Dönercast Folge 1: Finanzkrise

Gestern hat mich Freddy zum brandaktuellen Thema Finanzkrise interviewt. Auch wenn ich nun nicht gerade ein ausgewiesener Experte für das Thema bin, hab ich doch mal versucht zu beschreiben, wie es zu der aktuellen Situation kam.

Eigentlich wollte unser ganzes Team ja nochmal einen Podcast zum Thema blogage.de aufnehmen – aber dann haben wir uns spontan umentschieden. Zur weiteren Entwicklung von blogage.de wollen wir aber definitiv auch bald noch etwas sagen.

 

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Netzwerkökonomie: Verstaatlicht eBay!

Das Internet ist geprägt durch Netzwerkökonomien. Eine Netzwerkökonomie zeichnet sich dadurch aus, dass sie um so profitabler wird, je mehr Mitglieder sie besitzt.

Beispiel eBay: Zunächst ist es für jeden Teilnehmer der Netzwerkökonomie positiv, das Netzwerk zu erweitern. Je mehr Bieter vorhanden sind, desto attraktiver für denjenigen, der etwas verkaufen will und je mehr Anbieter vorhanden sind, desto besser für die Bieter. Die Auswahl an Angeboten wächst, je größer das Netzwerk, desto realistischere und fairere Marktpreise werden erzielt.

Niemand würde eine andere Plattform als eBay wählen, um ein Produkt zu versteigern, weil er weiß, dass er dort die meisten potentiellen Interessenten findet. Und niemand würde als Bieter auf einer anderen Plattform als eBay ein Produkt suchen, weil er weiß, dass er hier das größte Angebot findet. Das alles ist zunächst sehr positiv, man nähert sich insbesondere durch die große Transparenz auf beiden Seiten dem modelltheoretischen homo oecomicus, der frei in einem fast perfektem Markt agiert.

Das Problem: Während der Markt innerhalb des Netzwerks schon beinahe zur modelltheoretischen Perfektion neigt, funktioniert er auf Meta-Ebene – also zwischen verschiedenen Netzwerken – langfristig gar nicht. Sowohl Bieter als auch Anbieter werden abhänig von eBay. Das Unternehmen besitzt ein Quasi-Monopol im Bereich der Internet-Auktionen. Da die Attraktivität einer Online-Handelsplattform für Bieter mit der Zahl der Anbieter und für Anbieter mit der Zahl der Bieter wächst, ist eBays enormer Vorsprung vor allen anderen Auktionsbörsen nicht mehr aufzuholen. Es fehlt also an einem Markt der Online-Auktionsplattformen und dieser wird auch niemals entstehen.

Dadurch ist es für eBay nicht nur möglich, langfristig die Gebühren weiter zu erhöhen und damit übertriebene Margen für eine eigentlich sehr einfach zu erbringende Dienstleistung zu verlangen, weil es an Konkurrenz fehlt. eBay hat auch die Möglichkeit, sein Monopol im Bereich der Online-Auktionen auf andere Bereiche auszudehnen. Genau das passiert gerade in den USA. Dort will eBay nämlich Überweisungen zur Bezahlung von Artikeln verbieten. Stattdessen werden die eBay-Nutzer dazu gezwungen, den eigenen Online-Bezahldienst PayPal zu nutzen. Besonders pikant: Googles und Amazons PayPal-Alternativen werden nicht erlaubt.

Andere elektronische Bezahlsysteme wie Checkout by Amazon oder Google Checkout will eBay nicht zulassen, schließlich handele es sich bei den dahinter stehenden Unternehmen ja um direkte Konkurrenten.

Etwas ähnliches erleben wir gerade bei Apples iPhone. Apple nutzt die Marktmacht im Bereich des beliebten Smartphones, um mit dem Appstore die einzige legale Plattform für iPhone-Applikationen zu schaffen. Doch nicht nur das: Apple nutzt dieses Monopol sogar dazu, Programme, die zu eigenen Anwendungen in Konkurrenz stehen, einfach nicht zuzulassen.

Besonders ausgeprägt sind Netzwerkökonomien im Bereich sozialer Netzwerke wie Facebook, Xing oder StudiVZ. Ihr wichtigstes Kapital sind die Nutzer. Je mehr Nutzer sich auf der Plattform tummeln, desto attraktiver wird das Netzwerk auch für neue Nutzer. Es beginnt ein unumkehrbarer Konzentrationsprozess. Für Geschäftskontakte gibt es in Deutschland beispielsweise keine reale Alternative zu Xing – und das nutzt das Unternehmen weidlich aus. Wer sonst könnte beispielsweise ernsthaft Geld dafür verlangen, dass man anderen Nutzern Nachrichten schreiben darf, die über 128 Zeichen hinaus gehen?

Eines scheint klar: Mit dem Internet sind neue Formen von Netzwerkökonomien entstanden, die neue kartellrechtliche Regeln erfodern, da diese Netzwerkökonomien zu schnelleren und festeren Quasi-Monopolbildungen neigen als je zuvor in der Old Economy.

Wie diese Regeln aussehen sollten, ist aber schwer zu sagen. Ich glaube, dass gewisse Dienstleistungen im Netz, wie soziale Netzwerke und Handelsplattformen, am besten und effizientesten tatsächlich staatlich bereitgestellt werden müssten. Ein radikaler Gedanke, zumal ich sonst kein Fan von Verstaatlichungen bin. Aber in diesem Fall sehe ich langfristig keine wirkliche Alternative, da bei Netzwerkökonomien einfach keine funktionierenden Märkte entstehen.

Was mich als Liberaler an den Libertären stört

Der Libertarismus ist eine vor allem in den USA verbreitete politische Ideologie, die vorgibt, sich konsequent für die Freiheit des Einzelnen einzusetzen und dabei im Extremfall jeglichen staatlichen Zwang ablehnt.

Auch in Deutschland gibt es insbesondere seit den späten Neunziger Jahren eine kleine libertäre politische Szene, die sich beispielsweise um das Magazin eifrei gruppiert, das von dem auch unter Libertären umstrittenen André F. Lichtschlag herausgegeben wird. Auch innerhalb der FDP existiert eine sogenannte Libertäre Plattform.

Ausgehend von einem Blog-Artikel von sofias zum Begriff wirtschaftsliberal, habe ich mal kurz und knapp zusammengeschrieben, was mich an der radikalen Laissez-faire-Position des Libertarismus grundsätzlich stört.

Sofias beschreibt zunächst, warum Libertäre den Begriff wirtschaftsliberal ablehnen:

“wirtschaftsliberal” ist eindeutig ein unliberaler begriff weil er den unliberalen maßtab “wirtschaft” enthält.
politisch zwischen “wirtschaft” und “unwirtschaft” zu unterscheiden kann nur das ziel haben, zwang auf einen von beiden bereichen zu dulden.

Meiner Meinung nach ist es aber durchaus sinnvoll, verschiedene liberale Positionen zu differenzen. Denn wenn es sicherlich auch das Ziel eines jeden Liberalen ist, die persönliche Freiheit des Individuums zu maximieren, so bestehen eben doch Unterschiede in zwei wesentlichen Punkten:

1. Der Defintion von Freiheit

2. Dem präferierten Weg, diese Freiheitsdefinition zu realisieren

Kritik am negativistischen Freiheitbegriff

Ich persönlich halte eine positivistische Defintion von Freiheit für sinnvoll. Das bedeutet, dass ich davon ausgehe, dass Freiheit mehr bedeutet, als das Nichtvorhandensein von Verboten und direkt sichtbarem Zwang.

Die libertäre Position ist meiner Meinung nach extrem idiologisch und dogmatisch. Den Grund hierfür sehe ich in dem rein negativistisch definierten Freiheitsbegriff (“Alles, was nicht verboten ist, ist erlaubt”). Damit wird viel von dem, was reale Freiheiten und Unfreiheiten ausmachen (Chancen, Bildung, Wohlstand auf der einen und z.B. Armut auf der anderen Seite) einfach ignoriert.

Reale Freiheit bedeutet in der Realität nunmal nicht nur, dass mir etwas nicht verboten ist zu tun, ich muss auch die Möglichkeit dazu haben. Dem hungernden Kind in der Dritten Welt verbietet niemand aktiv, Millionär zu werden. Die Chancen dieses Kinds sind dennoch äußerst gering. Das ist real existierende Unfreiheit, die nicht ins ideologische Korsett der Libertären passt.

Ausgehend von der rein negativistischen Position wird das Dogma des absoluten Nichteingreifens postuliert, das a priori und damit unabhähig von den jeweiligen Gegenbenheiten durchgesetzt werden muss. Es wird schlicht negiert, dass es auch Situationen geben kann, in denen Regulation mehr Freiheit bedeutet als Deregulation. Die Realität wird verleugnet, um eine eine extreme und wirlichkeitsfremden Ideologie zu erhalten.

Deshalb kann es meiner Meinung nach eben durchaus liberal sein, um auf sofias Eingangsbemerkung einzugehen, Formen des Zwangs im Bereich der Wirtschaft zu dulden, um die Freiheit von Individuen zu vergrößern. Daher ist es meiner Meinung nach auch legitim, wenn ich als selbsternannter Liberaler Laissez-faire-Kapitalisten als wirtschaftsliberal bezeichne. 😉

Online-Werbung: Der falsche PI-Gott

Wie Offline-Regeln den Online-Journalismus zerstören

In der Online-Werbung gibt es eine Währung. Sie lautet Page Impressions, kurz PI, also Seitenaufrufe. Einerseits wird Online-Werbung pro tausend Aufrufen bezahlt (der sogenannte Tausender-Kontakt-Preis, kurz TKP). Andererseits steigt dieser Preis pro Aufruf tendenziell, je mehr Aufrufe eine Seite insgesamt hat. Das ganze erscheint dir ziemlich absurd und unlogisch? Guess what: Ist es auch.

Diese Regeln stammen aus der Offline-Welt und führen gerade im Online-Journalismus zu einer geradezu absurden Jagd nach dem Klick. In der Welt der Print-Medien gilt: Je verbreiteter ein Medium ist, desto mehr Ansehen genießt es im Schnitt. Deshalb zahlen Werbekunden für Medien mit höherer Reichweite im Schnitt einen höheren Tausender-Kontakt-Preis, also einen höheren Preis pro 1.000fach gesichteter Werbung.

Nun gibt im Online-Journalismus keine Auflage, von der sich in Kombination mit Umfragen die Reichweite eines Mediums ableiten lässt. Weil Werbeleute ohne Ahnung vom Internet die Regeln der Online-Werbevermarktung einst aufgestellt haben, wurden hier die Page Impressions zur allein seelig machenden Währung für jede Website erhoben. Diese Regeln hat die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V, kurz IVW, festgelegt. Immerhin sind die Page Impressions auch das einzige, was sich relativ zweifelsfrei messen lässt.

Wohin das führt, lässt sich sehr schön am Extrembeispiel Welt Online demonstrieren, laut IVW-Zahlen immerhin auf Platz 29 der meistaufgerufenen Seiten in Deutschland. Wie Welt Online das macht? Qualitativ hochwertige und gut recherchierte Artikel sind höchstens noch Beiwerk. Sie dienen dazu, Bildergalerien zu bewerben. Bildergalerien sind schnell zusammengegklickt: Zu jedem aktuellen Thema oder Nichtthema liefern die Nachrichtenagenturen massenhaft Bilder, für die jedes Online-Medium Nutzungsrechte besitzt. Am besten läuft natürlich alles, was irgendwie mit Sex oder schönen Frauen zu tun hat – am besten in Kombination.

 

Bildergalerien auf Welt.de – zum Vergrößern klicken. Bild: Screenshot

Ob also zwanzig verschiedene Leser zehn Minuten Zeit investieren, einen Artikel zu lesen oder ein Leser sich schnell durch zwanzig Bilder einer Bildergalerie klickt – in der IVW-Währung PIs ist das das Gleiche. Das führt nicht nur zu einem enormen Qualitätsverlust des Online-Journalismus, es ist letztlich auch eine Täuschung der Werbetreibenden.

Denn es macht nunmal einen Unterschied, ob ein Leser mehrere Minuten einen Artikel liest und dabei eine Werbeanzeige sieht oder ob er sich mal eben schnell durch im Extremfall “333 Fakten zum Thema Sex durchklickt und dabei die immer gleiche Werbung angezeigt bekommt. In dem einem Fall zahlt der Werbetreibende einfach, im anderen 333fach.

So langsam scheint das auch die Werbeindustrie zu bemerken. Bei den PI-Königen StudiVZ und SchülerVZ sind die Klickzahlen nämlich jüngst mal um rund eine Milliarde eingebrochen. Grund ist jedoch kein Rückgang der Nutzerzahlen, sondern eine technische Verbesserung: Mittels Ajax werden nämlich nun viele Inhalte im Hintergrund nachgeladen, ohne dass die komplette Seite neu geladen werden muss. So wird weniger Traffic erzeugt und die Geduld der Nutzer geschont – nur in IVW-Zahlen sieht das ganz schlecht aus.

Googles Zukunftsutopie

Wenn ich den Suchmaschinenriese Google für irgendwas bewundere, dann wie konsequent das Unternehmen eine Utopie verfolgt: Die Verfügbarmachung von allem menschlichen Wissen online für jeden – konsequent. Klar, birgt das Risiken. Aber für mich es zunächst mal eine positive Utopie, ein alter, humanistischer Menschheitstraum.

Seit der Gründung des Unternehmens sichert Google Wissen und macht es kostenlos allen verfügbar – egal, ob es sich um historisch wertvolle Usenet-Archive, historische Bücher oder die Erfassung ganzer Straßenzüge. Mich fasziniert immer wieder wie konsequent das Unternehmen dabei vorgeht, wirklich sämtliches Off- wie Onlinewissen erfassen, archivieren und online jedem zugänglich zu machen.

Googles nächster Coup kündigte das Unternehmen auf der Techcrunch50 an: Der Konzern will sämtliche Zeitungen der Welt im einscannen und im Originallayout online jedem zugänglich machen. “Alle Zeitungen. Der Welt. In Original-Optik. Volltext durchsuchbar. Online.” schreibt Thomas Knüwer zu Recht, um die Dimension dieses Unterfangens deutlich zu machen.

 

Google-Vize Marissa Mayer über Googles Digitalisierungspläne

Ich als jemand, der mal mehrere Wochen vor einem Mikrofilmprojekter an der Uni verbracht hat, um Todesanzeigen in FAZ und Rheinischer Post auszuwerten, kann alleine kaum begreifen, welchen Fortschritt das für die Wissenschaft bedeutet.

Und wie reagiert die deutsche Zeitungslandschaft auf das Projekt? Die Kulturpessimisten von der FAZ sind mal wieder erbost: “Der nächste Schritt, mit dem sich der Suchmaschinenkonzern Google zum Monopolisten des Weltwissens und der Bewusstseinsindustrie aufschwingttönt es aus dem Leitmedium des deutschen Konservatismus.

Geradezu lächerlich wird es, wenn die FAZ behauptet “alles, was sie und ihre beruflichen Vorväter jemals zu Papier gebracht haben“,  verschwändeunter dem Dach des Google News Archive“. Vielmehr kann kann dieses Wissen bisher als verschollen gelten – denn wer macht sich schon die Mühe, uralte Archive von Zeitungen am anderen Ende der Welt zu ausfindig zu machen und zu durchforsten?

Nun hoffe ich nur noch, dass sich die Verlage diesem historischen Unterfangen nicht in den Weg stellen.