Vom Luxus des Unglücks

Kollektives Glück

Der Mensch strebt nach Glück. Diese Weisheit ist mindestens so alt wie die Philosophie. Doch gibt es höhere Werte als das Glück? Nein, ruft der Utilitarist.

Glücksökonomie hat Hochkonjunktur und ihre (in ihrer Validität sicher umstrittenen) Ergebnisse sind für viele schockierend: Dass Geld nicht dauerhaft glücklich macht, dürften viele schon geahnt haben – doch, dass die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau uns aller Wahrscheinlichkeit nach unglücklicher haben, das ist schon weniger leicht zu verdauen.

Da fragt man sich: Wieviel Unglück wollen wir uns gesellschaftlich leisten? Gibt es höhere Werte als Glück, ist weniger Glück ein Preis für Gleichberechtigung? Und vielleicht auch Freiheit? In unserer Multioptionsgesellschaft scheinen viele Menschen überfordert, immer mehr potentielle Möglichkeiten stehen extrem wenigen realisierten Möglichkeiten gegenüber. Trotz wachsendem Wohlstand, Gesundheit, Bildung – die Menschen werden einfach nicht glücklicher.

Ist unser Leben zu kompliziert geworden? Gibt es in einer global gewordenen Gesellschaft zu viele Vergleichsmöglichkeiten nach oben? Verschwenden wir unser wertvolles Leben in einem Rat Race um die besten Möglichkeiten, während wir eigentlich unsere Zeit mit Familie und Freunden genießen sollten?

Und was ist eigentlich mit Wissen? Macht uns Wissen glücklicher – oder eher im Gegenteil? “Unwissenheit ist ein Segen”, heißt es im Film Matrix und mal ehrlich: Wären wir nicht glücklicher, wenn wir uns immer noch für Gottes Geschöpfe in der Mitte des Universums halten würden, denen ein ewiges Leben im Paradies bevorsteht, statt für vom Affen abstammende biologische Maschinen, denen Hirnforscher nicht einmal mehr einen freien Willen zusprechen und die in einem Spiralausläufer einer wenig bedeutenden Galaxie ein lächerlich kurzes Leben führen?

Und wenn ja, was ist die richtige Konsequenz von all dem? Ein Spiztensteuersatz von 100 Prozent, wie ihn Richard Layard fordert? Eine Planwirtschaft, gar eine Glücks-Diktatur? Von der Elite vorgelebte falsche Mythen wie Religion und Nation, um der die Bevölkerung glücklicher leben zu lassen? Interessant dazu sind die Theorien des häufig als konservativ klassifizierten Staatsphilosophen Leo Strauss:

Individuelles Glück

Wiseman hat vor vier Jahren eine Studie veröffentlicht, die unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Darin forderte Wiseman in Inseraten Menschen auf, sich bei ihm zu melden, nicht irgendwelche Menschen, sondern nur die, die sich selbst als a) besonders glücklich oder b) besonders unglücklich bezeichnen würden.

Heimtückischerweise platzierte Wiseman in derselben Ausgabe auch noch einen weiteren Aufruf ungefähr folgenden Inhalts: „Hallo liebe Teilnehmer an der Glücks- und Unglücksstudie – wenn Sie dieses Inserat lesen und sich beim Studienleiter, also bei mir, Richard Wiseman, melden, dann haben Sie die Chance auf den Gewinn von 400 Pfund.” Und natürlich kam es so: Ein Haufen Unglücklicher meldete sich bei Wiseman. Eine Anzahl Glücklicher auch. Im Haufen der Unglücklichen hatte niemand bemerkt, dass auch noch ein zweites Inserat in der Zeitung war, eben jenes mit dem 400-Pfund-Gewinn. Die glücklichen Studienteilnehmer hatten das hingegen fast alle bemerkt. Glück macht Glück, so wie Geld Geld macht.

Quelle: brandeins.de

So platt es klingt: Aber individuelles Glück ist vor allem Einstellungssache. Die Konsequenz daraus könnte man mit “Think positive” auf den Punkt bringen – aber da der Begriff schon zu abgenudelt klingt, formuliere ich es anders: “Mach die Augen auf!”.

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8 thoughts on “Vom Luxus des Unglücks

  1. Glück oder die hedonische Tretmühle, eins meiner Lieblingsthemen 😉
    Ich denke oft auch, frei nach Robert Lemke “Dumm sein und Glück haben, das ist das Größte”. Es gibt die Glücksforschung, das “flow”-Prinzip, aber dafür bin ich wieder zu hibbelig. Manche Neurowissenschaftler sprechen auch von einer angeborenen Disposition zum Optimismus. Das sind einfach mal so ein paar spontan in die Runde geschmissene Begriffe, wie gesagt, dieses Thema ist höchst interessant.
    Apropos Richard Wiseman, sein Buch “Quirkologie” ist mehr als empfehlenswert, das ist ein Muss!
    gruß m.
    P.S.:

    So platt es klingt: Aber individuelles Glück ist vor allem Einstellungssache.

    Das halte ich bestenfalls für nur teilweise wahr. Jemand der in der Sch*sse steckt kann sich nicht happy “denken”. Oder jemand der neurologisch bedingt depressiv ist. Das klingt etwas wie “wer nicht glücklich ist, ist selber schuld”. Nicht daß ich glaube daß du das so sagen würdest… 😉

  2. Als erstes fiel mir Brecht ein: Ja, renn nicht nach dem Glück, renne nicht zu sehr, denn alle rennen nach dem Glück. Das Glück rennt hinterher.
    Glück ist für mich eher von kurzer Dauer, ist wohl auch besser so, weil ich sonst immer im gleichen Zustand verharren würde.
    Und die Schlussfolgerung mit der Einstellungssache, klingt so n bisschen nach Jeder ist seines Glückes Schmied.
    Einstellungen dürften zunächst mal etwas Erlerntes sein und hängen von den Umständen und Menschen ab, die mir in meinem Leben so begegnen.
     
     

  3. Dass Glücklichsein das Glück fördern soll, ist Blödsinn. Genauso wie dass glückliche Menschen ihr soziales Umfeld glücklich machen sollen.
    In den beiden Studien hats ganz primitive Fehler, wie z.B. dass Ursache und Wirkung verwechselt wurden.

  4. Ihr habt natürlich recht – das Glücksempfinden (im Sinne von Hapyness) hängt natürlich von einer Reihe von Faktoren ab – u.a. der genetischen Disposition.
    Trotzdem scheint es offenbar eine Korrelation zwischen Glück haben im Sinne von Luck und glücklich sein zu geben. Ob das nun heißt, dass wer glücklich ist, automatisch die Augen offener für glückliche “Zufälle” hat oder, dass die Augen für so etwas offen haben glücklicher macht, ist fraglich. Denkbar ist natürlich auch eine kausale Beziehung zu einer oder mehreren Drittvariablen.

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