Warum Japan alles richtig machte und dafür bestraft wird

Die japanische Finanzwelt ist solider aufgestellt als der Rest der Welt. In der derzeitigen Finanzkrise schadet dies dem Land aber eher, als dass es ihm nützt.

In den Devisenmärkten erleben wir derzeit massive Verwerfungen. Der Dollar hate seine seit Jahren andauerenden Verluste gegenüber dem Euro in den vergangenen Monaten zu einem guten Stück aufgeholt. Doch das ist keine Stärke des Dollars, sondern eine Schwäche des Euros, die von Angst getrieben wird, die Wirtschaftskrise könnte die Eurozone deutlich härter treffen als lange angenommen. Weltweit erleben wir derzeit aber vor allem eine erdrutschartige Verschiebung zu Gunsten des japanischen Yen.

Japans Banken haben im internationalen Vergleich relativ solide gewirtschaftet. Hintergrund ist die massive japanische Bankenkrise in den 1990er Jahren. Damals hatten japanische Banken teilweise über Jahrzehnte Bilanzen gefälscht um einer Abwertung durch Investoren zu entgehen. Die Probleme der Banken wurden somit über Jahre verschleppt. Seit dem wurden die Bilanzierungsregeln deutlich verschärft.

Unter anderem deshalb ist die japanische Finanzwirtschaft derzeit im internationalen Vergleich relativ soldide aufgestellt – nur bringt das Japan nichts, im Gegenteil: Der japanische Leitindex Nikkei fiel heute auf ein 26-Jahres-Tief.

Grund für die Panik der Anleger: Japan ist extrem exportabhängig. Die Exportwirtschaft des Landes wird nicht nur unter der kommenden Weltwirtschaftskrise leiden, sondern auch unter der derzeitigen massiven Aufwertung des Yens, so das Kalkül der Anleger. Deshalb fallen die Kurse derzeit ins Bodenlose, teilweise auf ein Niveau aus der Anfangsphase der industriellen Entwicklung des Landes.

Mit ein Grund für die derzeit historisch einmaligen Wechselkursverschiebungen ist das Auflösen von sogegannten Carry-Trade-Geschäften. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Arbitrage-Geschäft, bei dem unterschiedliche Verzinsung verschiedener Währungen ausgenutzt wird. Der Anleger nimmt in einem Land wie Japan, wo der Letzins traditionell extrem niedrig ist, einen Kredit auf, um das aufgenomme Geld in einem Land zu investieren, wo es aufgrund eines deutlich höheren Leitzinses besser verzinst wird – beispielsweise Australien, wo der Leitzins trotz Finanzkrise bei immer noch sechs Prozent liegt.

In einem perfekt funktionierenden Markt dürfte diese Anlagestrategie nicht funktionieren, da sich die Zinsdiffernz durch einen entsprechenden Kursverlust der Währung auf Null reduzieren sollte. Aber Märkte funktionieren nunmal nicht modelltheoretisch perfekt und daher waren diese Carry-Trade-Anlagen lange eine relativ sichere Strategie, um hohe Renditen zu erwirtschaften.

Nun sind Euro und Dollar durch die Finanzkrise unter Druck geraten und haben eine Flucht in den Yen ausgelöst. Die Carry-Trade-Anleger haben dadurch ein Problem: Die Gewinne durch die Zinsdifferenz werden durch die Wechselkursschwankung überdeckt, deutliche Verluste drohen. Die Folge: Carry-Trade-Anleger lösen ihre Investments massenweise auf und investieren in den als sicherer Hafen geltenden japanischen Markt – also in Yen.

Dieses Herdenverhalten führt zu einem noch deutlich stärkeren Kurgewinns des Yens gegenüber anderen Währungen als es ohne Arbitrage-Geschäfte mit Devisen der Fall wäre. Der Yen ist dadurch stark wie nie und die exportabhängige japanische Wirtschaft vielleicht schon bald am Boden. Die Kursentwicklung an Tokios Börse nimmt diese Erwartungen jedenfalls vorweg.

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6 thoughts on “Warum Japan alles richtig machte und dafür bestraft wird

  1.  ,,alles” richtig gemacht?
    Es stimmt schon. Japans Finanzwirtschaft ist deutlich vertrauenswürdiger als noch vor 20 Jahren und als die westlichen Kasino-Banker. Transparenz, Ehrlichkeit und wenige und klare Regeln schaffen dort einen deutlich besser funktionierenden Markt als bei uns.
    Allerdings sind die Probleme auch hausgemacht. Einen Zins aus ,,Traditionsgründen” niedrig zu behalten ist so ein Fehler. Ein weiterer ist es, die eigene Wirtschaft völlig vom Export abhängig zu machen.
    Es muss sich lohnen, Geld auch auf dem eigenen Markt umzuwälzen. Man streut das Risiko durch verschiedene Diversifikationsformen und man bleibt im Kopf flexibel und im Bauch hungrig – dann klappt es auch mit der Marktwirtschaft.

  2. Du hast natürlich völlig recht. “Alles richtig” bezog sich jetzt in erster Linie auf die Finanzwirtschaft.

  3. Im  Handelsblatt ist kürzlich ein recht umfangreichen Artikel zur japanischen Bankenkrise der 90er erschienen: Welke Wirtschaft

  4. Zu Carry-Trade-Geschäfen ist auch ein recht ausführlicher Artikel im Handelsblatt erschienen: Was den Euro dürckt und den Yen treibt.

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