Yigg & Co: Warum Mitmach-Nachrichtensites in Deutschland kein Durchbruch gelingt

Meedia schreibt diese Woche von der  Krise der Mitmach-Nachrichtensites. In den USA gibt es eine recht erfolgreiche Website, auf der die Benutzer durch einen Klick eine Nachricht als lesenswert empfehlen können: Digg.com. Das Konzept haben wir auch bei blogage.de mit unserem Empfehlungssystem umgesetzt.

So bekannt Digg.com in den USA ist – hierzulande kennt die Website kaum jemand, ebensowenig wie die deutschen Alternativen wie Yigg.de, Webnews, Zoomer und Shortnews – auch wenn Yigg.de immerhin in der deutschen Blogosphäre für reichlich Gesprächsstoff sorgt und sich einer aktiven Community erfreut. Holtzbrincks extrem kostenaufwendiges Zoomer-Experiment wird eingestellt – und auch den anderen Social Newssites gelang der Durchbruch in Deutschland bisher nicht.

Meedia folgert:

All diese Zahlen und Entwicklungen lassen letztlich nur einen Schluss zu: Auch im Internet will eine gigantische Mehrheit von Nutzern auf News-Websites nicht mitbestimmen, sonder überlässt die Relevanz-Einordnung lieber den Journalisten.

Ist das wirklich so?

Fakt ist: Die Benutzer bestimmen auch auf herkömliche Newsseiten die Priorisierung der Artikel mit. Nach oben kommt nämlich auch das, was die Nutzer besonders häufig klicken – ganz ohne, dass die das merken. Doch welchen Vorteil hat dann ein nutzerbasiertes Empfehlungssystem? Warum ist Digg.com in den USA fast ein Massenmedium?

Nutzerbasierte Empfehlungen bieten einer News-Community immer dann einen Mehrwert, wenn diese gemeinsame Interessen teilt. In den USA sind auch deshalb so viele Web-2.0-Projekte erfolgreich, weil die Menge an potentiellen Kunden so groß ist. De facto ist Digg.com auch in den USA kein Massenmedium, sondern eine Newsemfehlungs-Seite mit einem bestimmten abgegrenzten Publikum: Nämlich Nerds, die sich insbesondere für technische Themen interessieren. Für sie lohnt sich ein Besuch, weil sie dort die besten Nachrichten zu typischen Nerd-Themen wie Linux und Gadgets finden.

Mit Yigg.de funktioniert das im Grunde auch in Deutschland: Auch dort dominieren klar Geek-Themen die Seite und für diese Nutzergruppe bietet Yigg.de gegenüber herkömlichen Nachrichtenseiten einen klaren Mehrwert. Nur reicht die Zahl deutschsprachiger Geeks nicht aus, um für Traffic im wirklich großen Maßstab auf der Seite zu sorgen. Das Dilemma: Sollte die Community über den Geek-Bereich hinauswachsen, verliert die Seite ihren Mehrwert für die Nerd-Community. Sollte Yigg.de wirklich zum Massenmedium werden, würde die News-Priorisierung eine Art zweites Spiegel Online werden – Mainstream eben – und dann bleibt man doch lieber gleich beim Original.

Doch muss Yigg.de zum Massenmedium werden? Will man auf das herkömliche Monetarisierungsmodell Werbung setzen, wohl schon. Doch laut Yigg.de-Geschäftsführer Michael Reuter aka KMR bastelt man schon an einem alternativen Erlösmodell. Darauf bin ich sehr gespannt. Ich kenne jedenfalls kein Erlösmodell für das Web 2.0 außer Werbung, das wirklich funktioniert.  Yigg.de-Gründer phantom bloggt übrigens bei uns.

Advertisements

9 thoughts on “Yigg & Co: Warum Mitmach-Nachrichtensites in Deutschland kein Durchbruch gelingt

  1. Ich sehe diese Abstimm- und Mitmach-Dinger eher skeptisch. Was wäre das für eine Welt, in der sich die Menschen die Nachrichten so gestalten, wie sie sie hören wollen und nicht wie sie sind? Die Leichtigkeit mit der das im Internet stattfindet (im Gegensatz zu Printmedien) erschreckt mich manchmal. In sogenannten “Presseportalen” kann jeder Volldepp seine Sülze ablassen ohne sich auf seriöse Quellen oder am Wahrheitsgehalt messen lassen zu müssen. Und der bildungsfernere User schluckt das dann eimerweise. Journalismus hat die Verantwortung, Menschen zu informieren, und nicht sie zu pleasen, der Trend geht leider in die falsche Richtung.

  2. Stimme memesis zu. Liest man zb. derStadart.at und die dortigen Kommentare vermeintlicher “Pros”, kommt nur das große Kotzen.
    Das ist nichts für mich.

  3. Ich kenne mich mit Yigg, Geek und Nerd nicht aus (isst man das mit Messer und Gabel? ;)), aber nach der Diskussion hier scheint es mir, dass es eine ähnliche Sache ist wie das mit den Quoten im Fernsehen. Andererseits: ich hätte öfters mal nichts dagegen, wenn ich den einen oder anderen Beitrag meiner Co-Blogger außerhalb von blogage.de so einfach empfehlen könnte, aber leider haben die das auf ihren Homepages nicht.

  4. aber nach der Diskussion hier scheint es mir, dass es eine ähnliche Sache ist wie das mit den Quoten im Fernsehen.

    Guter Vergleich 😉

    Andererseits: ich hätte öfters mal nichts dagegen, wenn ich den einen oder anderen Beitrag meiner Co-Blogger außerhalb von blogage.de so einfach empfehlen könnte, aber leider haben die das auf ihren Homepages nicht.

    In anderen Blogsystemen “empfliehlt” man  mit Kommentaren, was den für manche vielleicht lästigen Effekt haben kann, seine “Empfehlung” auch begründen zu müssen. Es wird i.d.R. häufiger kommentiert.

  5. Was wäre das für eine Welt, in der sich die Menschen die Nachrichten so gestalten, wie sie sie hören wollen und nicht wie sie sind?

    Genau das tut der Mensch, ob er will oder nicht, natürlich in abgestufter Form. Jedes kommunizierte Wissen ist eine Interpretation, so auch in den Printmedien. Es wird eine Perspektive auf die Dinge vorgegeben, die oft unweigerlich übernommen und nicht hinterfragt wird.
    Das Internet bietet die Möglichkeit neuen Sichtweisen auf die Welt eine Stimme zu geben. Dafür gilt es natürlich stehts die Glaubwürdigkeit der Quellen zu hinterfragen. Eine Verhaltensweise, die den Menchen bei den “herkömmlichen” Medien bedauerlicherweise abhanden gekommen ist.
    Um bei der Glaubwürdigkeitsprüfung nicht vollkommen alleine gelassen zu werden, bietet sich die Möglichkeit dieses im sozialen Netzwerk mit anderen zu tun, was die im Artikel genannten Mitmach-Nachrichtensites ermöglichen.
    Im Ergebnis wird der Prozess des Erkenntnisgewinns von Medienkonzernen in die Hand der Gemeinschaft zurückgegeben. Das dadurch entstehende größere Spektrum publizierter Meinungen, führt dadurch, folgt man dem Wissenschafts-Darwinismus, zu einer besser Abbildung unserer Welt. Dafür bedarf es natürlich weiterhin Journalisten und Experten, die die “dumme Masse” mit Informationen versorgen.

  6. Das dadurch entstehende größere Spektrum publizierter Meinungen, führt dadurch, folgt man dem Wissenschafts-Darwinismus, zu einer besser Abbildung unserer Welt.

    Mit Verlaub, das ist kompletter Käse! Entscheidend beim Mitmach-Journalismus ist der Grad der Besessenheit der Mitmacher und nicht der Inhalt, schon gar nicht fundierte Quellen. Wenn der Mob als Peer-Reviewer für die Validität von Informationen auftritt werden beispielsweise wissenschaftliche oder politische Fakten zum Abstimmungsgut, und das ist nicht lustig. Von einer “besseren Abbildung der Welt” kann man hier nur sprechen, wenn man das “Beste” im Durchschnitt und im Wunschdenken sieht. Und, ääh, es gibt keinen “Wissenschafts-Darwinismus”,  das ist Unfug.

  7. We are specialists in Swarovski beads, that are very fashionable.Precisely minimize Swarovski crystal beads will make sure that the handmade jewellery appears fantastic. Swarovski crystals are crafted in Austria greatest specifications of superior and so are regarded as the finest items of the type from the world. Welcome to our website,you will obtain a surprise

  8. Louis Vuitton Outlet Online is not only make one fashion but also stand for them identity.Louis Vuitton is designed simple and novel.Louis Vuitton is a good choice for you. All the Louis Vuitton for sale on our Louis Vuitton Online Stores.Buy cheap Louis Vuitton from Louis Vuitton Online now!

  9. Ich nutze Yigg seit geraumer Zeit, um neue Blog-Artikel zu posten. Viel Traffic kommt über die derart verlinkten Seiten allerdings nicht. Immerhin scheint sich der Google-Bot regelmässig bei Yigg umzuschauen. Sobald ich einen Bookmark bei Yigg gesetzt habe, taucht zum passenden Keyword i.d.R. wenige Tage später etwas bei meinen Google Alerts auf. Beim letzten Update zu Skype Smileys hat das sogar Traffic gebracht. VGhans

Comments are closed.