Die Rente ist sicher

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Kaum ein Satz in der Politik über den soviel gespottet wurde wie dieser: “Die Rente ist sicher”. Ausgesprochen von dem damaligen Arbeitsminister Norbert Blüm und erstmals im Wahlkampf 1986 öffentlich breit verwendet. Heute ist man sich allgemein einig, dass das eine Lüge war, der demographische Wandel ein Übel und wir alle privat vorsorgen müssen – so zumindest pfeifen es die Spatzen von den Dächern, partei- und medienübergreifend. Das Credo: Das staatliche Umlagefinanzierungssystem muss größtenteils durch eine private und überwiegend kapitalgedeckte Altersvorsorge ersetzt werden.

Tatsache aber ist: Die sicherste Form eines Rentensystems bleibt trotz aller Unkenrufde immer die staatliche organisierte Umlagefinanzierung – und zwar ganz einfach deshalb, weil dieses System so lange funktioniert, wie es Menschen gibt, die Einkommen beziehen und solche, die Renten beziehen.

Die kapitalmarktgedeckte Altersvorsorge dagegen birgt unzählige Risiken. Wirtschaftswissenschaftler versagen schon regelmäßig dabei, die wirtschaftliche Entwicklung der nächsten zwei bis fünf Jahre vorherzusagen. Wer weiß, was sich wirtschaftlich alles ändert, bis ein heute Dreißigjähriger ins Rentenalter eintritt. Wird es weitere Zusammenbrüche der Kapitalmärkte geben? Wird sich der Kampf der Kulturen zu einem Krieg ausweiten? Wird es Revolutionen, Kriege, Umbrüche, Wirtschaftskrisen geben? Nichts davon kann heute irgendwer mit Sicherheit vorhersagen. Doch von all diesen Faktoren hängt die Wertentwicklung an den Kapitalmärkten ab. Würde – aus welchen Gründen auch immer – die kapitalmarktgedeckte Rente vieler Bürger in zwanzig, dreißig oder vierzig Jahren wertlos, müsste in Deustchland am Ende wieder der Sozialstaat einspringen. Mit anderen Worten: Das Ausfallrisiko der kapitalmarktgedeckten Renten liegt bei der Gesellschaft, die Gewinne des risikoreichen Geschäftsmodells streichen private Versicherer ein. Gewinne werden also privatisiert, Risiken bleiben sozialisiert.

Aber selbst wenn alles gut geht bei den kapitalmarktgedeckten privaten Rentenversicherungen und wir in den nächsten Jahrzehnten weder mit einer größeren Wirtschaftskrise noch anderen Umwälzungen konnfrontiert werden, bleiben Risiken. Was passiert eigentlich, wenn die nun fleißig für’s Alter vorsorgenden Dreißigjährigen in vierzig Jahren tatsächlich ins Rentenalter eintreten? Die wenigstens von ihnen werden ihre Rente aus der Rendite ihres Fonds bestreiten können. Das bedeutet, sie müssen ihre Aktien verkaufen – und das wird dem Kapitalmarkt in einigen Jahrzehnten auf einen Schlag eine Menge Kapital entziehen. Eventuell führt die in einigen Jahrzehnten zu erwartene “Flucht” aus dem Kapitalmarkt auch zu einem massiven Preisverfall von Aktien und anderen Derivaten, die zur Altersvorsorge genutzt wurden. Das wiederum könnte einen Dominoeffekt wie schon bei der Subprime-Krise auslösen. Selbst die Auswirkungen dieser eingeplanten und vorhersagbaren Welle von Fondsveräußerungen sind also heute noch völlig ungeklärt.

Warum aber wird die private fondsgedeckte Rentenversicherung dann seit Jahren von Medien und Politik derartig gehyped und staatlich so großzügig gefördert? Es kann eigentlich nur ein sinnvolle Antwort darauf geben: Versicherungen sind einfach eine starke Lobby in Deutschland – auch mit hervorragenden PR-Kontakten, beispielsweise zur Bild-Zeitung. Wen die undurchsichtige Beziehung der Springer-Presse zu den privaten Versichern näher interessiert, empfehle ich die Lektüre des Finblogs, insbesondere die Kategorie Redaktion Rente. Auch das Bildblog hat schon mehrfach auf diese unheilige “Allianz” hingewiesen.

 

Zum Weiterlesen

 

Rentenversicherung und demographischer Faktor

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14 thoughts on “Die Rente ist sicher

  1. Also ich persönlich glaube ja nicht mehr daran, dass ich, wenn ich ins Rentenalter komme, überhaupt noch eine gesetzliche Rente erhalte…

    Ich will es zwar nicht hoffen, aber ich denken nicht, dass unser Rentensystem noch lange durchhält.

  2. ich gehöre auch eher zu den Pessimisten, was das Thema Rente betrifft……..
    nach meiner Meinung liegt es dann so:
    jeder bekommt ne “Einheitsrente” (so in dem Dreh von 100-200 Euro, wenn es den dann noch gibt^^) und ansonsten werden uns Politik und Wirtschaft den Spruch um die Ohren wickeln: “Ihr wisst doch seit 30 Jahren das ihr privat vorsorgen müßt”
    das es aber auch Menschen gibt die sich nichtmal dieses leisten können vergessen diese Bonzen gern
    oder das wir unser Leben lang in ne staatliche Kasse einzahlen, ob wir nun wollen oder nich

  3. Ein Problem der gesetzlichen Rente – neben dem demographischen Wandel – war das Plündern der Rentenkasse für diverse andere Sachen. Und auf einmal wurde es knapp. Der demographische Wandel (für den die Politik ja nichts kann) wird da aber in den Vordergrund gerückt. Wer sagt schon gerne er hätte Gelder der Wähler zweckentfremdet.

  4. Ein schöner und kritischer Beitrag über die gesetzliche Rente. Schade nur, dass du dich nicht zum Thema Riester Rente geäußert hast. Denn auch diese ist nicht für jeden empfehlenswert.

  5. Da gibt es überall nur Gerüchte und Mutmaßungen über die Zukunft der Rente, dabei kann Jeder die geschätzte Entwicklung der Beitragssätze und der Rentenhöhe ablesen unter den Annahmen, die er selbst eingibt, mit dem Windows™-Programm RentenSystem auf
    http://fuhlrott.eu/EcoModyn/Renten/index.htm

  6. Hallo Doener,
    ich kann Deine Argumentation nachvollziehen, bin aber anderer Meinung. Das, was Du dem privaten Vorsorgeprinzip vorwirfst 

    “Aber selbst wenn alles gut geht bei den kapitalmarktgedeckten privaten Rentenversicherungen und wir in den nächsten Jahrzehnten weder mit einer größeren Wirtschaftskrise noch anderen Umwälzungen konnfrontiert werden, bleiben Risiken…”)

    trifft auch auf eine umlagenfinanzierte Altersvorsorge zu. Eine schwammige Zukunft gibt weder der staatlichen noch der privaten Vorsorge Recht. Es ist einfach ein Faktum. Und damit muss man leben… wie es die jetzige Krise zeigt. Klar ist doch, dass man sich nicht ausschließlich auf den Staat verlassen sollte – ebensowenig wie auf einzelne Versicherungsgesellschaften etc. . Und dass es Kooperationen zwischen Medien und Wirtschaft gibt, ist doch auch klar – ohne Weerbung eben keine Zeitung. Eine Milchmädchenrechnung, aber so ist es nunmal. Jede Seite besitzt eine Lobby – und eben das ist doch das Wichtige an der ganzen Geschichte. Oder?
     

  7. Hallo Rüdiger,
    die umlagefinanzierte Rente funktioniert. Immer. Jedenfalls solange es Menschen gibt die arbeiten und dabei Geld verdienen (nach dem Mackenroth-Theorem muss sowieso immer die arbeitende Bevölkerung die Rentner “durchfüttern”, egal wie das Rentensystem aussieht).
    Die staatliche Rente wurde ja bereits von Bismarck eingeführt. Und sie hat nach dem 1. Weltkrieg und während der Hyperinflation gezahlt. Genauso wie zur Weltwirtschaftskrise Ende der 20er. Genauso wie sie nach dem 2. Weltkrieg gezahlt hat. Eben durch die Eigenschaft der Umlagefinanzierung: Jeder der Geld verdient, gibt einen Teil davon in einen großen Topf, der dann an die Rentner ausgezahlt wird.
     

  8. Hallo Torsten,
    letztlich sind ja alle Formen der Altersvorsoge “umlagenfinanziert” – ob durch Aktienrendite oder “den großen Staatstopf”. Was jedoch neu an der ganzen Geschichte ist – seit Bismarck – nennen wir den sogenannten DEMOGRAPHISCHEN WANDEL. Das Problem ist doch, dass der Topf immer größer wird und die Suppe immer dünner… ich denke, dass eine Mischform die sicherste Art der Altersvorsorge ist, vor allem, wenn der Staat noch Fördergelder verteilt. Es muss nur sichergestellt werden, dass der ganze Verwaltungsaufwand und die Fördergelder an sich, sich nicht gegenseitig auffressen und am Ende dann mal wieder nichts übrig bleibt, als ein Haufen an Gebühren…

  9. Hallo Rüdiger,
    ich hab jetzt erst Deine Antwort auf meinen Kommentar hier im Blog entdeckt, also sorry für die späte Rückantwort.
    Ja, der demographische Wandel ist in der Tat ein Problem. Allerdings sehe ich auch einen anderen Ansatz zur Problemlösung: Mit einer entsprechenden Politik begleitet von medialen Kampagnen kann man den Menschen wieder ein Gefühl für langfristige soziale Sicherheit geben, was wiederum dazu führt, dass sich auch wieder Familien gründen. Im Idealfall können wir es sogar schaffen, innerhalb von 2 Generationen (also 40-50 Jahren) wieder eine Pyramide als Altersstruktur zu haben.

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