Was Blogs nicht leisten können

Die FAZ basht die deutsche Blogosphäre – und die Szene ist erbost. Doch ist ihre Kritik so fundemental unbegründet? Es gibt Aufgabenbereiche im Journalismus, die Blogs nicht leisten können. Plädoyer für eine Arbeitsteilung der Medien.

Die FAZ ist ein traditionell konservatives Medium – da gehört ab und zu etwas Internet-Bashing dazu. Ist ja auch in Ordnung, insbesondere, wenn dir Kritik so unterhaltsam geschrieben ist:

Nervig ist auch, dass Internetfreaks sich in einer selbst angedichteten Herrlichkeit als mediale Avantgarde des 21. Jahrhunderts aufspielen und auf die traditionellen Medien herabschauen – ungefähr wie der Floh auf den Hund. Auch der holt sich seinen Content durch Saugen.

zitiert nach nice-bastard.blogspot.com

Ganz unrecht hat die FAZ dabei übrigens auch nicht: Insbesondere die deutsche Blogosphäre zeichnet sich durch offenbarende Uneingeständigkeit aus. Es werden vor allem die Themen der traditionellen Medien wiedergekäut – dieses Blog nicht ausgenommen.

Medienprofessor Clay Shirky äußerte sich dazu bereits im Elektrischen Reporter und sprach einen Punkt an, der in ganzen Debatte um “alte” gegen “neue” Medien bisher ein wenig zu kurz kam. Blogger, so seine Auffassung, können einen Teil der Aufgaben des journalistischen Systems ersetzen. Filmkritiken, Buchrezsensionen, Meinungen – all das leisten Blogger in den USA inzwischen meist besser und vielfältiger als die klassischen Medien.

Den wichtigsten Teil der journalistischen Arbeit aber können sie kaum leisten: Investigativer Journalismus, der teilweise mit monatelangen Recherchen verbunden ist. Das können nur Journalisten leisten, die für ihre aufopferungsvolle Arbeit auch anständig bezahlt werden.

Bereits jetzt ist dieser investigative Journalismus gefährdet, denn er lohnt vielfach einfach nicht mehr. Es ist einfacher und billiger, ein Medium mit Agenturnachrichten zu füllen, von anderen abzuschreiben und sich auf die Bereiche des Journalismus zu konzentrieren, die weniger recherche- und damit kostenintensiv sind. Die Klick-Fixierung der Online-Medien ist dabei alles andere als hilfreich.

Nachrichten sind ein Geschäft mit hohem Konkurrenzdruck. Redaktionen werden gestrichen und zusammengelegt, Geschichten werden nur noch dann recherchiert, wenn Kosten und Nutzen in einem vertretbaren Verhältnis zueinander stehen.

Eines der größten und angesehensten investigativen Medien – die New York Times – spürt das inzwischen schmerzlich. Der US-Tageszeitung, die viele für die beste der Welt halten, geht es wirtschaftlich schlecht. Der journalistische Aufwand, den das Blatt betreibt, steht in keinem Verhältnis mehr zu den mit Anzeigen und Abonnements erreichten Einnahmen. Der Schuldenstand beträgt inzwischen über 1,1 Milliarde Dollar. Ohne die zugekaufte Web-2.0-Website About.com sähe die Bilanz noch schlechter aus.

Aber: Ein Journalismus, der nachhakt, Skandale und Misststände aufdeckt, ist für eine demokratische Gesellschaft unverzichtbar. Der gesellschaftliche Nutzen dieser Arbeit kann gar nicht unterschätzt werden. Daher muss investigativer, skandaleaufdeckender Journalismus meiner Meinung nach als Kollektivgut begriffen werden.

Deshalb bin ich froh, dass wir in Deutschland einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben, der abseits von Kostendruck Nachrichten recherchieren kann, einfach weil sie wichtig sind. Nur so müsste die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks dann auch definiert werden. Die alte Leier von der Grundversorgung ist in Zeiten von Internet und privater Konkurrenz einfach nicht mehr zeitgemäß. Unterhaltung und Boulevard-Themen – das können die Privaten und das Internet besser.

Jedes System, das wächst und komplexer wird, zeichnet sich durch Ausdifferenzierung und Arbeitsteilung aus – das hat schon Niklas Luhmann erkannt. Warum sollte das nicht auch für die Medien gelten?

Für Deutschland wünschte ich mir eine Art BBC: Ein unabhängiger Rundfunk mit klarem investigativ-nachrichtlichen Fokus und vor allem steuer- und nicht gebührenfinanziert – denn wir alle profitieren von unabhängigen Medien, die abseits des Quotendrucks arbeiten. Am schönsten wäre dann natürlich auch noch, wenn ein so finanzierter Rundfunk dann folgerichtig auch komplett frei – das heißt kostenlos und unter freien Lizenzen – im Internet verfügbar wäre. Schließlich zahlen auch alle dafür.

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9 thoughts on “Was Blogs nicht leisten können

  1. Das können nur Journalisten leisten, die für ihre aufopferungsvolle Arbeit auch anständig bezahlt werden.

    Nicht zwingendermassen, aber da viele in Deutschland der Meinung sind, Blogger leben von irgendwasanderem™, und einen Ad-Blocker, NoScript, NoFlash und NoIrgendwasHabIchBestimmtVergessen als Grundvoraussetzung beim Surfen im Internet ansehen, beisst sich hier die sprichwörtliche Katze in den Schwanz. Wenn ein Blog für den/die Betreiber(in) genug abwirft, dass auch mal eine längere Recherche drin ist, dann würde sich auch die Themenvielfalt verbessern, oder?
    Was die BBC betrifft, stimme ich Dir voll und ganz zu; was die deutschen ÖRs veranstalten ist eigentlich nur noch peinlich. Gäbe es arte und 3sat nicht, würde es ziemlich traurig aussehen. Die BBC wird allerdings auch mit Gebühren finanziert, so ähnlich wie die ÖRs hier. Nur scheint die BBC das Geld sinnvoller einzusetzen.

  2. Wenn ein Blog für den/die Betreiber(in) genug abwirft, dass auch mal eine längere Recherche drin ist, dann würde sich auch die Themenvielfalt verbessern, oder?

    Ich muss ehrlich sagen: Dass Blogs mittels Online-Werbung für mehr als vielleicht eine kleine Handvoll Blogger mal mehr sein könnten als ein kleines Zubrot, das halte ich für illusorisch.

    Die BBC wird allerdings auch mit Gebühren finanziert, so ähnlich wie die ÖRs hier.

    Die BBC wird über Steuern finanziert, nicht Gebühren – also aus dem britischen Staatshaushalt. Das halte ich für effizienter und gerechter als der Bürokratie-Monster GEZ.

  3. Ich dachte immer, dass Captia (siehe http://en.wikipedia.org/wiki/BBC#Finance ) so etwas ähnliches wie bei uns die GEZ ist. Dass das Geld nach dem Einsammeln erst in den “Consolidated Fund” eingezahlt wird, also dann über Regierungskanäle läuft, stimmt allerdings.
    Hier ist übrigens die genaue Erklärung http://www.bbc.co.uk/foi/docs/finance/licence_fee/The_TV_Licence_Fee_Key_Facts.htm wie sich die Gebühren zusammensetzen.

  4. Ich finde die öffentlich-rechtlichen Sender besser als ihr Ruf. Sicherlich sind bestimmte Formate (z.B. Marienhof und Co) nichts Besonderes, aber nicht jeder ist nur auf Information aus. Wenn solche Formate dann laufen, dann gibts auf den anderen Sendern noch genügend zu sehen.

  5. Hat das Interview in dem Vid in München stattgefunden? Ich meine da ein gewisses Café wieder zu erkennen….
    edit: Hat sich erledigt als ich das vid weiter gesehen habe… 😉

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