Bayanoo

Es gibt Geschäftsideen, bei denen denkt man sich sofort: Genial – und sie funktionieren nicht. Und es gibt Geschäftsideen, bei denen man sich sofort denkt “Was für ein Unsinn” – und sie funktionieren doch.

Ein Startup der letztgenannten Kategorie ist für mich wer-kennt-wen.de. Die Idee erst im Jahre 2006 ein weiteres soziales Netzwerk neben StudiVZ, Facebook, Lokalisten und Xing in Deutschland aufzubauen, das sich in erster Linie durch grausame Optik und furchtbare Usability von seiner Konkurrenz absetzt, konnte ja nur schief gehen – dachte ich. Doch siehe da: Laut IVW-Zahlen kommt die Website in Deutschland auf Platz 3 bei den Visits und hat StudiVZ bei den Page Impressions fast schon überrundet.

Ein Startup mit einer innovativen Ansatz ist Bayanoo. Die Idee: Millionen Deutsche haben Handy-Verträge. Viele davon wollen aus den verschiedensten Gründen raus – zum Beisiel weil sie den Vertrag wechseln wollen oder eine Zeit im Ausland sind. Auf Bayanoo sollen verkaufswillige Handyvertrags-Besitzer und Handyvertrags-Interessenten zusammenkommen, wobei das Unternehmen 5,90 Euro für das Einstellen eines Vertrags nimmt.

Die Idee kam gut an, zahlreiche Medienauftritte folgten auf die Gründung im Jahre 2007 – sogar ein Bericht bei n-tv. Doch das alles half nichts, das Konzept floppte. Gerade einmal 250 der laut Gründer potentiell 5 Millionen Kunden nutzten die Seite, um einen Vertrag einzustellen. Der Versuch, das Unternehmen auf eBay zu verkaufen scheiterte, weil der Mindestpreis (in der Startupszene wird der Betrag von 10.000 Euro kolportiert) nicht erreicht wurde.

Das Portal wurde dennoch zu einem auch mir unbekannten Preis verkauft. Den Käufer habe ich vor ziemlich genau einem Monat auf dem O2 Hosting Event kennengelernt. Er überlegt sich derzeit, wie er das Konzept des Portals verändern kann, um es eventuell doch noch erfolgreich zu etablieren. Dabei möchte ich ihm auf diesem Wege helfen und meine Vorschläge zur Diskussion stellen.

Folgende Probleme sehe ich derzeit:

Der Name: Bayanoo. Meine Güte. Ich kann mir diesen Namen einfach nicht merken! Jedes mal gebe ich bei Google etwas ein, was so ähnlich klingt, bis mich die Suchmaschine auf die richtige Spur bringt. Bayanoo mag schick klingen, so richtig webzwonullig irgendwie – aber er ist grausam schwer zu merken – und das ist immer ein Wettbewerbsnachteil. “Ich würde so gerne meinen Vertrag loswerden” – “Moment, da hab ich doch letzten bei n-tv was gesehen, so ein Internet-Portal, wie hieß es gleich? Bay… irgendwas mit B.” So bieder es klingt – aber wie wäre es beispielweise einfach mit vertrag-tauschen.de? Dafür lässt sich dann auch viel leichter werben.

Innovationsführer habens schwer: Die Idee ist sicher gut. Ich glaube, dass es viele Leute in Deutschland gibt, die ihren Handyvertrag gerne vorzeitig kündigen würden. Allein, es denkt niemand daran, dass das auch wirklich geht. Niemand wird danach googeln, so lange sich die Möglichkeit noch nicht herumgesprochen hat. Die Industrie ist groß darin, Bedürfnisse zu erschaffen, die sie dann selbst befriedigt – aber ab und zu gibt es auch schon längst vorhandene Bedürfnisse, die jemand antritt, endlich mal zu befriedigen. Nur dass muss erstmal kommuniziert werden. Werbung ist teuer. Das Beste wären natürlich zufriedene Nutzer, die Bayanoo weiterempfehlen – aber hier besteht ein Henne-Ei-Problem.

 

Bayanoo will Handy-Vertragskunden mit Vertragssuchenden zusammenbringen. Aber wer will schon einen Vertrag ohne Handy?

Das Ungleichgewicht: Schon das Startbild auf Bayanoo macht das Machtungleichgewicht zwischen Vertragsinhabern und potentiellen Übernehmern von Verträgen deutlich: Verträge loswerden wollen viele, Verträge übernehmen aber wohl so gut wie niemand.

Prepaid-Taraife wie die von Congstar sind längst viel günstiger als jeder Vertrag und zudem transparenter. Wenn irgendwer heute noch einen Handy-Vertrag abschließt, dann nur wegen des Handys. Warum sollte also jemand den Vertrag eines anderen kostenlos übernehmen? Den Handy-Vertrag-Besitzern müsste eine Möglichkeit gegeben werden, den Vertragssuchenden einen Bonus dafür zu zahlen, dass er den Vertrag übernimmt. Das muss nicht unbedingt nur Geld sein. Vielleicht gibt es ja auch etwas anderes außer dem Handy-Vertrag, das der Kunde gerne loswerden würde? Hier sollte Bayanoo flexibler werden.

Der Vorteil gegenüber herkömlichen Verträgen: Nicht jeder will unbedingt immer ein neues Handy zum Vertrag. Manch einer ist mit seinem alten ganz zufrieden. Da kann es sich lohnen, statt eines neuen Handys den Wunschvertrag für Geld zu übernehmen.

Das Monetarisierungsmodell: Das Monetarisierungsmodell ist nicht schlecht. Transaction-Modelle sind die Zukunft, sind sich zumindest viele Investoren derzeit überzeugt. 5,90 Euro als Vermittlungsprovision sind auch sicher nicht zu hoch gegriffen. Nur leider wird der Betrag bereits beim Einstellen des Vertrags fällig. Sinnvoller wäre es, zunächst niemanden abzuschrecken: Bezahlt wird nur bei Erfolg.

Das Blog: Nunja, sicher kein entscheidender Faktor – aber wenn man ein Blog auf der Seite schon so prominent bewirbt, dann sollten dort auch vernünftige Inhalte zu finden sein. Das Blog jedoch fällt gleich in mehrfacher durch Unprofessionalität auf: Die Schrift ist hässlich und schwer zu lesen, die Adresse blog.bayanoo.de sähe sicher professioneller aus als eine Blogspot-Domain und zu guter letzt fehlen einfach die Inhalte. Das ist vielleicht eine Regel, die sich Unternehmen merken sollten: Wer nicht regelmäßig etwas zu verkünden hat, sollte auch kein Blog führen – auch wenn ich mir als Mitinhaber eines Blog-Anbieters damit ins eigene Fleisch schneide. 😉

Die eine oder andere Idee hat auch schon der neue Käufer. Ich hoffe jedenfalls, dass die Idee doch noch ein Erfolg wird, denn ich halte sie grundsätzlich für gut.

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4 thoughts on “Bayanoo

  1. Danke für den schönen Beitrag

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