Eine Millionen Beiträge auf Ubuntuusers.de

Genau 10 Tage nach der Veröffentlichung von Ubuntu 7.10 feiert die deutschsprachige Ubuntu-Community ihren einmillionsten Foren-Beitrag. Sowohl die Zahl Beiträge als auch die der Zahl der Benutzer steigt stetig. Einen besonderen Zuwachsschub erlebt Ubuntuusers.de wieder seit der Veröffentlichung der jüngsten Version 7.10.

Wie man den Abbildungen entnehmen kann, haben wir pro Tag aktuell um die 100 Neuanmeldungen und die Anzahl der täglichen Beiträge ist sogar auf über 2000 angewachsen. Seit Anfang des Jahres hat sich die Gesamtzahl aller im Forum geschriebenen Beiträge sogar mehr als verdoppelt und in wenigen Tagen werden wir auch das 50.000ste Forenmitglied begrüßen dürfen.

Neben dem Sommerloch von Anfang Juni bis Ende August erkennt man auch sehr schön, dass nach der Veröffentlichung einer neuen Ubuntu-Version für eine gewisse Zeit die Anzahl der Neuanmeldungen drastisch ansteigt. So hatten wir kurz nach Veröffentlichung von Gutsy Gibbon mehrere neue Besucherrekorde im Forum zu verzeichnen. Der derzeitige Rekord liegt bei 788 [gleichzeitig eingeloggten] Benutzern am 23.10.2007.

Quelle: ubuntuusers.de

Mit der deustchsprachigen Community wächst auch die weltweite Popularität des Systems. Von der New York Times über 3sat bis zu Spiegel Online wird berichtet, selbst Dell bietet inzwischen PCs und Laptops mit vorinstalliertem Ubuntu Linux an.

Herzlichen Glückwunsch an Ubuntuusers.de! Auf dass die Community rund um das freie und kostenlose Betriebssystem weiterhin wächst – und wir damit der Lösung für Bug #1 Schritt für Schritt näher kommen.

Mehr zum Thema

Microsoft blockiert ISO-Arbeit

Noch mal ein kleiner Nachtrag zu Microsofts Manipulationen bei der ISO-Standardisierung des pseudooffenen Dokumentenstandards OpenXML:

Der Standardisierungsexperte Andy Updegrove berichtet nun von den Auswirkungen, die Microsofts gekaufte Mitlieder in den nationalen Standardisierungsgremien haben: Der zuständige Normenausschuss JTC 1/SC 34 der ISO ist komplett handlungsunfähig geworden. Die von Microsoft gekauften Mitgliedsfirmen tun natürlich nur das, wofür sie von Microsoft bezahlt wurden: Pro OpenXML stimmen. An sonstiger Standardisierungsarbeit in dem Gremium sind sie nicht interessiert. Weil die Standardisierungsregularien aber eine Mindestanwesenheit bei Abstimmungen vorsehen, hat dies nun zur Folge, dass die gesamte internationale Standardisierungsarbeit in desem Bereich blockiert ist. Auch heise online, Pro-Linux und Golem berichten.

Die Wurzeln des Neokonservatismus

Von der Realität geläuterte Linke?

Die Ära der neokonservativen Vorherrschaft innerhalb der republikanischen Partei hielt nicht lange an und ist spätestens seit dem sich abzeichnenden Irakkriegs-Desaster endgültig vorbei. Die derzeitigen republikanischen Präsidentschaftskandidaten für die Wahl 2008 werden nicht müde, sich von Bush und seinen neokonservativen Think Tanks zu distanzieren. Trotzdem lohnt sich eine genauere Betrachtung der Wurzeln dieser Ideologie, denn diese sind höchst umstritten, voller Widersprüche und ebenso interessant. Am Anfang stand der Philosoph Leo Strauss.

Unwissenheit ist ein Segen – für das einfache Volk

Leo Strauss, 1899 in Deutschland geboren, emigrierte bereits 1932 zunächst nach Paris, später in die USA. Der Professor für Politische Philosophie an der University of Chicago gilt vielen als ein konservativer politischer Theoretiker. Doch das trifft den Kern der Sache nicht ganz. So sehr Leo Strauss ein ausgewiesener Gegner der liberalen Demokratie, wie sie sich in der gesamten westlichen Welt ab dem 20. Jahrhundert auszubreiten begann, war, so wenig glaubte er selbst an die konservativen Werte an sich. Für den ihn als Atheisten bestand der Wert gesellschaftlicher Mythen wie der Nation und der Religion nicht in ihrem überzeitlichen Wahrheitgehalt, sondern in ihrer gesellschaftlichen Funktion.

Im Liberalismus und der Massendemokratie sah Strauss die Gefahr eines hemmunglosen, vom Atheismus getriebenen Individualismus, der in letzter Konseqeuenz die Auflösung aller Werte und jeglicher gesellschaftlicher Stabilität zur Folge hat. Sobald mangelns “rechter” Ideale und Mythen wie Nation, Religion und Familienwerten jegliches menschliches Streben der reinen Selbstverwirklichlung des Individuums untergeordnet wird, sah Strauss die Existenz der Menschheit an sich gefährdet. Daraus folgt für ihn ein zynischer Elitismus: Die politische und gesellschaftliche Führung eines Landes, müsse seiner Meinung nach nicht an die gesellschaftlichen Mythen wie Religion und Nation glauben. Sie müsse dies gegenüber den Massen der Gesellschaft aber vorgeben und -leben, um dem höheren Gut der gesellschaftlichen Stabilität zu dienen.

Pure Vernunft darf niemals siegen

Der von Strauss vertretene Ansatz ist normativ betrachtet damit nur scheinbar konservativ, in Wirklichkeit aber radikal utilitaristisch. Nicht die Wahrheit und Richtigkeit konservativer Werte wird betont, sondern deren Nutzenfunktion nach utilataristischen Kritierien:

Als wichtiger Theoretiker für die Neokonservativen gilt der Philosoph Leo Strauss. Vielfach wird Strauss’ Einfluss dafür verantwortlich gemacht, dass der Neokonservatismus sehr ausgeprägte Züge des Machiavellismus aufweist. Insbesondere geht auf Strauss die Idee des “Mythos” zurück (insbes. Religion und Nation). Dieses Konzept ist eng verbunden mit Strauss’ Ansatz, dass das Volk von der Elite belogen werden müsse. Dies ergibt sich aus Strauss’ tiefem Misstrauens gegen die liberale Gesellschaft, bzw. aus seinem Entsetzens über die liberale Gesellschaft. Der Mythos sei zwar nicht wahr, aber eine notwendige Illusion. Notwendig sei dies, weil die individuelle Freiheit die (einfachen) Menschen dazu verleite alles in Frage zu stellen, was dann die Gesellschaft insgesamt zerstören würde. Die Elite müsse diese Lügen öffentlich vertreten und leben, privat müssten sie diese natürlich nicht glauben (Strauss wies hier gern auf den TV-Anwalt Perry Mason als Rollenvorbild hin).

Quelle: Wikipedia



Von der “Old Left” zur paternalistischen Rechten

“Ein Liberaler ist jemand, der sagt, es sei in Ordnung, wenn ein 18-jähriges Mädchen in einem Pornofilm mitwirkt, so lange es den Mindestlohn erhalte.”

Irving Kristol

Als einer der wichtigsten Urväter der neokonservativen Ideologie kann Irving Kristol gelten. Der Historiker teilt insbesondere zwei biografische Merkmale mit fast allen Urvätern des Neokonservatismus: Seine ursprünglich explizit linke Ideologie und seinen jüdischen Hintergrund. Er selbst bezeichnet sich heute als einen “Linken, der von der Realität überfallen wurde” (“A liberal mugged by reality”). In seiner Jugend war er Mitglied der Young People’s Socialist League und wie viele heutige neokonservative Intellektuelle ein aktiver Trotzkist.

So weit sich heutige Neokonservative vom Trotzkismus auch entfernt zu haben scheinen, zwei wesentliche Konstanten lassen sich in ihrer sehr wechselhaften politischen Biografie ausmachen: Die unbedingte Feindschaft gegenüber jedem totalitären System, beginnend mit dem Stalinismus, und der Internationalismus der Bewegung, basierend auf einem ausgewiesenen Sendungsbewusstein der eigenen poltischen Werte. Immerhin war Trotzki ein glühender Anhänger der Idee einer weltweiten sozialistischen Revolution, während Stalin den Sozialismus zunächst im eigenen Land verwirklichen wollte. Ihre Feindschaft zum totalitären Regime der Sowjetunion trieb die Neokonservativen, die zunächst als Sozialisten in den 1930er Jahren noch überwiegend Roosevelts New Deal unterstützten, in die Arme der Republikaner. Ronald Reagans unachgiebige Haltung gegenüber der sowjetischen Führung imponierte den Neokonservativen, die sich von einer innerhalb der Demokraten häufig vertretenen Politik der Annäherung verraten fühlten.

Ein Kernanliegen der Neokonservativen war mit der Machtübernahme von George W. Bush junior von vorne herein die Demokratisierung des Nahen Ostens. Dieses begründet sich aus dem bereits angesprochenen Internationalismus. Um dieses Ziel zu erreichen haben sie es sogar geschafft, die vom Staatsverständnis der Republikaner als Partei eines “Small Governments” abgeleiteten außenpolitischen Isolationismus zu überwinden – und damit im Irak ein Desaster erlitten. Neben den oft vorgebrachten wirtschaftlichen Interessen des Irakkriegs, darf also auch nicht außer Acht gelassen werden, dass die Demokratisierung des Iraks – als Vorreteiter für eine Demokratisierung und Liberalisierung des gesamten Nahen Ostens – schon lange auf der neoliberalen Agenda stand.

Sicher ist heute nur, dass die offiziell vorgebrachten Gründe einer angeblichen Bedrohung der USA durch das Regime Saddam Husseins auf Lügen basierte. Dass die Bevölkerung hier offenbar betrogen wurde, um ein in den Augen der Neokonservativen höheres Gut zu erreichen, passt wiederum in die Philosophie von Leo Strauss. Der wohl bekannteste investigative Journalist in den USA, Seymour Hersh, glaubt hier den Geist von Strauss’ Philosophie ausgemacht zu haben und sieht im Falle des Irakkriegs die Neokonservativen als Puppenspieler hinter den Entscheidungen von Goerge W. Bush, der zur Erreichung der höheren Ziele selbst von der Neokonservativen belogen würde:

Strauss believed that good statesmen have powers of judgment and must rely on an inner circle. The person who whispers in the ear of the King is more important than the King. If you have that talent, what you do or say in public cannot be held accountable in the same way.” Another Strauss critic, Stephen Holmes, a law professor at New York University, put the Straussians’ position this way: “They believe that your enemy is deceiving you, and you have to pretend to agree, but secretly you follow your own views.” Holmes added, “The whole story is complicated by Strauss’s idea—actually Plato’s—that philosophers need to tell noble lies not only to the people at large but also to powerful politicians.”

Quelle: newyorker.com

Der technolibertäre Grateful Dead-Songtexter John Perry Barlow geht an dieser Stelle noch weiter, wenn man den Ausführung von CCC-Ikone Tim Pritlove glauben darf. Hinter vorgehaltener Hand spreche Barlow von einer Instrumentalisierung des Terrors im Sinne der Neokonservativen, die diesen daher hätten gewähren lassen. Angelehnt an Strauss’ Philosophie, die von der Elite verlangt, dem einfachen Volk eine klare Vorstellung von gut und böse zu vermitteln, glaubten die Neokonservativen an die Notwendigkeit einer äußeren Bedrohung.

Diese solle – sei diese real oder nicht – die innere Stabilität einer liberalen Gesellschaft aufrecht erhalten, indem sie die Welt in klar nachvollziehbare good guys und bad guys unterteilt. Somit seien die durch Terrorismus umgekommenen Amerikaner für einen höheren Zweck gestorben: Den gesellschaftlichen Glauben an eine äußere Bedrohung, die deren Zusammenhalt fördere. Allerdings bewegen wir uns spätestens jetzt bereits weit im Bereich des Spekulativen.

Links

Der anarcho-libertäre Vorschlaghammer im TV

South Park – eine Cartoon-Serie, die anders ist

I hate conservatives, but I REALLY hate liberals

Trey Parker, 2001

Die Simpsons, Family Guy, American Dad und Futurama – allesamt tolle Cartoonserien, die ich mir – zumindest im englischsprachigen Original – gerne ansehe. Aber einer Serie können Sie meiner Meinung nach alle nicht das Wasser reichen: Sie sind alle viel zu brav, um dem efant terrible der Cartoon-Serien, South Park, mitzuhalten.

Denn alle genannten Serien bewegen sich – eben mit Ausnahme von South Park – innerhalb des politischen liberal mainstream. Man könnte diese fast sämtliche politischen TV- und Film-Produktionen (mit Ausnahme der Nachrichtensendungen bei Fox) durchziehenden linksliberale Vormachtsstellung auch als Hollywood Consensus bezeichnen. Und genau da bricht South Park einfach readikal aus.

Ich bin selbst das, was man in den USA einen liberal nennt, auf deutsch vielleicht am besten mit linksliberal übersetzt. Aber mich unterhält nichts so sehr, wie die beißende Kritik, die diese Serie mit dem Vorschlaghammer des US-Libertarismus an Staat, Demokratie (von einigen Libertären auch als “Diktatur der Mehrheit” bezeichnet), Umweltschutz und anderen heiligen Kühen der liberals wie affirmative action, die Hate-Crime-Gesetzgebung oder der Vorstellung eines Corperated America übt. Dauerbrenner sind natürlich auch die Themen Politcal Correctness und falsch verstandendene Toleranz (großartig: Cartoon Wars, auch wenn nach der darin vorgebrachten berechtigten Kritik an dem Humor von Family Guy diese Serie leider nur noch halb so lustig ist.;)).

“The Wall*Mart is lowering its prices trying to stop us!”

“Come on, we’ve got to try to make it to the back!”

“Gaaahh! Don’t look! Don’t look at its bargains!”

Quelle: imsdb.com

Ganz besonders lachen muss ich zugegebenermaßen aber dann, wenn meine eigene politische Meinung in einem bestimmten Bereich tatsächlich von unter Linken und Linksliberalen weit verbreiteten Vorstellungen abweicht. Wenn sich die South-Park-Macher beispielsweise in Something Wall-Mart This Way Comes über linke Manipulationstheorien lustig machen, dann sind das meiner Meinung nach die absoluten Sternstunden dieser anarcho-kapitalistischen Serie. Ich musste an zahlreiche vertane Stunden denken, in denen ich mit Linken darüber gestritten habe, ob es die von der Frankfurter Schule postilierten wahren und falschen Bedürfnisse gibt.

Am Ende bleibt den beiden South-Park-Autoren nur zu gratulieren, dass sie es tatsächlich geschafft haben eine derart intelligente und hintergründige Serie zu einem solchen Erfolg zu verhelfen, die es bis in den deutschen Mainstream geschafft hat, wo die libertären Elemente der Serie wahrscheinlich überwiegend nicht einmal verstanden werden (sofern sie überhaupt die Übersetzung überlebt haben). Schließlich ist diese politische Richtung in Deutschland nahezu unbekannt. Wie sie das erreicht haben ist wiederum typisch libertarian: Man verstecke den politischen Witz einfach unter einer dicken Schicht Fäkelhumor. Mag also durchaus sein, dass hierzulande die “falschen Leute” South-Park-Fans sind – aber es ist die richtige Serie. 😉

Free Burma: Interview mit Ashin Sopaka

Download: Mp3-Datei (9,2 MB)
Download als Ogg-Vorbis-Datei (5,1 MB)

Free Burma!

Am Rande eines Friedenslaufs in Köln, der anlässlich des gewaltsames Vorgehens der Militärs gegen die Proteste in Burma stattfand, hatte ich gestern Gelegenheit mit dem aus Burma verbannten Mönch Ashin Sopaka zu sprechen. Die Audiodatei möchte ich anlässlich der weltweiten Blog-Aktion zur Befreiung Burmas exklusiv hier online stellen.

 

Ashin ist 1977 in Burma geboren und seit 2003 als politischer Flüchtling in Deutschland anerkannt. Er hat in den vergangenen Tagen zahlreichen Medien, darunter der Deutschen Welle, Tagesschau.de, Tageszeitungen und dem WDR Interviews gegeben. Nach eigenen Angaben sagte er jüngst sogar aus terminlichem Stress ein Interview bei “Beckmann” ab. Ich habe trotzdem mit ihm vor dem Kölner Dom reden können und das Interview mit meinem Mp3-Player aufgenommen. Leider war es gestern sehr windig, worunter teilweise die Audioqualität leidet.

Ashin hat Kontakt zu den oppostionionellen Mönchen in Burma und wurde von diesen jüngst sogar zum offiziellen Auslandssprecher erkoren. Er berichtet unter anderem über die derzeitige Situation, kritisiert das Schweigen der Oberhäupter in den Klostern und berichtet über künftige Protestformen, die weiteres Blutvergießen verhindern sollen.

Mehr über Ashin Sopakas Lebensweg erfahrt ihr in diesem ausführlichen Interview.

Spiegel Online berichtete noch gestern:

Augenzeugen berichten von Massenverhaftungen und Killer-Kommandos. Dass die Soldaten Befehl haben auf Mönche und Demonstranten zu schießen, hat jetzt ein Major der burmesischen Armee bestätigt. Der Offizier ist geflohen – und berichtet von Hunderten Toten.

Quelle: spiegel.de