Wo spenden?

Mikrofinanz

Ein Thema, das mich schon lange beschäftigt, ist Entwicklungshilfe. Warum leben bei einem stetig wachsenden (von seltenen Phasen der Weltrezession wie derzeit einmal abgesehen) Gesamtreichtum und einem derart hohen Lebensstandard der westlichen Welt immer noch so viele Menschen in Armut, sterben an Unterernährung, heilbaren Krankheiten und schmutzigen Wasser?

Die Diskussion um die Dritte Welt und die damit verknüpfte andauernde humane Katastrophe als Konstante des 20. und 21. Jahrhunderts wird meist ideologiebeladen diskutiert. Ich glaube nicht, dass das für eine Lösung dieser humanen Katastrophe hilfreich ist. Deshalb möchte ich zunächst ein Paar Fakten nennen:

  1. Armut und Hunger in der Dritten Welt sind ein ökonomisches Problem, kein logistisches. Theoretisch reicht der fruchtbare Boden dieser Welt, um mehr als doppelt so viele Menschen zu ernähren, wie derzeit auf der Erde leben.
  2. Westliche Entwicklungshilfe leidet häufig unter bürokratischen Kosten und einer Fehlallokation. Wer den Menschen vor Ort helfen will, muss deren Bedürfnisse und kulturellen Eigenarten kennen.
  3. Es gibt Indizien dafür, dass viele klassische Entwicklungshilfeprojekte als “süßes Gift” wirken, da sie Eigenitiative ersticken und abhängig machen.
  4. Ehemalige Dritte-Welt-Staaten, die der Armut entkommen sind und sich heute auf dem Wohlstandsniveau der westlichen Welt befinden, haben dies nicht zuletzt durch marktwirtschaftliche Reformen, ein funktionierendes Rechtssystem und eine Öffnung des Kapitalmarktes erreicht (u.a. Thailand, Südkorea, Singapur aber zunehmend auch China und Indien).
  5. Selbst unter den ärmsten der armen Staaten der Sub-Sahara-Region stehen Staaten wie Mauritius, die ihre Güter- und Rohstoffmäkrte gegenüber dem Westen geöffnet haben, besser da als diejenigen, die sich vom Weltmarkt abschotten.
  6. Viele der ärmsten Staaten der Erde, sind gleichzeitig diejenigen, mit den korruptesten politischen Systemen. Es ist wahrscheinlich, dass hier nicht nur eine Korrelation, sondern auch eine Kausalität besteht. Entwicklungshilfe kann auch den Effekt haben, die korrupten Regime dieser Länder zu stützen.

 


Prof. Hans Rosling räumt mit einigen Mythen über Armut auf

 

Was ist nun die Konsequenz aus all diesen Erkenntnissen? Nichts mehr spenden? Nein. Meiner Meinung nach gibt es eine Form der Entwicklungshilfe, die die alle die genannten Probleme umgeht.

Die ärmsten Staaten der Erde haben alle sehr ähnliche Probleme: Es gibt keine Rechtssicherheit, keine Zivilgesellschaft und kein funktionierendes Wirtschaftssystem. Stattdessen Cliquenwirtschaft, Monopole und eine sehr dünne Schicht von Reichen, die eng mit der politischen Elite verpflochten ist. Klassische Entwicklungshilfe, sofern sie nicht an Bedingungen geknüpft ist, stabilisiert dieses Gesellschaftssystem, indem weder eine funktionierende Marktwirtschaft noch eine demokratische Zivilgesellschaft entstehen kann.

Effektive Entwicklungshilfe muss daher am Staat vorbei, nachhaltig einen großen Teil der ärmsten der Armen wirtschaftlich stärken. Sie muss die wirtschaftliche Tätigkeit dieser Menschen anregen, statt sie abhängig zu machen und Initiative zu ersticken.

Im Deutschland des 19. Jahrhunderts haben sich Bauern zu Genossenschaften zusammengeschlossen, um Volks- und Raiffeisenbanken zu gründen. Es war ein Bankensystem für die Armen – für all diejenigen, die für normale Privatbanken als Kunden uninteressant waren. Eine sehr ähnliche Idee hatt Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus 1976, als er in Bangladesch die Grameen Bank gründete – ein Bankinstitut für die ärmsten der Armen. Dafür wurde er 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Das Konzept der Mikrofinanz ging auf, die Rückzahlungsquote enorm, Denn der Anreiz, die Kleinstkredite zurückzuzuhalen, ist groß: Nur im Falle einer Rückzahlung winkte ein größerer Kredit für die Expansion der Existenzgründer. So entstand in vielen Regionen Bangladeschs, in denen zuvor blanke Armut und Hunger herrschte, ein funktionierendes Wirtschaftssystems.

Viele Probleme der klassischen Entwicklungshilfe werden vermieden: Die Menschen vor Ort wissen selbst am besten, wie sie das Geld investieren, um den Kredit zurückzahlen zu können. Ihre Kleinstunternehmen bieten das an, was die Leute vor Ort nachfragen. Fehlallokationen wie Straßen, die keiner nutzt oder Brunnen, die veröden, werden vermieden. Das Geld bleibt vor Ort und im Wirtschaftskreislauf der Region. Die Einnahmen werden von anderen Mitgliedern der Familie genutzt, ihrerseits wirtschaftlich tätig zu werden.

Das Geld kommt direkt und ohne Umwege dort an, wo es benötigt wird. Es gibt kaum zwischengeschaltete Bürokratie, die Projekte plant und keine staatliche Institution, die Geld abschöpft.  Weil der Kredit zurückbezahlt werden muss, will der Kreditnehmer weitere Kredite erhalten, macht diese Form der Entwicklungshilfe nicht abhängig, sondern regt im Gegenteil die Eigeninitiative an.

Wer also zu Weihnachtenn (oder auch sonst) für eine gute Sache spenden will, dem empfehle ich eines der zahlreichen Mikorfinanz-Projekte wie FINCA zu unterstützen. Eine deutsche Organisation, die ich Bereich der Mikrofinanzierung aktiv ist, ist beispielsweise die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit.

Advertisements

4 thoughts on “Wo spenden?

  1. Ich überlege mir schon lange, einen Teil meines Geldes bei einer Bank anzulegen, die solche Mikrofinanzierungen tätigt. Ich möchte das gerne in Afrika, weil es dort am nötigsten wäre, und weil ich von den tüchtigen Frauen, die diese Kredite vernünftig verwenden würden, weiß. Aber ich habe noch keine solche Bank gefunden. Die GTZ ist ja keine Bank; sie tätigt ihre eigenen Geschäfte bereits mit unseren Steuergeldern.

  2. Du kannst in einen entsprechenden Geldmarktfonds investieren. Die Fondsgesellschaft Invest in Visions bietet Mikrofinanz-Fondprodukte an, beispielsweise mit der ISIN LU 0236782842 bzw. der WKN A0JKEA. Der Zinssatz eines solches Fonds wird laut Fondsgeselleschaft sogar rund zwei Prozent über dem des Geldmarktes liegen.
    Weitere Fonds findest du beispielsweise hier.

  3. Louis Vuitton Outlet Online is not only make one fashion but also stand for them identity.Louis Vuitton is designed simple and novel.Louis Vuitton is a good choice for you. All the Louis Vuitton for sale on our Louis Vuitton Online Stores.Buy cheap Louis Vuitton from Louis Vuitton Online now!

  4. We are specialists in Swarovski beads, that are very fashionable.Precisely minimize Swarovski crystal beads will make sure that the handmade jewellery appears fantastic. Swarovski crystals are crafted in Austria greatest specifications of superior and so are regarded as the finest items of the type from the world. Welcome to our website,you will obtain a surprise

Comments are closed.