Die Systemfrage

Der Finanzmarktkapitalismus frisst seine Kinder

Andreas Nölting, Chefredakteur des manager magazin, schreibt heute auf Spiegel Online zum Stellenabbau bei BMW & Konsorten:

Zitat:
Diese ökonomische Argumentation erstaunt dann doch, vor allem aus dem Mund eines “wirtschaftspolitischen Sprechers”. Denn sie personalisiert und stigmatisiert, wo viel dringender die Systemfrage gestellt werden sollte: Wie lange kann eine Gesellschaft die Macht der Börse – also die pure Orientierung am Shareholder Value (der Aktienrendite) und die Zwänge der Globalisierung ertragen, bis sie auseinanderbricht? Oder, anders formuliert: Zerstört der Super-Kapitalismus die Demokratie?

Mit aller Wucht bricht eine neue Epoche des Kapitalismus über uns herein. Einst hatten Unternehmer in ihren Fabriken das Sagen. Als die Konzerne größer wurden und an die Börse gingen, übernahmen angestellte und oft selbstherrliche Manager die Regie. Jetzt allerdings bestimmen die weltweit agierenden Fondsfirmen, Hedgefonds und zunehmend auch die milliardenschweren Staatsfonds diktatorischer Länder die Regie. Die Vorstände sind die “Büttel”, die Dienstleister ihrer mächtigen Großaktionäre. Wer nicht spurt, muss gehen.

Dazu passt, dass die Deutsche Telekom ihren Aktionären heute auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens eine Dividende von 3,4 Mrd. Euro versprochen hat – bei einem Gewinn von 569 Millionen Euro. Das entspricht einer Ausschüttungsquote von 600 Prozent, der Durschnitt bei DAX-Konzernen liegt bei einer Quote von 40 Prozent.

Wer hat etwas davon? Langfristig niemand. Selbst Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), kritisiert die hohe Ausschüttung an die Aktionäre. Warum aber geht die Telekom mit ihrer Dividendenausschüttung an die eigene Substanz?

Die Antwort: Weil die Private-Equity-Gesellschaft Blackstone darauf gedrängt hat. Blackstone hält nämlich 4,5 Prozent der Telekom-Aktien und ist über die Entwicklung des Aktienkurses enttäuscht. Das verfehlte Investment soll sich jetzt aber doch noch auszahlen für Blackstone, indem die enttäuschende Entwicklung des Aktienkurses durch eine Dividendenausschüttung kompensiert wird, die das Unternehmen bluten lässt. Es würde mich nicht wundern, wenn Blackstone sich nun zeitnah von der Telekom-Investition verabschiedet.

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9 thoughts on “Die Systemfrage

  1. Am Tag der Dividendenauschüttung sinkt die Aktie üblicherwese um die Höhe der Dividende. Das nennt man Dividendenabschlag. Am Kurs steht dann exD dran, damit man sich beim Kursverlust nicht erschreckt.

    Wer kurz vor der Ausschüttung die Aktie kauft und kurz nachher verkauft, macht nicht mehr Gewinn als wenn man die Aktie irgendwann sonst im Jahr kauft und kurz danach wieder verkauft.

    Was sollte die Heuschrecke also von einer hohen Dividendenausschüttung kurzfristig haben? Nichts.

    Sorry, aber die Theorie ist Bullshit!

  2. Mir ist die Theorie scheißegal, Tatsache ist doch, das wieder einmal die von den Beschäftigten erwirtschafteten Gewinne nicht ihnen zu Gute kommen. Ja noch nicht mal dem Unternehmen, sondern an die Aktionäre verschenkt werden.
    Schön, das es nun offenbar auch Stimmen von etablierten Readaktionen so gesehen wird, das sich im Aktienrecht etwas Grundlegendes ändern muss. Ich habe Wut im Bauch.

  3. @ egghat:

    Interessant, das wusste ich nicht. Ich habe noch nie Aktien besessen aber das klingt natürlich logisch.

  4. Die Telekom hat mit Dividende geworben und die wird eingefordert, zumal der Kurs der Aktie aktuell unter dem Einkaufspreis von Blackstone liegt. Scheinbar finden die Investoren die Geschäftspolitik der Telekom so toll – Abbau von Arbeitsplätzen inklusive. Jedenfalls liegt damit die Rendite von Blackstone im 2-stelligen Prozentbereich.

  5. zu blackstone und co:
    lässt sich durchaus auf die geldschöpfung zurückführen..

    was die ‘systemfrage’ vielleicht zu einer anderen macht..

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