Finanzkrise: Die Angst vor dem Bank Run

Kommt der ganze große Crash?

Ich will gar nicht groß quatschen, sondern gleich zum Punkt kommen: Die derzeitige Finanzkrise könnte zum völligen Kollaps unseren Wirtschaftssystem führen. Das unterscheidet diese Krise wesentlich von anderen Krisen der Vergangenheit, in denen viele Menschen zwar viel verloren haben aber es doch nicht zum völligen Zusammenbruch kam – und auch nie davor war. Entscheidend für die Frage, ob uns dieser völlige Kollaps bevorsteht, ist jetzt die Massen-Psychologie.

Was ist an dieser Krise anders? Kurz gesagt, handelt es sich um die tiefste Krise des globalen Finanzsystems, die diese Erde je erlebt hat. Und Funktionieren des Finanzsystems hängt die gesamte Wirtschaft ab.

Die Aktienwerte stürzen derzeit weltweit ins Bodenlose, aber das ist erstmal völlig egal, sollen die Anleger ruhig bluten. So ganz stimmt das natürlich nicht, immerhin wurde auch Einkommensschwachen jahrelang gepredigt, sie sollten privat fondgesichert vorsorgen, die staatliche Umlagefinanzierung (das einzig wirklich sichere, zumindest so lange dieser Staat existiert) würde nicht reichen etc. Aber das eigentlich Problem unserer derzeitigen Weltwirtschaft ist ein anderes: Sie basiert in jeglicher Hinsicht auf Vertrauen. Und das schwindet momentan. Die Kursstürze an der Börse sind nur ein Indikator dafür.

Ich sag es jetzt einfach mal so wie es ist: Dein Geld auf dem Konto deiner Bank ist nicht sicher. Es ist nicht nur nicht sicher, es ist einfach gar nicht da, weil es irgendwo investiert ist. Und wenn ich ganz ehrlich bin, dann muss ich dir sagen, dass es je nach Bank wahrscheinlich nicht nur irgendwo investiert ist, sondern verspekuliert wurde, sprich abgeschrieben, in faulen Krediten oder anderen Fehlinvestments.

Nur so funktioniert das ganze Bankensystem überhaupt. Zinsen kommen nicht davon, dass das Geld bei der Bank rumliegt und Staub ansetzt, die werden erwirtschaftet, indem die Bank das Geld der Kunden investiert. Soweit, so gut – das ist an sich keine schlechte Idee. Das Geld liegt nicht nutzlos rum, sondern erwirtschaftet Rendite, über die der Sparer mit Zinsen beteiligt wird. Investoren kommen so zu Krediten, können innovative Ideen umsetzen und damit volkswirtschaftlichen Nutzen bringen. Eine Win-Win-Win-Situation sozusagen.

Würden zu irgendeiner Zeit – egal ob Krise oder nicht – alle Sparer gleichzeitig an ihr Geld wollen, gäbe es immer einen Kollaps des Systems, das ist systembedingt. Zum Glück passiert das normalerweise nicht. Die Leute brauchen ihr Geld ja niemals alle gleichzeitig.

Nun haben sich einige Banken ziemlich verspekuliert und zwar so massiv, dass andere Banken ihnen nicht mehr über den Weg trauen, was die Refinanzierung verhindert. Eine Bank nach der anderen geht pleite und reißt andere Institute mit sich. Das alles wäre nicht so dramatisch, wenn da nicht ein kleines Problemchen Namens Massen-Psychologie bestände.

Die Leute beginnen ihre Sparbücher, ihre Konten usw. aufzulösen und Cash zu horten. Tresorhersteller melden schon Absatzrekorde. Das bringt auch solche Banken in Schieflage, die bisher noch völlig gesund gewirtschaftet haben. Sobald es zu den ersten größeren Bank Runs kommt, haben wir ein echtes Problem. Ich meine nicht nicht so ein Problemchen der Kategorie “Ist denn meine Altervorsorge jetzt noch sicher?”, eher ein Problem der Kategorie “OH FUCK“.

Was wir im Grunde derzeit sehen, ist ein massives Kooperationsdilemma, vielleicht das größte und fatalste in der Menschheitsgeschichte: Wenn alle nur still abwarten und ihr Geld brav bei ihrer Bank lassen, bis die Krise vorüber ist, kämen wir mit ziemlicher Sicherheit um den ganz großen Crash herum. Notenbanken und Staat würden mit Überbrückungskrediten helfen, die Banken würden sich refinnazieren, Vertrauen zurückgewinnen und so weiter – Friede, Freude, Kapitalismus.

Mit anderen Worten: Die für alle mit Abstand vorteilhafteste Lösung wäre es, jetzt einfach abzuwarten. Aber was, wenn es der Nachbar nicht tut? Bildet da sich nicht gerade schon wieder eine verdächtig lange Schlange vor dem Geldautomaten? Was ist wenn die anderen vor mir da sind und ihr Geld abholen – und wenn ich dann losgehe, ist keins mehr da? Diese Gedanken kommen bisher zum Glück nur wenigen. Aber sowas kann ganz schnell umschlagen. Der Mensch ist immer noch ein Herdentier. Sobald sich weltweit Schlangen vor den Bankhäusern dieser Welt bilden ist das globale Bankensystem binnen einem Tag völlig am Ende.

Ich bin geradezu erschrocken darüber, wie offen inzwischen auch in den Mainstream-Medien darüber gesprochen wird. Das Handelsblatt zitiert z.B. heute den CDU-Mittelstandschef Jürgen Schlarmann mit den Worten “Ich bin mir nicht sicher, ob die Garantieerklärung Frau Merkels für deutsche Bankkunden zum jetztigen Zeitpunkt eine gute Idee war. Das macht viele Menschen auf das Problem erst aufmerksam.” Jeder der rechnen kann, weiß, was diese “Garantieerklärung” bedeutet.

Solltest du jetzt also losrennen und Geld abheben, so lange es noch geht? JEIN. Ich meine, nein, bitte bitte tu es nicht. Das ist ein dringender und ernstgemeiner Appell. Individuell betrachtet ist es das natürlich das Rationalste derzeit. Kollektivrational wäre es ein Desaster.

Aber wenn die anderen vor mir da sind? Nun, wenn wir wirklich Bank Runs in dem Ausmaß erleben sollten, dass Leute nicht mehr bedient werden können, dass auch die staatliche Sicherung nicht mehr greift – dann hätte ich einen super Investmenttyp: Eine durchgeladene Ak-47, einen Dieselgenerator, Nahrungskonserven und einen Bunker. 😉

Scherz beseite: Unser Wirtschaftssystem basiert auf einer Art mehrstufiger Vertrauenspyramide. Die oberste Stufe des Vertrauens besteht darin, dass die Menschen ihrer Bank vertrauen. Nur deshalb horten sie ihr Geld nicht im Sparstrumpf zu Hause. Nur weil es Kredite gibt, kann es größere Investitionen geben. Diese erste Säule des Vertrauens ist gerade schwer angeschlagen und droht zu kippen. Manche sehnen sich offensichtlich schon nach dem totalen Untergang.

Die fundamentalere Stufe des Vertrauens sichert den problemlosen Austausch von Waren und Dienstleistungen. Es ist das Vertrauen in den Wert das Geldes an sich. Das Geld ist nur so lange etwas wert, wie der Empfänger des Geldes auch darauf vertraut, dass er jemanden findet, der das an sich nutzlose Papier ebenfalls als Zahlungsmittel akzeptiert. Das Geld ist nur so lange etwas wert, wie alle daran glauben (Fiat Money).

Die globale Geldmenge ist in den vergangenen Monaten enorm gestiegen, weil die Notenbanken rund um die Welt alles dafür getan haben, die Liquidität der Privatbanken sicherzustellen. Übrigens ist das eine Art verdeckte Steuer, die in die Berechnungen, was die Staaten die Bankenrettung kostet, bisher gar nicht einfließt. Egal wie diese Krise ausgeht, das Gespenst der globalen Inflation wird zurückkehren, da bin ich mir fast sicher. Das merkt momentan angesichts der drohenden Kreditklemme nur niemand, weil alle Cash horten wie blöde – aber der Goldpreis nimmt es vorweg.

Im absoluten worst case, den ich wirklich nicht mehr ausschließen will, bricht auch diese zweite Säule des Systems zusammen. Was wir dann bräuchten, wäre wieder eine edelmetallgedeckte Währung. Und vielleicht wäre das, so altmodisch das klingen mag, gar keine schlechte Idee.

Das Schneeball-System des Finanzmarktkapitalismus konnte auch deshalb immer weiter fortgeführt werden und sich zu einer derart großen Blase aufblähen, weil insbesondere die US-Notenbank Fed immer, wenn die Maschinerie zu stottern drohte, kräftig mit Liquidität nachgeholfen hat. Bei einer goldgedeckten Währung hätte ein Korrektur der Finanzmärkte schon viel früher stattgefunden. Das wäre schmerzlich gewesen, hätte aber den ganz großen Crash verhindert. Ob der nun kommt? Ich weiß es nicht. Eigentlich hätte ich schreiben sollen: Bleibt ruhig, es wird alles gut. Wenn das nur alle glauben, wird es zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Es basiert alles auf Vertrauen, Psychologie.

Update: Ich habe gerade die Bild-Schlagzeile von heute gesehen. Irgendeine “TV-Star”, dessen Name ich gar nicht kannte, im Liebesglück. Das kann man sich vielleicht für die Zukunft merken: Wenn die Bild-Zeitung mal keine Panik schiebt, ist es wirklich ernst. Zur Finanzkrise zitiert die Bild nur ausgerechnet den Unternehmensberater Roland Berger, der in einem SZ-Interview behauptet hat, die Finanzkrise sei bis 2010 ausgestanden.

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12 thoughts on “Finanzkrise: Die Angst vor dem Bank Run

  1. Ob es im Fall der Fälle hilft, Cash im Kopfkissen oder im Plumo zu horten, wag ich zu bezweifeln, ob man darauf besser schläft auch. Gibt es nicht in Geschichtsbüchern diese netten Bilder, wo Leute mit Wäschekörben voller Geld Lebensmittel einkaufen gehen.

  2. Das wollte ich ja mit meiner Investmentidee andeuten. 😉

  3. “Investoren kommen so zu Krediten”
    Debitoren sind die Kretidnehmer, Investoren die Geldgeber

  4. Ja, beim Kreditgeschäft. Ich meinte Debitoren, die das aufgenommene Geld dann investieren, also Unternehmer. Ich schreibe hier ja nicht für ein Fachpublikum (zumal ich selbst nicht vom Fach bin ;)). Natürlich sind im Bankegeschäft die Spareinleger eigentlich die Investoren (was vielen aber nicht klar ist).

  5. Beängstigend ist die Ratlosigkeit der Regierungen. Der 700 Mrd. Dollar US Fond, die isländiche Verstaatlichung oder auch Merkels Patronatlösung sind die besten Beweise hierfür. Das alles schaut nicht nach einem gut analysierten Lösungsansatz aus, sondern eher wie ein Dauerfeur ins Dunkle, weil man das Ziel nicht findet. Merkels Milliardengarantie kommt auch nur wie ein Lippenbekenntnis daher, da es haushaltstechnisch noch nicht verbucht wurde (und in absehbarer Zeit auch nicht wird). Das werden die Finanzlöcher von morgen sein. Das spätestens 2011 der Staatshaushalt ohne neue Schulden auskommen kann, steht dabei mehr als in Frage.
    Ich hoffe, dass der Bank Run ausbleibt und die Vorgaben für Basel I und II neu überarbeitet werden.

  6. Hi,
    ich hab immer schon in alte Rechner und Elektronik investiert.
    So nebenbei sind da auch zwei Notstromgeneratoren abgefallen und den Rest der Ausrüstung hab ich fast zusammen (nein eine Ak-47 kauf ich mir nicht) aber meinen Keller könnte man schon fast als Bunker bezeichnen. xD
    Also kauft mehr Elektronik 😉

  7. Hi,
    den Blog finde ich gut. Das Problem liegt im Finanzsystem selbst. Wenn ich Geld anlege, bekomme ich Zinsen von der Bank. Dieser Betrag wird von der Bank als Kredit zu höheren Zinsen wieder verliehen. Von der Differenz lebt die Bank. Das geliehene Geld fließt als Investment (Maschinen, Güter oder privater Konsum) wieder in die Wirtschaft zurück. Dadurch wird einerseits das Bruttosozialprodukt erhöht und Arbeitsplätze geschaffen. Das so verdiente Geld fliesst zum Teil wieder zur Bank zurück, Wohlstand wird so vermehrt. Diesem System zugrundeliegend ist das beständige Wachstum. Ein Hacken dabei ist jedoch: Dem Wachstum stehen gleich große Schulden gegenüber. Um diese Schulden zu bedienen, muß das Wachstum immer stärker werden, da die Motivation, sein Geld der Bank anzuvertrauen die Zinsen sind und Darlehenszinsen immer größer als Sparzinsen sind. Im Ergebnis führt diese Eigenschaft zu einem exponententiellen Wachstum. In der realen Welt endet exponentielles Wachstum  immer in einer Explosion, da die Resourcen beschränkt sind. Immerwährendes Wirtschaftswachstum führt zu einem exponentiellem Verbrauch von Resourcen (Energie, Rohstoffe, wie Aluminium, Kupfer Stahl, Landverbrauch usw.) Die Erde als System ist jedoch für materielle Rohstoffe begrenzt.
    Diese Beschreibung oben ist natürlich stark vereinfacht, beschreibt aber im wesentlichen den Mechanismus. Psychologie spielt in der Finanzwelt eine große Rolle, diese Krise nur dadurch erklären zu wollen, trifft nicht den Kern der Sache. Die aufgetürmten Schulden sind zu hoch geworden. Ein geschlossenes System sucht immer den Ausgleich. Es ist nicht möglich, immerwährend “Wohlstand zu borgen”, also immer nur auf Pump zu leben. Anders ausgedrückt: Jede Rechnung muß irgendwann bezahlt werden. Würde unser Finanzsystem und der Euro schon tausend Jahre existieren und mein edler Vorfahre Ritter Juppaldo hätte einen Cent (mühsam erspart oder erräubert) für 4% angelegt und ich als Nachfahre würde nun meinen Tribut einfordern, so müßte die Bank (sie tut mir leid) einen Betrag auszahlen, welcher dem Wert eines Goldklumpen in Erdgröße entspricht. (Zins und Zinseszinseffekt). Somit ist klar, dass das Papiergeldsystem zyklisch zusammenbrechen muß, um alle Schulden und Guthaben auf reale Werte zu nivellieren.
    Für meinen Teil habe ich mein Bargeld (M0) von der Bank abgehoben, da ich denke, dass in einer globalen Deflation das Buchgeld (M3) verbrannt wird. Wenn ich mich irre, dann ist der Schaden auch nicht so groß. Dann zahle ich ebeb wieder ein.

  8. Es geht dem Ende entgegen. Also dem Ende des derzeitigen globalen Wirtschaftssystemes…zumindest dessen,was wir bisher so kannten. Wenn ein Land wie Island Banken verstaatlicht, die 12 mal mehr Schulen haben, als Island in einem Jahr erwirtschaftet, dann kann man sich unschwer vorstellen was kommen möge, wenn in Deutschland unsere 3 großen Banken Probleme bekommen. In USA, Spanien, Italien, England usw. überall das gleiche Bild.
    Ich denke, dass der Währungsschnitt eher kommt, als wir uns vorstellen.
    Interessente Seiten dazu:
    http://www.goldseiten.de
    http://www.hartgeld.com
    http://www.weissgarnix.de
    http://www.silberknappheit.de
    http://www.dasgelbeforum.de.org
     

  9. “Ich will gar nicht groß quatschen” Wirklich nicht? 🙂
    Interessanter Ansatz für das Problem. Danke!
    Habe leider keinen Durchblick und kann nicht mitreden.  
    Cooles Update! Werde jetzt immer die Bild-Zeitung checken. Wenn krasse Schlagzeilen am Start sind, ist alles in Ordnung 😉

  10. Nur so funktioniert das ganze Bankensystem überhaupt. Zinsen kommen nicht davon, dass das Geld bei der Geld rumliegt und Staub ansetzt, die werden erwirtschaftet, indem die Bank das Geld der Kunden investiert. Soweit, so gut – das ist an sich keine schlechte Idee.

    wie währ’s einfach die wahl zu lassen:wer sicherheit will lagert das geld oder lässt es lagern (bank), wer zinsen will verleiht es oder lässt es verleihen (kreditinstitut). ganz einfach, keine doppelexistenz, keine inflation.

    Wenn alle nur still abwarten und ihr Geld brav bei ihrer Bank lassen, bis die Krise vorüber ist, kämen wir mit ziemlicher Sicherheit um den ganz großen Crash herum. Notenbanken und Staat würden mit Überbrückungskrediten helfen, die Banken würden sich refinnazieren, Vertrauen zurückgewinnen und so weiter – Friede, Freude, Kapitalismus.

    wie soll das gehen? staatsgestützte kreditinstitute finanzieren sind hauptsächlich davon fremdes geld zu verleihen, das ist ein elementares geschäftsmodel. wenn sie dieses modell verwerfen müssten sie ihr geld ehrlich verdienen und eine refinanzierung würde.. ehm.. dauern.man könnte siocherlich auch die direkte umverteiling von unten nach oben gutheißen.
    das sinnvollste zu dem man raten kann ist friedlich zu breiben, sich gegen gewalt zu engagieren, alternative strukturen aufzubauen und sich nicht länger auf staaten einzulassen.

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