Netzwerkökonomie: Verstaatlicht eBay!

Das Internet ist geprägt durch Netzwerkökonomien. Eine Netzwerkökonomie zeichnet sich dadurch aus, dass sie um so profitabler wird, je mehr Mitglieder sie besitzt.

Beispiel eBay: Zunächst ist es für jeden Teilnehmer der Netzwerkökonomie positiv, das Netzwerk zu erweitern. Je mehr Bieter vorhanden sind, desto attraktiver für denjenigen, der etwas verkaufen will und je mehr Anbieter vorhanden sind, desto besser für die Bieter. Die Auswahl an Angeboten wächst, je größer das Netzwerk, desto realistischere und fairere Marktpreise werden erzielt.

Niemand würde eine andere Plattform als eBay wählen, um ein Produkt zu versteigern, weil er weiß, dass er dort die meisten potentiellen Interessenten findet. Und niemand würde als Bieter auf einer anderen Plattform als eBay ein Produkt suchen, weil er weiß, dass er hier das größte Angebot findet. Das alles ist zunächst sehr positiv, man nähert sich insbesondere durch die große Transparenz auf beiden Seiten dem modelltheoretischen homo oecomicus, der frei in einem fast perfektem Markt agiert.

Das Problem: Während der Markt innerhalb des Netzwerks schon beinahe zur modelltheoretischen Perfektion neigt, funktioniert er auf Meta-Ebene – also zwischen verschiedenen Netzwerken – langfristig gar nicht. Sowohl Bieter als auch Anbieter werden abhänig von eBay. Das Unternehmen besitzt ein Quasi-Monopol im Bereich der Internet-Auktionen. Da die Attraktivität einer Online-Handelsplattform für Bieter mit der Zahl der Anbieter und für Anbieter mit der Zahl der Bieter wächst, ist eBays enormer Vorsprung vor allen anderen Auktionsbörsen nicht mehr aufzuholen. Es fehlt also an einem Markt der Online-Auktionsplattformen und dieser wird auch niemals entstehen.

Dadurch ist es für eBay nicht nur möglich, langfristig die Gebühren weiter zu erhöhen und damit übertriebene Margen für eine eigentlich sehr einfach zu erbringende Dienstleistung zu verlangen, weil es an Konkurrenz fehlt. eBay hat auch die Möglichkeit, sein Monopol im Bereich der Online-Auktionen auf andere Bereiche auszudehnen. Genau das passiert gerade in den USA. Dort will eBay nämlich Überweisungen zur Bezahlung von Artikeln verbieten. Stattdessen werden die eBay-Nutzer dazu gezwungen, den eigenen Online-Bezahldienst PayPal zu nutzen. Besonders pikant: Googles und Amazons PayPal-Alternativen werden nicht erlaubt.

Andere elektronische Bezahlsysteme wie Checkout by Amazon oder Google Checkout will eBay nicht zulassen, schließlich handele es sich bei den dahinter stehenden Unternehmen ja um direkte Konkurrenten.

Etwas ähnliches erleben wir gerade bei Apples iPhone. Apple nutzt die Marktmacht im Bereich des beliebten Smartphones, um mit dem Appstore die einzige legale Plattform für iPhone-Applikationen zu schaffen. Doch nicht nur das: Apple nutzt dieses Monopol sogar dazu, Programme, die zu eigenen Anwendungen in Konkurrenz stehen, einfach nicht zuzulassen.

Besonders ausgeprägt sind Netzwerkökonomien im Bereich sozialer Netzwerke wie Facebook, Xing oder StudiVZ. Ihr wichtigstes Kapital sind die Nutzer. Je mehr Nutzer sich auf der Plattform tummeln, desto attraktiver wird das Netzwerk auch für neue Nutzer. Es beginnt ein unumkehrbarer Konzentrationsprozess. Für Geschäftskontakte gibt es in Deutschland beispielsweise keine reale Alternative zu Xing – und das nutzt das Unternehmen weidlich aus. Wer sonst könnte beispielsweise ernsthaft Geld dafür verlangen, dass man anderen Nutzern Nachrichten schreiben darf, die über 128 Zeichen hinaus gehen?

Eines scheint klar: Mit dem Internet sind neue Formen von Netzwerkökonomien entstanden, die neue kartellrechtliche Regeln erfodern, da diese Netzwerkökonomien zu schnelleren und festeren Quasi-Monopolbildungen neigen als je zuvor in der Old Economy.

Wie diese Regeln aussehen sollten, ist aber schwer zu sagen. Ich glaube, dass gewisse Dienstleistungen im Netz, wie soziale Netzwerke und Handelsplattformen, am besten und effizientesten tatsächlich staatlich bereitgestellt werden müssten. Ein radikaler Gedanke, zumal ich sonst kein Fan von Verstaatlichungen bin. Aber in diesem Fall sehe ich langfristig keine wirkliche Alternative, da bei Netzwerkökonomien einfach keine funktionierenden Märkte entstehen.

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15 thoughts on “Netzwerkökonomie: Verstaatlicht eBay!

  1. meine güte dön, kulturpessimismus steht dir echt nich..

    Es fehlt also an einem Markt der Online-Auktionsplattformen und dieser wird auch niemals entstehen.

    wie bei icq und windows und google und mp3 und überhaupt! es gibt keine alternativen! wenn man nicht bald alle webserver verstaatlicht gibts da bald nurnoch monopole überall! erm… ja
    es ist einfach widersprüchlich einesrseits dem innenleben von ebay nahezu modellhaften marktcharakter zuzuschreiben aber es völlig auszuschließen das ebay selbst einmal konkurrenz bekommt. ich würde mir wünschen das man wenigtens sagt warum das angeblich so sein soll wenn man schon zu dermaßen rabiaten maßnahmen greifen will..
    das freie “auktionhaus für zuhause”, und die offenen schnittstellen und net-of-trust-verschlüsselung mag noch nicht existieren, aber poteniale sind doch zweifellos da. zuerst vielleicht nur für cypherpunks dann für schwarzhändler und kubaner und zensierte chinesen. ist doch ein guter anfang..
    sicher wird sich dann nicht jeder market-node mit jedem connecten wollen, aber ich glaub ebay würde sich nicht ewig da raus halten würden.. wiebei so vielen anderen webstandarts..
    also kopf hoch und lang lebe die gegenwirtschaft 😉

  2. Genau das passiert gerade in den USA. Dort will eBay nämlich Überweisungen zur Bezahlung von Artikeln verbieten. Stattdessen werden die eBay-Nutzer dazu gezwungen, den eigenen Online-Bezahldienst PayPal zu nutzen. Besonders pikant: Googles und Amazons PayPal-Alternativen werden nicht erlaubt.

    Dazu muss man sagen, dass sich die Aussage “Ebay verbietet Überweisungen” ersteinmal lächerlich anhört. In den USA gibt es praktisch keine Überweisungen. Gelder werden üblicherweise per Scheck oder Money Order transferiert. Selbst Gelhaltszahlungen geschehen über Lohnschecks und das nicht nur bei kleinen Klitschen, sondern bei praktisch allen Unternehmen.
    In diesem Licht betrachtet sieht das Verbot von anderen Zalungsmethoden ausser Paypal etwas anders aus. Keine Frage, das Ausboten alternativer Anbieter ist ein starkes Stück. Doch besser wäre es, wenn die amerikanischen Banken endlich ein ordentliches System zur Überweisung von Geldern von Einem auf ein anderes Konto installieren würden…

  3. ich würde mir wünschen das man wenigtens sagt warum das angeblich so sein soll wenn man schon zu dermaßen rabiaten maßnahmen greifen will..

    Ich dachte, das hätte ich schlüssig dargelegt. Wo würdest du denn deine Briefmarkensammlung versteigern?

  4. Wo würdest du denn deine Briefmarkensammlung versteigern?
    sobald ich etwas von einer freien alterative hören würde, währe ich sehr interessiert, und würde wohl auch kleine schnitzer verschmerzen (die erfahrung hat mit gezeigt das ein bisschen nerd-idealismus sich längerfristig auszahlt).wobei meine eine briefmarke die bei mir rumliegt eher nicht der rede wert ist 😉
    was du beschriebben hast war im wesentlichen das typische mainstream problem: alle benutzen windows, alle hören auf ipods, alle spielen nintendo, kennt man ja..warum willst du die nicht verstaatlichen? warum gerade einen angelpunkt des handels?
    überhapt hast du kaum gesagt welchen vorteil denn bitte eine verstaatlichung hätte, und die unzähligen nachteilen und gefahren.du scheinst einfach zu glauben das das gewaltmonopol schon seinewege findet, währe auch schlimm wenn nicht.ich glaube auf viele etatisten und semi-etatisten haben vielleicht weniger angst vor ihren mitmenschen sondern davor einen staat zu bezahlen der vielleicht so garnicht notwendig währe.ihnen erscheinen ihre mitmenschen nicht so als ob man sie ständig mit dem gefängnis bedroht werden müssten, aber es muss einfach unfähige, dumme, gewaltbereite menschen geben bei denen eine gewaltfeindliche gesellschaft nicht ausreicht und die man bei bedarf härter bestrafen muss als sie gefährlich sind.und wenn es solche menschen gibt dann kann man sie wahrscheinlich nicht einmal frei handeln lassen.

  5. Das stimmt natürlich alles was du dort beschreibst, solche “Winner-takes-it-all”-Märkte werden ja schon seit den späten 90ern im Internet beobachtet.
    Und nicht nur dort, zum Beispiel gibt es auch beim privaten Fernsehen ähnliche Konzentrationstendenzen, da auch hier (theoretisch) gilt: Je mehr Leute meine Sendungen sehen, umso teurer kann ich meine Werbung verkaufen, umso bessere Sendungen kann ich einkaufen, und das bringt mir wieder mehr Zuschauer.
    Ähnlich verhält es sich mit dem Zeitungsmarkt, wo das ganze dann “Anzeigen-Auflagen-Spirale” heißt: Schreibe ich schlechtere Artikel als die Konkurrenz, kaufen weniger Leute mein Blatt, weniger Werbeeinnahmen, dadurch kann ich nur noch schlechteren Inhalt bieten, die Leser bleiben aus etc.
    Man kann dann nur hoffen, dass sich irgendwann durch aufstrebende Konkurrenz ein Oligopol bildet, was aber beim Beispiel eBay noch lange lange auf sich warten lassen dürfte.
    Beim auch immer hart umkämpften Instant Messenger-Markt siehts zum Beispiel (meiner bescheidenen Einschätzung nach) noch recht rosig aus: ICQ, MSN, Jabber, YIM, auch Skype oder neuerdings Facebook mischen da noch zu unterschiedlich großen Teilen mit. Auch der Browsermarkt erlebt, langsam aber sicher, eine Abkehr vom IE-Monopol.
    Die Verstaatlichung eines ausländischen Konzerns könnte darüber hinaus schwierig werden 😉

  6. verstaatlichung würde aber nicht das monopol brechen, im gegenteil. es würde ausserdem jeder gezwungen werden, die gebühren zu zahlen, auch wenn man den dienst gar nicht nutzt. genauso wie man jetzt schon für irgendwelche leute fußball und dumme telenovelas auf ard und zdf finanzieren muss.
    und man darf sich dann wie seinerzeit bei der post und bahn mit arroganten beamten rumärgern. bei der anmeldung eines neukunden muss man dann wahrscheinlich ein formular ausfüllen (mit der neuen super-steuernummer natürlich) und seine gesamten einkünfte offenlegen, briefe und mails von ebay würden dann immer enden in “wenn sie nicht in 5 tagen antworten werden wir sie nach §12345 in den knast stecken” und “dieses schreiben braucht keine unterschrift um gültig zu sein, aber wenn sie mal ihre unterschrift vergessen, dann stecken wir sie in den knast.” zensur und verbot von bestimmten artikeln wird auch verstärkt, gibts bei ebay zwar schon, aber da findet sich bestimmt ein mutiger innenminister der sich sagt “das kann ich aber besser!” und in dem neu geschaffenen ebay-rat (analog zum rundfunk-rat) müssen unbedingt zwei vertreter der kirche rein, um die moralische reinlichkeit zu wahren. und vielleicht spricht die bundesregierung ja dann nochmal die leute an, die das webportal der arbeitsagentur programmiert haben um ebay nochmal einen neuen schliff zu geben (wer das kennt weiß was ich meine) – natürlich zum doppelten preis, zahlt man ja nicht selber.
    oder hat hier irgendwer mal positive erfahrungen mit irgendwas verstaatlichtem gemacht?

  7. oder hat hier irgendwer mal positive erfahrungen mit irgendwas verstaatlichtem gemacht?

    Unsere Straßen und Autobahnen zum Beispiel? Die sind ja auch nur eine Infrastruktur, die u.a. für einen funktionierenden (Offline)-Markt unerlässlich ist.

  8. Unsere Straßen und Autobahnen zum Beispiel?

    3 sachen noch zu diensem punkt:

    es ist imo kaum festzustellen wie deregulierter straßenbau aussähe, oder gibt es da beispiele?
    autos sind scheiße und stinken. durch den steuerfinanzierten straßenbau sind andere verkehrswege (und der nicht-verkehr) im nachteil.
    die mautbrücken waren auch nur zur mauteintreibung da, richtig?

  9.  Wie will man eigentlich eine internationale Auktionsplattform verstaatlichen? Man könnte sie allerhöchstens der UN unterstellen oder sowas.

  10. was du beschriebben hast war im wesentlichen das typische mainstream problem: alle benutzen windows, alle hören auf ipods, alle spielen nintendo, kennt man ja..warum willst du die nicht verstaatlichen? warum gerade einen angelpunkt des handels?

    Na, eben nicht. Das ist doch der Punkt.Es kann immer jemand mit einem besseren Produkt um die Ecke kommen und Nischenmärkte existieren in all diesen Bereichen ebenfalls.Außerdem ist bei all diesen Produkten, die du da aufgelistet hast, ein Nachfolgeprodukt schon vorprogrammiert, d.h. zum Launch des Nachvollgers kann sich die Käuferschicht überlegen, ob sie nicht doch mal zu Sega, Sony oder sonstwas wechselt.
    Ebay ist eBay und bleibt auch eBay. Es kommt kein “eBay 2” oder ähnliches, die Kunden bleiben seit Jahren erhalten, müssen sich nicht neu registrieren, eine neue Zugangssoftware kaufen oder sich anderweitig umsehen.
    Da sich eBay auch gar nicht signifikant weiterentwickeln muss (hat sich der Trödelmarkt ja seit den Anfängen quasi ebenfalls nicht), stellt sich eben auch die Frage, was ein alternativer Anbieter überhaupt leisten soll. Wie soll er das bestehende Netzwerk auflösen um konkurrieren zu können?
    Viel besser kann man das Konzept ja nicht machen — und viel wichtiger: die Leute sind ja (noch) nicht unzufrieden.Die Verkaufsprovision liegt im Rahmen und den Ärger, den ich mit schlechten Partnern habe, kann mir eine andere Plattform auch nicht nehmen (was nicht heißt, dass eBay nicht verbesserungswürdig sei).

    Wie will man eigentlich eine internationale Auktionsplattform verstaatlichen?

    Ich halte diese Idee ebenfalls für illusorisch aber ein staatlicher — oder zumindest NPO — Gegenentwurf wäre hier eine Möglichkeit.Mit wirtschaftlichen mitteln ist Plattformen wie eBay nicht (mehr) entgegenzutreten aber eine Handelsplattform mit geringen Gebühren, dafür aber besseren Schutz der Handelspartner wäre schon eine Idee.
    Fraglich ist nur, warum das zum jetzigen Zeitpunkt so erstrebenswert sein soll.
    P.S. noch ein Hinweis: das Beispiel mit der Briefmarkensammlung ist äußerst schlecht gewählt, da sich für Sammlerstücke immer ein Nischenforum finden lässt, sein Hab und Gut an den Mann zu bringen. U.U. ist eBay in solchen Fällen sogar die schlechtere Variante. Interessant wird es eben bei dem ganzen alltäglichen Plunder, den man einfach nur loswerden will.
    P.P.S. ich hab letztens was auf http://www.hood.de gekauft. (Allerdings zum Festpreis und auch nur, weil ich das nicht auf eBay finden konnte ;-))

  11. Ach du schande, worauf hab ich denn hier geantwortet? Und dann auch noch so lang…
    Dachte irgendwie das sei ein aktueller Eintrag gewesen. Ich muss weg.

  12. Macht ja nichts, ich habs trotzdem mit Genuss gelesen. 😉

  13. stellt sich eben auch die Frage, was ein alternativer Anbieter überhaupt leisten soll.

    meine idee währe ja ein freier standart für netzmärkte: angebote eines anbieters stehen offen (oder verschüsselt) al xml-irgendwas bereit und werden aggregiert und per produktsuche gefiltert.das kann sich ein interessent sich per open-id authentifizieren und das produkt kaufen, bzw ein gebot machen.sobald das angebot zu stande gekommen ist können über einen verschlüsselten kanal adressen ausgetauscht werden und der geld- und warentransfer kann beginnen. bei bedarf kann die transaktion von einer drittstelle bestätigt werden, und nach abschluss der transaktionen ein rating des anbieters (oder des nachfragers) gemacht werden.
    und um nochmal näher an das urprungsthema zu kommen: spätestens mit diesem standart währen alle webshops konkurrenz für ebay, denk an amazon oder die unzählbaren kleinen shops, die vielleicht nur ein softwareupdate brauchen..und das etwas nur für direktkauf, aber nicht für auktionen funktioniert halte ich für ziemlich zweifelhaft.

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