Brauchen wir eine Planwirtschaft light?

Wir leben in einem Zeitalter des Marktversagens. Das ist kein Zitat von der Attac-Website, das schreibt FTD-Chfekommentator Peter Ehrlich. Warum Ehrlich für eine “Planwirtschaft light” im Großen plädiert, um die Marktwirtschaft im Kleinen zu retten.

Es ist keineswegs so, dass das Wirtschaftsgeschehen in einer Marktwirtschaft im Gegensatz zur Planwirtschaft vollkommen ungeplant oder chaotisch abläuft. Vielmehr ergibt sich aus der Tatsache, dass die Produktionsmittel in privater Hand sind, eine dezentrale Planung jedes einzelnen Unternehmens und jedes Privathaushaltes, die die Konsequenzen für ihr ökonomisches Handeln eigenverantwortlich tragen. Die Allokation der vorhandenen knappen Güter erfolgt über einen (mehr oder weniger) ungeregelten Markt, indem die Preise der Güter durch die Faktoren Angebot und Nachfrage bestimmt wird.

Der auf dem Markt bestimmte Preis hat Auswirkungen auf die Planungen der Wirtschaftssubjekte, seien es nun Unternehmen oder Privathaushalte. Dadurch werden die einzelwirtschaftlichen Teilpläne der Wirtschaftssubjekte aufeinander abgestimmt und zu einem gesamtwirtschaftlichen Plansystem koordiniert. Durch marktbedingte Sanktionen werden leistungsfähige Marktteilnehmer belohnt, leistungsschwache, die dem durch den Markt gebildeten Preis nicht standhalten können, bestraft und im Extremfall komplett vom Markt verdrängt. Der über den Markt gebildete Preis besitzt dabei auch eine Informationsfunktion, da er etwas über das Verhältnis der Knappheit eines Gutes im Bezug auf die Nachfrage danach aussagt. Soweit die reine neoklassische Lehre des Kapitalismus.

Genau das ist derzeit aber gefährdet: Sei es an den Aktien- oder an den Rohstoffmärkten, längst bestimmen nicht mehr Fundamentaldaten die Preise, sondern Spekulationen. Wenn der Ölverbrauch, wie in den vergangenen Monaten geschehen, um wenige Prozente zurückgeht und daraufhin binnen sechs Monaten einen Rohöl-Wertverfall von zwei Dritteln einsetzt, hat das mit den Gesetzen von Angebot und Nachfrage nichts zu tun. Dasselbe sehen wir auch bei Währungsschwankungen, die inzwischen unter anderem auch durch Currency-Trade-Geschäfte verursacht werden. Statt eine Informationsfunktion zu erfüllen, werden die Preise für diese Rohstoffe zu einem Unsicherheitsfaktor bei der Planung von Wirtschaftssubjekten.

Weil diese großen Märkte nicht mehr zuverlässig funktionieren, führt das auch zu Schwierigkeiten für die Wirtschaftseinheiten, die in kleineren Märkten agieren. Denn auch kleine Unternehmen sind auf die an den großen Märkten gehandelten Rohstoffe und auf in Devisen gehandelte Exporte und Importe angewiesen. Ihnen fehlt angesichts der spekulativen Exzesse Planungssicherheit. Peter Ehrlich plädiert daher für festgesetzte Preisspannen für Rohstoffe und Wechselkurse:

Grobe Bandbreiten für die Preise strategischer Rohstoffe wie Öl und Gas, Reis und Weizen und auch zwischen den großen Währungen würden Unternehmen und Staaten mehr Sicherheit geben. Firmen könnten Ressourcen, die sie für die Risikovorsorge brauchen, für kreative Entwicklungen nutzen. Wenn die “großen Märkte” weniger irrational schwanken, können sich die “kleinen Märkte” besser entwickeln.

Quelle: ftd.de

In jedem Fall ein interessanter Vorschlag.

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5 thoughts on “Brauchen wir eine Planwirtschaft light?

  1. Sei es an den Aktien- oder an den Rohstoffmärkten, längst bestimmen nicht mehr Fundamentaldaten die Preise, sondern Spekulationen.

    agreed, und wie würde ein markt das problem lösen?spekulativität des preises (blase) wird erkannt, möglichkeit des zusammenbruchs des preises wird wahrgenommen, nachfrage sinkt, preis sinkt. fertig die möhre, oder nicht?
    was mal wieder fehlt ist der grund warum der staat es besser machen könnte.er soll also jeden abzocken oder einsperren der ruhstoffe zu einem anderen preis verkauft als vorgegebenen, so ungefähr?das gibt sicherlich viele falsche sicherheiten (gerade bei öl, woah!) und die verfälschten preise werden wohl vor allem den rohstoffproduzenten auf die nase fallen.
    fun fact: deutschland ist nicht gerade ein ‘rohstoffland’, ne?

  2. agreed, und wie würde ein markt das problem lösen?spekulativität des preises (blase) wird erkannt, möglichkeit des zusammenbruchs des preises wird wahrgenommen, nachfrage sinkt, preis sinkt. fertig die möhre, oder nicht?

    In dem neoklassischen Marktmodell ja – nur hat das mit der Realität leider nichts zu tun, weil a) Menschen (auch) irrationel handeln und b) die Irrationalität anderer Menschen sogar rational einplanen. Und das gilt selbst für Märkte mit maximaler Transparenz wie Öl.
    Das führt regelmäßig dazu, dass sich Blasen eben gerade nicht schnell auflösen, sondern vorher noch lange aufblähen. Der US-Häusermarkt ist dafür nur das jüngste Beispiel.

  3. [..] weil a) Menschen (auch) irrationel handeln und b) die Irrationalität anderer Menschen sogar rational einplanen. Und das gilt selbst für Märkte mit maximaler Transparenz wie Öl.

    again. agreed. und jetzt?
    jetzt musste normalerweise der beweis kommen das ein staat weniger anfällig für irrationalität ist, oder die irrationalität anderer weniger ausnutzt(!).ich muss da nur grade an diesen ganzen nahost-irrsinn denken aber vielleicht fällt dir ja ein beispiel ein was diese these etwas besser untermauert.
    außerdem scheint es mir das du hier eine ziemlich ungewöhnliche strategie zum umgang mit menschlicher irrationalität vorschlägst.was würdest du machen wenn du dich selbst bei einer dir nicht nützlichen verhaltensweise ertappst?würdest du einfach dein gehirn ausschalten und einen anderen bitten für dich zu denken?
    ich denke du würdest versuchen erstmal ruhig zu werden, etwas abstand zu gewinnen und das aus nem höheren blickwinkel zu betrachten. ein paar daten sammeln, ein paar zahlen crunshen, mindmaps malen oder was weis ich..sicher kannst du aus einen anderen um hilfe fragen, dessen theorien benutzen, etc.aber nach dem staat rufen ist etwas völlig anderes:
    hier gehst du bereits davon aus das diese person bessere entscheidungen als du (oder irgendwer) treffen kann und diese mit zwang durchgesetzt werden müssen.

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