Think small – Businesspläne in Zeiten des Web 2.0

mutle hat mich gerade auf einen interessante Buch der Firma 37signals aufmerksam gemacht. Das Unternehmen hat Ruby on Rails für die Unternehmenssoftware Basecamp erfunden, die wir intern ebenfalls einsetzen.

Das Buch Getting Real, das auch gratis komplett online (Update: Inzwischen auch auf Deutsch verfügbar) gelesen werden kann, trägt den Unteritel: The smarter, faster, easier way to build successfull web application. Einige der wichtigsten Punkt möchte ich hier kurz zusammentragen:

Features, Features über alles?

Build Less

Ziel heutiger Webapplikationen sollte es nicht mehr sein, die Konkurrenz in Kalter-Kriegs-Mentalität durch ein möglichst großes Bündel an Funktionen übertreffen zu wollen:

If they have four features, you need five (or 15, or 25). If they’re spending x, you need to spend xx. If they have 20, you need 30.

Diese Beobachtung ist sicher richtig. Allerdings sollte man sich meiner Meinung nach schon vom Markt absetzen können, z.B. mit einer neuen Ideen oder einem neuen Konzept. So hat es sich blogage.de beispielsweise zum Ziel gesetzt hat, die interessanten Funktionen des Web 2.0 sinnvoll miteinander zu verbinden. Die Betonung liegt dabei auf sinnvoll, also nicht so, dass alles, was zur Zeit hipp & Hype ist, einem großen Webkübel gleich zusammengeschüttet wird. Vielmehr geht es um die Kombination von Funktionen, die sich tatsächlich komplementär auf der Plattform ergänzen. Wir sehen hier insbesondere in der Kombination aus Empfehlungssystem, sozialem Netzwerk und Blogs ein großes Potential. Durch die Kombination dieser für sich bekannten Web-2.0-Features ergeben sich viele neue interessante Möglichkeiten für die Nutzer: Was lesen und empfehlen meine Freunde? Was bewegt sie gerade? Die Blogs als zentrales Medium von blogage.de dienen dabei sozusagen als Schnittstelle, in denen diese Themen dann auch kommentiert und diskutiert werden können.

Die Nische, die wir damit besetzen wollen, ist ein Social-Networking-Portal für und rund um Blogger.

Externes Kapital nur als Plan B

Fund Yourself

Geld von außerhalb der Firma war lange Zeit für jede Existenzgründung zwingend notwendig. In diesem Denken verhaftet, sorgen sich viele Start-Ups zu allererst um die externe Finanzierung. Dies sollte nach Meinung von 37signals aber immer nur dann geschehen, wenn diese Art der Finanzierung wirklich unausweichlich ist. Der Grund ist klar: Externes Kapital bringt externe Verpflichtungen mit sich. Investoren haben eigene Ansprüche an das angelegte Geld, sie wollen ihr Geld zurück – und zwar möglichst schnell. Dem eigenen Businessplan kann somit nur noch unzureichend gefolgt werden und eine Exit-Stretagie wird um einiges komplizierter.

Warum aber mussten Generationen von Unternehmensgründern sich erst um externes Kapital sorgen, während wir unsere Unternehmensgründung heute größtenteils über unser eigenes BAföG finanzieren? Zwei Gründe: Billige Serverhardware, die sich inzwischen jeder leisten kann und Freie Software, die keine Lizenzkosten verursacht (siehe dazu auch “Was blogage.de möglich machte“). Die von uns eingesetzte Datanbank PostgreSQL ist beispielsweise fast so schnell wie die von Oracle und kostet genau gar nichts statt 40.000 US-Dollar pro Jahr und CPU.

Sei einzigartig, sei du selbst.

Be Yourself

Größere Unternehmen haben viele Vorteile: Bessere Möglichkeiten und Ressourcen Ideen umzusetzen, ein größeres Werbebudget und ein professionelleres Marketing. Viele Start-Ups versuche nach dem Motto “act big” auf diesen Feldern einen aussichtlosen Kampf gegen die Großen zu führen, statt sich auf ihre eigene größte Stärke zu besinnen: Small is beatiful, wenn es um das Firmenimage geht. Kleinere Unternehmen haben einen besseren und direkteren Draht zu ihren Kunden. Der persönliche enge Kontakt der Unternehmensführung zur Community ist das, was Start-Ups gegenüber Großkonzernen voraus haben. Statt in den üblichen unpersönlichen Business-Jargon zu verfallen, sollte dies auch in der Sprache des Unternehmens deutlich werden. Daher haben wir uns beispielsweise schon von Beginn an dazu entschlossen, unsere Kunden auf der Website zu duzen, eine weitere persönliche Note werden unsere Videohilfen bringen, in denen sniker unserer Benutzer einführen wird. Auch unternehmensintern gibt es Vorteile: Die Kommunikation ist direkter, ehrlicher und weniger durch einen “Formalitäten-Overhead” belastet. Das SNAFU-Prinzip wird vermieden.

Ignorie Feature-Requests

Forget Feature Requests

Zugegeben: Der Titel klingt polemisch und ganz so ist er sicher auch nicht gemeint. Im Gegeneil: Das Feedback der Benutzer ist der wichtigste Indikator dafür, in welche Richtung sich die Software entwickeln sollte. Aber jeder einzelne Anfrage umzusetzen oder auch nur zu verwalten, kostet viel zu viele Ressourcen, sobald die Software tatsächlich in größerem Umfang eingesetzt wird.

Diejenigen Features, die tatsächlich essentiell sind, werden sich ganz automatisch in das Gedächtnis der Entwickler einbrennen, einfach dadurch, dass sie immer wieder angefragt werden.

Let your customers be your memory. If it’s really worth remembering, they’ll remind you until you can’t forget.

Kontext über Konsistenz

Context Over Consistency

Um den Usern eine möglichst intuitive Benutzeroberfläche zu bieten, ist Konsistenz wichtig. Aber Konsistenz ist nicht alles. Da, wo es dank besondere Umstände sinnvoll ist, sollte nicht gezögert werden von der Konsistenz abzuweichen. Ob eine bestimmte Funktion an einer bestimmten Stelle sinnvoll ist oder nicht, hängt nämlich vor allem vom Kontext ab.

Das Buch bietet darüber hinaus noch zahlreiche weitere – teils durchaus kontroverse Thesen – zur Softwarentwicklung, möglichst effizienten Arbeitsprozessen und der Unternehmensführung. Ich werde das Buch auf jeden Fall wenigstens zum größten Teil durchlesen und eventuell in einer Fortsetzung noch ein paar weitere Thesen beleuchten.

Zum Weiterlesen und -hören

Die Website zum Buch
Small Is Essential – TIME über 37signals
– Wikipedia: Agile Softwareentwicklung
– Podcast: Chaosradio Express zum Thema Extreme Programming

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6 thoughts on “Think small – Businesspläne in Zeiten des Web 2.0

  1. sehr interessanter bericht auch das buch ist empfehlenswert. nachdem ich fast durch war habe ich gesehen das es auch als deutsche online Ausgabe erhältlich ist. evtl. kanst du den link ja mit einbinden, das die org. eng. version recht schwer zu lesen ist. http://gettingreal.37signals.com/GR_ger.php

  2. Hi!

    Danke für den Tipp, werde ich machen.

  3. Danke für den Link. Habe das Buch auch in englischer Version und finde es sehr schwer zu lesen. Habe es mir jetzt in deutscher Version gekauft.

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