Das Handelsblatt und die Blogs

Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!

Die alten Medien und das Internet – es ist und bleibt eine Hassliebe. Einerseits lässt kein Verlagshaus irgendetwas unversucht, um besonders modern und offen zu wirken – andererseits können sie einfach nicht von dem Gedanken lassen, alles kontrollieren zu wollen.

Das Handelsblatt war immer ganz besonders eifrig im sich modern und internet-affin geben – und das nicht unerfolgreich. Unter den zahlreichen Handelsblatt-Blogs gibt es mit Thomas Knüwers Indeskredition Ehrensache immerhin ein Blog, das richtig erfolgreich ist, in jeder Hinsicht.

Gerne lässt sich Thomas Knüwer darüber aus, dass andere Verlagshäuser das Internet noch nicht verstanden hätten. Lieblingsfeind: Süddeutsche. Nun hätte er allen Grund, den ungeschickten Umgang des eigenen Verlagshauses mit dem Internet zu thematisieren – und lässt es. Doch dafür brodelt die Blogosphäre.

Was ist passiert? Der Berliner Wirtschaftsprofessor Harald Uhlig hat im Auftrag des Handelsblatts einen Makroökonomie-Blog geführt, in dem er aktuellen makroökonomischen Entwicklungen seine Interpretation der Ereignisse gab. Da durfte die aktuelle Finanzkrise natürlich nicht fehlen. Deren mögliche Auswirkungen beschrieb er in drastischen Worten – mit dem indirekten Rat, das Geld abzuheben, sollte man Kunde gewisser Banken sein. Harter Stoff – doch ein Grund, den Blog-Eintrag zu löschen?

Don Alphonso griff den Vorfall als erster auf und seit dem geht es rund in der Blogosphäre, bishin zu absurden Vergleichen mit China und anderen Diktaturen. Über den Inhalt des Artikels lässt sich sicher streiten. Aber was hat die Löschung nun bewirkt? Ein Blog-Artikel, den unter normalen Umständen vielleicht ein paar Hundert Makroökonomie-Interessierte gelesen hätten (Prof. Uhligs Blog war bei weitem nicht so erfolgreiche wie beispielsweise Thomas Knüwer), wird nun berühmt – und das Handelsblatt hat ein Image-Problem.

Wäre es da nicht geschickter gewesen, Herr Ziesemer, man hätte eine Gegendarstellung des Handelsblatts daruntergesetzt oder einfach nur den Satz “Dies entspricht nicht der Meinung des Handelsblatts”?

Übrigens: Auch wenn Thomas Knüwer den Vorfall in seinem Blog selbst nicht thematisiert, seine Leser tun es. So ist das eben mit Blogs, Kommentaren und offener Kommunikation …

Aus eigener Erfahrung kann ich übrigens sagen: Vorzensur gibt es bei den Handelsblatt-Blogs nicht. Mein Apple-Rant wurde sofort online gestellt, da hat nicht mal wer auf Rechtschreibfehler gegengelesen. 😉

Update: Jetzt gibt es doch noch einen Blog-Eintrag von Knüwer dazu.

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7 thoughts on “Das Handelsblatt und die Blogs

  1.  
    Am vergangenen Sonntag wurde auf Veranlassung der Handelsblatt-Chefredaktion der Beitrag „Die Welt-Finanzkrise: was ist los mit Commerzbank, Dresdner Bank, UBS und Fortis?“ aus dem Handelsblatt-Blog von Harald Uhlig entfernt.
    Uns ist bewusst, dass dies einen tiefgreifenden Eingriff in das Blog von Herrn Uhlig darstellt.
    Grund für unsere Entscheidung war die Befürchtung, dass der Blog-Beitrag von Herrn Uhlig in der Öffentlichkeit irrtümlich nicht als die persönliche Meinung eines Wissenschaftlers, sondern als redaktioneller Beitrag des Handelsblatt wahrgenommen werden könnte und der Eindruck entsteht, das Handelsblatt rufe zu einem „Run“ auf die Commerzbank und andere Finanzhäuser auf.
    In einer Situation, die ohnehin sehr fragil ist, wollten wir jedes Risiko ausschließen, durch missverständliche Äußerungen eine Panik in der deutschen Finanzindustrie zu verursachen. Dies haben wir höher bewertet als die Meinungsfreiheit unseres Bloggers.
    Wir bitten Herrn Uhlig und unsere Leser dafür um Verständnis.
    Bernd Ziesemer & Sven Scheffler
     

  2. soo, ich war brav 🙂
    http://sofias.soup.io/post/5741641/Wenn-Sie-ein-gr-sseres-Konto-bei
    (hoffentlich wird es oft gerepostet)

  3. Naja, sehen wir mal das Positive: Obwohl es sich bei Uhligs Beitrag inzwischen um einen der bekanntesten Blog-Einträge Deutschlands handeln dürfte, gabs immer noch keinen Bank Run auf die dort genannten Institute. Vielleicht die Macht von Blogs auch immer noch überschätzt …
    Warten wir, bis Spiegel Online die Geschichte aufgreift. 😉
    Update: Okay, jetzt gibt es keinen Grund zur Panik mehr.

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