Daten statt Dogmen II

Die Wirtschaftswissenschaften sind traditionell ein Feld von Ideologen, heißen sie nun Karl Marx, Milton Friedman oder Friedrich August von Hayek. Jede wirtschaftspolitische Maßnahme würde von den drei Herren ausschließlich danach bewertet werden, ob sie ins ökonomische Weltbild passt. Ein Kommentar für die Entpolitisierung der Ökonomie.

Für welche Wirtschaftspolitik eine Gesellschaft entscheidet, ist in erster Linie eine politische Frage. Denn keine Wirtschaftspolitik kennt nur Gewinner, jede wirtschaftspolitische Maßnahme bedeutet auch eine Umverteilung von Ressourcen – und hat damit Gewinner und Verlierer zur Konsequenz. Natürlich gibt es aber auch wirtschaftspolitische Maßnahmen, die unsinnig sind, weil ihr Nutzen für die Gewinner einer Maßnahme in keinem Verhältnis zum Schaden der Verlierer steht.

Wenn es darum geht, politische Entscheidungen zu beeinflussen, überbieten sich Ökonomen je nach Couleur regelmäßig mit Schreckenszenarien oder paradiesischen Versprechen, um den eigenen ideologischen Standpunkt zu untermauern. Die Wirtschaftswissenschaften sind tatsächlich nach wie vor viel stärker durch Idoelogie geprägt als durch eine Beschäftigung mit empirischen Daten. Das bestätigt beispielsweise auch Joachim Möller, der neue Chef des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im Interview mit dem Handelsblatt:

Schauen Sie sich die Debatte über den Mindestlohn in Deutschland an. Viele deutsche Ökonomen haben sich zu Wort gemeldet, aber keiner hat sich die Daten zum Mindestlohn im Bauhauptgewerbe angeschaut – obwohl sie seit 1998 vorliegen. Wir konnten es kaum glauben, aber wir waren tatsächlich die Ersten.

Natürlich gibt es im Bereich der Ökonomie keine werturteilsfreie Wissenschaft im Sinne Webers. Aber etwas weniger Voreingenommenkeit und eine Analyse vorhandener Daten statt die ewig gleichen ideologischen Reflexe – mit anderen Worten eine Verwissenschaftlichung und Entpolitisierung – würde den Ökonomen gut anstehen.

Selbstverständlich bleibt die Frage, welche Wirtschaftspolik nun betrieben werden soll am Ende eine politische Entscheidung, die von den Bürgern eines Landes getroffen werden muss. Denn hier spielen eben auch Werte und Interessen eine Rolle. Gerade deshalb sollte es in meinen Augen Aufgabe der Volkswirtschaftslehre sein, den Bürgern die Vor- und Nachteile verschiedener Wege in dieser Frage möglichst objektiv darzustellen, um die vorhandenen Alternativen deutlich zu machen.

Stattdessen wird dort überwiegend politische Propaganda auf Kosten der Steuerzahler betrieben und zwar je nach Idoelogie andere. Aber wie so oft regieren auch hier die falschen Anreize. Natürlich ist es bequemer wie Hans-Werner (Un)Sinn in Talkshows die immergleichen Phrasen von der erdückenden Bürokratie des Staates zu wiederholen, als empirische Daten dazu zu erheben und auszuwerten, welche staatlichen Regulierungsmaßnahmen die wirtschaftliche Entwicklung tatsächlich hemmen. Natürlich ist es einfacher, politische Entscheidungen anhand des auswendig gerlernten Ideologieschemas zu bewerten, statt dere Auswirkungen in der Realität wissenschaftlich zu untersuchen.

Wir brauchen eine grundsätzlich neue mikroökonomische Theorie. Der klassische Optimierungsansatz muss durch etwas anderes ersetzt werden, wenn man weiterkommen will bei der Erklärung ökonomischen Verhaltens

Nobelpreisträger Reinhard Selten

Doch auch der modelltheoretische Werkzeugkasten der mikroökonomischen Theorie ist angestaubt. Ein immer größerer Teil heutiger Ökonomen verweist darauf, dass die neoklassische Annahme vom Menschen als homo oeconomicus psychologisch längst widerlegt ist. Der Mensch ist weder so rational wie vom Modell angenommen, noch setzt er den zu erwartenden Nutzen bei persönlichen Entscheidungen mit Einkommensmaximierung gleich. Es steht also auch eine grundlegende Erneuerungen der Modelle an, die ebenfalls zu falschen Schlüssen führen können, die leider viel zu oft als Dogmen behandelt werden.

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Das iPhone-Kartell

Aufgrund einer einstweiligen Verfügung wurde die Deutsche Telekom nun gezwungen, das iPhone auch vertragsfrei anzubieten. Das iPhone ohne Vertrag kostet 999 Euro, die SIM-Lock-Entsperrung bereits ausgelieferter Geräte ist kostenlos. Ich hoffe, dass die von Vodafone und Debitel angestrengten Klagen erfolgreich sind und will im Folgenden kurz ausführen, warum.

Monopole sind überhaupt nur dann sinnvoll, wenn sonst keine Anreizstruktur vorhanden wäre, um innoativ zu sein. Natürlich wäre es zum jetztigen Zeitpunkt z.B. für alle außer Apple wünschenwerter, wenn jeder das iPhone einfach nachbauen könnte: die iPhone-Preise würden in den Keller gehen. Erfreulich für den Konsumenten und auch gesamtvolkswirtschaftlich betrachtet wünschenswert, weil Güter (in diesem Fall das iPhone) effizienter bereitgestellt würden.

Aber: Dagegen existieren natürlich Schutzmechanismen. Das Urheberrecht bzw. Copyright schützt das Design, Patente schützen die Technik (meines Erachtens aber viel zu stark aber das ist ein anderes Thema). Dieses künstliche Produktmonopol wurde vom Staat geschaffen, um Firmen einen Anreiz zu geben, innovativ zu sein. Diese Monopole bringen einen volkswirtschaftlichen Nutzen. Nicht unmittelbar, aber auf lange Sicht – denn sie spornen immer wieder zur Innovationsfreudigkeit an, was die Menschheit insgesamt weiterbringt.

Im Falle eines kartellartigen Zusammenschluss zwischen zwei Firmen, die damit das im Grunde unbegrenzt vorhandenes Gut iPhone-Vertrag künstlich verknappen, erfüllt dieses Monopol keinen volkswirtschaftlichen Nutzen – im Gegenteil: der freie Wettbewerb wird verhindert.

Es ist okay, wenn das Gut “iPhone” knapp ist und exklusiv von Apple angeboten wird – schließlich war Apple für das Gerät innovativ, hat in Forschung, Entwicklung und Werbung investiert. Es ist aber meines Erachtens nicht in Ordnung, wenn die Knappheit eines Guts mittels Kartellzusammenschluss (Apple und T-Mobile, Apple und AT&T usw.) dazu genutzt wird, ein weiteres Gut künstlich zu verknappen – in diesem Fall den Vertrag für das iPhone. Dieses Gut könnten Konkurrenten genauso bereitstellen und hier, auf diesem Marktsegment, wird damit per Kartell der Wettbewerb verhindert.

Daher sollte ein solches Monopol kartellgesetzlich verboten sein. Gleiches gilt meiner Meinung auch für den Versuch Apples, iPod-Benutzer mit technischen Mitteln zur Verwendung von iTunes zu zwingen.

Nachrichtenrundumschlag

Die vergangenen Woche ist wieder einiges passiert: Google macht sich und anderen die komperativen Kostenvorteile des Open-Source-Modells zu nutze, Bundespräsident Köhler kritisiert die Schattenseiten der Globalisierung, die schönsten Verschwörungstheorien zu den kalifornischen Waldbränden – und mehr.

Googles offene Handy-Plattform

Über den effizienzfördenden Nutzen des Open-Source-Modells für die Wirtschaft bin ich bereits im meinem alten Blog ausführlich eingegangen. Damals schrieb ich:

Bei nichtmatriellen Gütern wie Wissen und Software, setzt sich vermehrt ein Mischsystem aus Kooperation und Konkurrenz durch. Große Teile der Wirtschaft setzten inzwischen auf Open-Source-Software wie Linux, Apache und MySQL.

Der Vorteil: Niemand muss das Rad neu erfinden, doppelte und an sich unnütze Mehrarbeit bleibt erspart. Konkurriert wird um Support, nicht mehr um das Anbieten der Software-Lizenz. Die kooperativ ausgerichtete GNU General Public License schreibt jedem Nutzer jediglich vor, Änderungen am Quellcode ebenfalls wiederum der Allgemeinheit zugänglich zu machen. […] Das kooperative Modell ist im Bereich nichtmatrieller Güter effizienter als das des konkurrienden Markts.

Genau dieses Prinzip macht sich nun Google mit der neuen Linux-basierten Handyplattform Android zu nutze – und davon profitieren alle außer die Anbieter proprietärer Systeme wie Apple und Microsoft. Insbesondere angesichts der Tatsache, dass der PC einen langsamen Tod stirbt dürften ihre Gewinnmargen in Zukunft sinken: Die Zukunft der Kommunikation liegt in mobilen Geräten – und die dürfte nicht zuletzt dank Google weitgehend offen sein.

Auch für Laptops und andere mobile Geräte gilt: Je preiswerter die Hardware wird, desto schwieriger wird es für Microsoft die hohen Lizenzgebühren des Windows-Betriebssystems zu rechtfertigen. Die neuen Subnotebooks von Asus für 300 Euro werden beispielsweise standardmäßig mit einer angepassten Variante von Xandros Linux ausgeliefert. Microsoft hat die Gefahr bereits erkannt und betreibt offenbar heftige “Lobbyarbeit”.

Der rote Köhler

Bundespräsident Köhler warnt in einer Grundsatzrede vor Finanzmärkten, die außer Kontrolle geraten. “Die internationalen Finanzmärkte habe sich in einem Maße verselbstständigt, die Sorge machen muss”, erklärte er. Als Antwort auf oft wechselnde Berufe, gering steigende Löhne bei rasant wachsenden Unternehmensgewinnen verlangte er “Ertrags- und Unternehmensbeteiligung in Arbeitnehmerhand”. Man ist versucht dem ehemaligen IWF-Chef mit Goethe zu antworten.

Wer ist schuld an Kaliforniens Waldbränden?

In Zeiten ideologischer Grabenkämpfe passieren Naturkatastrophen nicht mehr einfach so. Fragt man Al Gore und seine Anhänger, ist der Klimawandel schuld und Fox News will Terroristen ausgemacht haben, welche die Feuer legten. Die schönste Verschwörungstehorie hat aber die Welt: Die Amerikaner haben ihre Wälder selbst angezündet. Den Preis für die schönste Blamage geht in diesem Zusammenhang an Bushs FEMA. Die seit Katrina stark kritisierte Katastrophenschutzbehörde hat mal eben eine ganze Pressekonferenz gefaked.

Chinas Aufstieg

Weißt du wie Chinas Staatschef heißt? Und für die, die jetzt mit Ja antworten: Wusstet ihr das auch schon vor Merkels China-Reise? Es wird Zeit, sich solche Dinge zu merken: Chinas Aufstieg geht in rasantem Tempo weiter. Seit vergangener Woche stammen fünf der zehn größten Firmen der Welt aus China, zumindest wenn man die Marktkapitalisierung der Konzerne zum Maßstab nimmt. Auch das wertvollste Unternehmen der Welt hat seinen Sitz in China: Das Staatsunternehmen PetroChina ist gerade an die Börse gegangen. Einen ebenfalls fulminanten Börsenstart legte die Internetgesellschaft Alibaba.com vor:

Die Aktie von Alibaba.com beendete die Morgensitzung bei 35,75 Hongkong-Dollar – ein Plus von 165 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis von 13,50 Hongkong-Dollar. Mit seinem erfolgreichen Start hat die Gesellschaft den weltweit zweitgrößten Börsengang eines Internet-Unternehmens seit Google im Jahr 2004 besiegelt.

Und das größte Riesenrad der Welt, wollen die Chinesen auch noch bauen.

Dollar weiter auf dem Weg nach unten

Zur Dollarschwäche muss ich ja eigentlich nichts mehr schreiben. Natürlich ging es auch in den vergangenen Wochen wieder abwärts, der Euro hat ein neues Allzeithoch gegenüber dem US-Dollar erreicht und selbst Supermodel Gisele Bündchen verschmäht inzwischen die weiche Währung. Ein kandadischer Dollar ist zurzeit übrigens über 1,06 US-Dollar wert.

Neues vom Abmahnanwalt

Günter Freiherr von Gravenreuth zeigt sich uneinsichtig. Eine Ende des Abmahnwahns ist trotz der Verurteilung aber leider nicht in Sicht, fürchten Verbraucherschützer. Man lasse sich davon aber nicht die Laune beim Lesen des Urteils gegen Gravenreuth im Wortlaut verderben. Erquickende Lektüre! 😉

Das Energiekartell

Das Energiekartell in Deutschland
Das Energiekartell in Deutschland. Bildquelle: Wikipedia

Bei Strom und Gas gibt es keinen funktionierenden Wettbewerb in Deutschland. Das ist aufgrund der monopolartigen Strukturen eigentlich eine Binsenweisheit, inzwischen aber auch zum Bundeskartellamt vorgedrungen. Auch Frontal21 hat einen Beitrag dazu. Schon im März forderte ein Gutachten der Deutschen Bank die Zerschlagung der Stromkonzerne.

Fundstück

Zwischen Zukunft und Vergangenheit bewegt sich der sogenannte Steampunk, der von Jules Vernes und anderen frühen Science-Fiction-Autoren inspiriert, die Technik von heute und Morgen mit der Ästhetik des viktorianischen Zeitalters verbindet. Die Anhänger dieser fiktiven Epoche bauen sich allerlei Gerätschaften, die den alten Look mit moderner Technik verbinden. Besonders schön: Dieses Notebook und dieser PC. Das Wall Street Journal hat auch ein Video dazu:

Via FUCKUP Wiki: Die Zukunft von gestern