellten Erwartungsklima wie die Industrieunternehmen“, erläutert Bernhard Emunds, der mit einer Arbeit über Minsky promovierte und Direktor des Nell-Breuning-Instituts für Wirtschaftsethik in Frankfurt am Main ist.

In Minskys Theorie sucht auch die Finanzbranche in guten Zeiten verstärkt nach Möglichkeiten, aktiv mehr zu verdienen, und erfindet dafür neue Instrumente. Das ist für sie umso leichter, je weiter entwickelt die Finanzmärkte sind. Die ganze Wirtschaftsgesellschaft steigert sich so allmählich in eine Hochstimmung hinein, in der die vorgehaltenen Sicherheiten aller Beteiligten schrittweise sinken. „Die allseits akzeptierte und erwünschte Verschuldung“, schrieb Minsky, „nimmt als Folge des lang anhaltenden Erfolgs der Ökonomie zu.“

Wie lange die Party dauert, ist ungewiss, mindestens nicht berechenbar. Denn in Minskys Welt entwickeln sich insbesondere Kapitalmärkte als evolutionärer Prozess. Ständig ändern sich die Instrumente, ständig tauchen besser angepasste Produkte auf. Ständig steigen die Gewinne. Ständig steigt die Systemkomplexität. Bis zum Crash. Bis ein Ereignis eintritt, mit dem niemand gerechnet hat. Bis der Truthahn merkt, dass er als Festtagsbraten vorgesehen ist. Oder auch: bis der amerikanische Markt für Wertpapiere, die aus Hypotheken niedriger Qualität gezimmert wurden, zusammenbricht und die Papiere wertlos werden.

Quelle: FAZ.Net

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One thought on “It’s the psychology, stupid!

  1. Ich bin kein Experte in Sachen Finanzkrise und habe den Artikel nur überflogen, daher ist jede Kritik an nachfolgendem Statement wahrscheinlich berechtigt. Überhaupt hat mich der Titel “It´s the psychology…” hierhergeführt.
    Ich bin überzeugt davon, daß rationales Vorgehen, rationale Berechnungen und Prognosen nur wenig  mit der ökonomischen Wirklichkeit zu tun haben. Banker sind Zocker. Punkt.

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