Was mich als Liberaler an den Libertären stört

Der Libertarismus ist eine vor allem in den USA verbreitete politische Ideologie, die vorgibt, sich konsequent für die Freiheit des Einzelnen einzusetzen und dabei im Extremfall jeglichen staatlichen Zwang ablehnt.

Auch in Deutschland gibt es insbesondere seit den späten Neunziger Jahren eine kleine libertäre politische Szene, die sich beispielsweise um das Magazin eifrei gruppiert, das von dem auch unter Libertären umstrittenen André F. Lichtschlag herausgegeben wird. Auch innerhalb der FDP existiert eine sogenannte Libertäre Plattform.

Ausgehend von einem Blog-Artikel von sofias zum Begriff wirtschaftsliberal, habe ich mal kurz und knapp zusammengeschrieben, was mich an der radikalen Laissez-faire-Position des Libertarismus grundsätzlich stört.

Sofias beschreibt zunächst, warum Libertäre den Begriff wirtschaftsliberal ablehnen:

“wirtschaftsliberal” ist eindeutig ein unliberaler begriff weil er den unliberalen maßtab “wirtschaft” enthält.
politisch zwischen “wirtschaft” und “unwirtschaft” zu unterscheiden kann nur das ziel haben, zwang auf einen von beiden bereichen zu dulden.

Meiner Meinung nach ist es aber durchaus sinnvoll, verschiedene liberale Positionen zu differenzen. Denn wenn es sicherlich auch das Ziel eines jeden Liberalen ist, die persönliche Freiheit des Individuums zu maximieren, so bestehen eben doch Unterschiede in zwei wesentlichen Punkten:

1. Der Defintion von Freiheit

2. Dem präferierten Weg, diese Freiheitsdefinition zu realisieren

Kritik am negativistischen Freiheitbegriff

Ich persönlich halte eine positivistische Defintion von Freiheit für sinnvoll. Das bedeutet, dass ich davon ausgehe, dass Freiheit mehr bedeutet, als das Nichtvorhandensein von Verboten und direkt sichtbarem Zwang.

Die libertäre Position ist meiner Meinung nach extrem idiologisch und dogmatisch. Den Grund hierfür sehe ich in dem rein negativistisch definierten Freiheitsbegriff (“Alles, was nicht verboten ist, ist erlaubt”). Damit wird viel von dem, was reale Freiheiten und Unfreiheiten ausmachen (Chancen, Bildung, Wohlstand auf der einen und z.B. Armut auf der anderen Seite) einfach ignoriert.

Reale Freiheit bedeutet in der Realität nunmal nicht nur, dass mir etwas nicht verboten ist zu tun, ich muss auch die Möglichkeit dazu haben. Dem hungernden Kind in der Dritten Welt verbietet niemand aktiv, Millionär zu werden. Die Chancen dieses Kinds sind dennoch äußerst gering. Das ist real existierende Unfreiheit, die nicht ins ideologische Korsett der Libertären passt.

Ausgehend von der rein negativistischen Position wird das Dogma des absoluten Nichteingreifens postuliert, das a priori und damit unabhähig von den jeweiligen Gegenbenheiten durchgesetzt werden muss. Es wird schlicht negiert, dass es auch Situationen geben kann, in denen Regulation mehr Freiheit bedeutet als Deregulation. Die Realität wird verleugnet, um eine eine extreme und wirlichkeitsfremden Ideologie zu erhalten.

Deshalb kann es meiner Meinung nach eben durchaus liberal sein, um auf sofias Eingangsbemerkung einzugehen, Formen des Zwangs im Bereich der Wirtschaft zu dulden, um die Freiheit von Individuen zu vergrößern. Daher ist es meiner Meinung nach auch legitim, wenn ich als selbsternannter Liberaler Laissez-faire-Kapitalisten als wirtschaftsliberal bezeichne. 😉

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13 thoughts on “Was mich als Liberaler an den Libertären stört

  1. Guter Punkt. Subjektiv gesehen gefällt mir die positive Freiheitsdefinition besser. Aber sie ist nicht Fakt, richtig? Und dem Wort nach ist es ein negatives Wort. “Frei” von etwas sein meint nun einmal dem etwas nicht zu unterliegen.

  2.  
    erstmal nur ein paar randbemerkungen

    die sich beispielsweise um das Magazin eifrei gruppiert

    nicht nur Lichtschlag sonder auch seit längerem sein magazin gelten unter meinen lieblingslibertären von paxx als eher rechts und ‘vulgärlibertär’.als drittes interesessantes beispiel möchte ich mal Stefan Blankertz, der vor allem in der Freiheitsfabrik bloggt, erwähnen.

    Sofias beschreibt zunächst, warum Libertäre den Begriff wirtschaftsliberal ablehnen:

    ich behaupte nicht für libertäre sprechen zu können, ich selbst benutze dieses wort so gut eigentlich nie für mich. eher markt-anarchist, oder eben meine wortschöpfung “konsensradikal”.

  3. Guter Punkt. Subjektiv gesehen gefällt mir die positive Freiheitsdefinition besser. Aber sie ist nicht Fakt, richtig?

    Naja, Sprache ist lebendig. Wie Worte definiert sind, ist niamals “Fakt”, sondern unterliegt natürlich einem ständigen Wandel, weil die Menschen selbst den Worten ja ihre Bedeutung geben.
    Wie das Wort Freiheit nun definiert ist, entscheidet natürlich letztlich jeder für sich selbst. Aber du hast schon recht, die meisten denken wohl eher zunächst intuitiv an eine negativistisch definierte Freiheit.
    Aber selbst wenn man sich darauf einlässt, Freiheit tatsächlich nur als die Abwesenheit von Zwang zu definieren, so gibt es doch eine Menge Zwänge, die nicht von staatlicher Seite ausgehen. Unterlagen die Industriearbeiter des 19. Jahrhunderts, die 100 und mehr Stunden in der Woche zu Hungerlöhnen arbeiteten, nicht gerade deshalb Zwängen, weil der Staat keinen Zwang ausübte?
    Aber letztlich ist es ja auch egal, wie man es nennt, so lange man überzeugt davon ist, dass man sich für das Richtige einsetzt. Dann kann man es ja auch beispielsweise Wahlmöglichkeiten nennen.

  4. Die positivistische Defintion von Freiheit hört sich echt interessant an. Nur passen Freiheitskonzepte von Chancengleichheit durch soziale Unterstützung eher ins linke Parteispektrum. Oder man müsste eine völlig neue Richtung einschlagen… die Sozial-Liberalismus oder so…
    Ich sehe das liberale Wirtschaftssystem allerdings als gescheitert an, was sich auch wieder an der aktuellen Krise bestätigt. Die Banken predigen Deregulierung, “Der Markt regelt sich selbst”, und wenn es bergab geht jammern sie und betteln beim Staat um Unterstützung. Nur zu klischeehaft kommt der Steuerzahler dann dafür auf… Mit Risiko hohe Gewinne einstreichen und Verluste dann aber auf andere abwälzen. Ein tolles System.
    Wenn der Gesallschaftsvertrag die Gesellschaft dazu verpflichtet für Banken aufzukommen, wenn diese mit ihren Verlusten die gesamte Wirtschaft gefährden, dann sollten diese Banken auch entsprechend in die Pflicht genommen werden und sich Regeln der Gesellschaft unterwerfen. Das wäre natürlich eine stabile wirtschaftsfördernde Kapitalpolitik im Interesse der Gesellschaft und keine Risikozockerei.
     

  5. Oder man müsste eine völlig neue Richtung einschlagen… die Sozial-Liberalismus oder so…

    Das ist nichts völlig neues, meines Erachtens ist Sozialliberlismus oder auch Linksliberalismus das, was dem Liberalismus vom Ideal her am nächsten kommt, da er meiner Meinung nach am ehesten die größtmögliche Freiheit für die größtmögliche Anzahl bedeutet.

    Die Banken predigen Deregulierung, “Der Markt regelt sich selbst”, und wenn es bergab geht jammern sie und betteln beim Staat um Unterstützung. Nur zu klischeehaft kommt der Steuerzahler dann dafür auf… Mit Risiko hohe Gewinne einstreichen und Verluste dann aber auf andere abwälzen. Ein tolles System.

    Stimmt. Allerdings kritisieren gerade viele Wirtschaftsliberale (in den USA würde man fiscal conservatives sagen) den derzeitigen Bailout, wodurch tatsächlich wieder einmal Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert wurden.
    Bei der Entstehung der Krise haben allerdings auch marktverzerrende staatliche Eingriffe eine Rolle gespielt. Die Immobilien-Blase entstand auch deshalb, weil der Staat besondere Anreize für den Kauf von Immobilien gesetzt hatte.

  6. siehe auch: rechtspositivismus
    zum linksliberalismus möchte ich sagen das ich den liberalismus für ein ursprünglich linkes phänomen halte..die wirtschaftliche freiheit als gescheitert zu erklären ist wohl als erstes ein merkantilistisches phänomen, was sich dann später mit der arbeiterbewegung zum staatssozialismus verheiratete..
    der ordo- oder neoliberalismus ist mehr oder weniger die konservative flügel der sozialdemokratie und negiert ebenfalls die wirtschaftliche freiheit (und einige darüber hinaus) und nennt das was dem staat davon übrig lässt “freier wettbewerb”.(ich verwende dem begriff ‘wirtschaftliche freiheit’ in dem sinne der des gezielten handelns mit gütern, auch wenn es mir nicht möglich scheint mein privatlebenvon meinem wirtschaflichen abzugrenzen).
    seine prinzipien abzuwerfen und sie mit einer von obrigkeiten bestimten ‘positiven freiheit’ (also das was erlaubt bleibt) halte ich nicht für klug.es ist dem staat sowieso nicht möglich das leben seiner ‘untertanen’ vollständig zu kontrollieren, ein bisschen ‘positive freiheit’ folgt da zwangsläuftig. naja außer man ist tot.

  7.  Lichtschlag ist weder libertär noch sonstwas, der hat einfach bloß einen Dachschaden!

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  11. Libertärer Republikaner

    Wenn sich Menschen Federn in den Hinter stecken werden Sie kein auch Huhn. Und nur weil Sie sich selbst als Liberaler bezeichnen werden Ihre Ideen nicht weniger sozialistisch.
     
    Wenn “Liberale” anfangen Marx zu zitieren….

  12.  
    Toll: Weil nicht jeder die gleichen Chancen hat, sind diejenigen mit schlechteren Ausgangsbedingungen angeblich also “unfreier”. So ein Quatsch! Wenn ich als Schwarzer auf der Plantage arbeiten muss, weil ich mir nicht selber gehöre bin ich in der Tat unfrei. Wenn ich jedoch arbeiten gehen muss, weil ich essen muss, ist das keine “Unfreiheit”, sondern schlicht eine Notwendigkeit. Sobald jemanden meine Arbeitskraft mehr wert ist, könnte ich jederzeit kündigen. Sobald ich eine Idee habe, die etwas wert ist, kann ich das ebenfalls.
    Hier wird die Erfüllung von Wünschen mit Freiheit gleichgestellt! Ist jemand freier, wenn er schlauer oder fleißiger ist? Hey, die Wahrscheinlichkeit, dass er sich seine Wünsche erfüllen kann, ist doch höher!
    Reale Freiheit bedeutet in der Realität nunmal nicht nur, dass mir etwas nicht verboten ist zu tun, ich muss auch die Möglichkeit dazu haben. Dem hungernden Kind in der Dritten Welt verbietet niemand aktiv, Millionär zu werden. Die Chancen dieses Kinds sind dennoch äußerst gering. Das ist real existierende Unfreiheit, die nicht ins ideologische Korsett der Libertären passt.
    Toll, ich bin Teamleiter in einem DAX-Unternehmen und verdiene keine 80000€ pro Jahr. Da ich vermutlich nie Millionär werden werde, bin ich also ebenfalls unfreier als jemand, der es ist? So ein Quatsch! Freiheit bedeutet schlicht die Möglichkeit, meinen Fähigkeiten entsprechend mich entfalten zu können und diese sind nun mal sehr verschieden. Robinson ist auf seiner Insel frei – es gibt niemanden, der ihn knechtet. Ihn als “unfrei” zu bezeichnen, weil er auf einer Insel mit begrenzten Ressourcen lebt, kann nur einem Linken einfallen.
    Wer Freiheit als Freiheit von Sorgen und Nöten definiert, als Zwangsanspruch gegen Dritte, stellt den Begriff der Freiheit auf den Kopf und ist alles Mögliche aber bestimmt nicht Liberal. “linksliberal” ist ein Widerspruch in sich.

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